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Fahrtbericht Opel Insignia : Mit diesem Auto wird alles wieder gut

Bild: F.A.Z., Hersteller

Mit Autos wie dem neuen Opel Insignia braucht dem Rüsselsheimer Autobauer auf jeden Fall nicht bange vor der Zukunft zu sein. So wie er müssen künftig alle Fahrzeuge mit dem Blitz auf dem Kühler sein.

          5 Min.

          Kann man in Zeiten wie diesen einen Fahrtbericht über einen neuen Opel schreiben, ohne die Krise zu erwähnen, in der die gesamte Branche und das deutsche Traditionsunternehmen dank ihrer maroden Mutter GM im Besonderen steckt? Wie Opel überleben kann, wenn es in Detroit tatsächlich zum Äußersten kommt, wird hinter den Kulissen gewiss schon verhandelt, dass Opel untergeht, ist unvorstellbar - doch das hat man vor 48 Jahren bei Borgward auch geglaubt.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Mit Autos wie dem neuen Insignia braucht Opel auf jeden Fall nicht bange vor der Zukunft zu sein, so wie er müssen künftig alle Fahrzeuge mit dem Blitz auf dem Kühler sein: qualitativ ansprechend, schick geformt, geräumig und mit Finessen versehen, die man (noch) nicht von Opel erwartet. Modernste, sparsame Motoren und eine übrige Technik auf hohem Niveau sind selbstverständlich Pflicht, sonst bräuchte man heute nicht mehr anzutreten.

          Nun, fünf Benzin- und vier Dieseltriebwerke stehen seit Ende November zur Wahl, die Preisliste beginnt bei 22.700 Euro für das Modell mit einem 1,6-Liter-Motor und 85 kW (115 PS). Dafür gibt es wohlgemerkt ein Mittelklasseauto, das mit einer Länge von 4,83 Meter eigentlich der oberen Mittelklasse zuzurechnen ist. Der abgelöste Vectra war 22 Zentimeter kürzer.

          Vorbildlicher Luftwiderstandswert

          Doch nicht nur Größe zählt: Ohne Zweifel ist es Opel gelungen, die Limousine in ein Kleid zu stecken, das Frische und Dynamik ausstrahlt, der Luftwiderstandsbeiwert von 0,27 ist vorbildlich, und der Kunde hat die Wahl zwischen einem Kofferraumdeckel oder Heckklappe. Wobei selbst Experten die Unterschiede nicht auf ersten Blick erkennen. Der „5-Türer“ ist knapp 400 Euro teurer. Noch im Frühjahr 2009 wird es einen Kombi geben.

          Das Modell, das der Redaktion 14 Tage zur Verfügung stand, war ein „4-Türer“, und er hatte den einzigen direkteinspritzenden Ottomotor unter der Haube, den es zurzeit im Insignia-Programm gibt. 162 kW (220 PS) und schöne 350 Newtonmeter Drehmoment aus vier Zylindern und zwei Liter Hubraum lassen einiges erwarten, und der Fahrer wird nicht enttäuscht, solange er nicht nach dem Verbrauch fragt.

          Willig hochdrehende Maschine

          Die Maschine dreht stets willig hoch, auch aus niedrigeren Drehzahlen. Sie fühlt sich gut an, klingt sonor und wird nie laut. Tempi jenseits der 240 km/h sind möglich. Das manuelle Sechsgang-Getriebe kann mit dem formidablen Motor nicht ganz mithalten. Zwar tritt sich die Kupplung leicht, doch beim Wechsel vom 1. in den 2. Gang ist immer ein gewisser Widerstand zu überwinden, auch beim Weg in den 3. Gang gibt sich das Getriebe irgendwie knochig, weiter rauf flutscht es dann prima - und die Übergänge stimmen alle.

          Die großen Gänge sind niedriger als 1 übersetzt, so passiert es mitunter, dass man im 5. Gang fährt, obwohl man im 6. noch etwas mehr Drehzahl sparen könnte. Selbst in den hohen Gängen beschleunigt der Motor spürbar und kraftvoll. Wer nicht selbst schalten will, kann für 2050 Euro eine Automatik (6 Stufen) ordern.

          Triebwerk nicht sparsam

          Leider aber gehört das Triebwerk nicht zu den sparsamsten seiner Zunft. Der Schnitt von 10,9 Liter ist schlicht zu hoch, bewegt im normalen Alltag (Stadt, Land und Autobahn auf dem Weg ins Büro) waren es fast 12 Liter auf 100 Kilometer, die sich der Insignia genehmigte. Auf deutschen Autobahnstrecken mit einigen schnellen Stücken - auch in der Nähe der Höchstgeschwindigkeit - waren es gar 12,5 Liter. Der Bestwert von 8,6 Liter beruht auf einer Fahrt durch die streng tempolimitierte Schweiz.

          Freilich darf man nicht vergessen, dass der Wagen während kalter Tage bewegt wurde und dass 220 Pferde gefüttert sein wollen. Aber den VW/Audi-2,0-Liter-Direkteinspritzer mit 200 PS fuhren wir im Sommer im etwas leichteren A3-Cabrio (mit Doppelkupplungsgetriebe) und kamen auf einen Schnitt von 9,9 Liter.

          Für den Insignia 2.0 Turbo gibt Opel einen Stadtverkehrs-Verbrauch von 12,6 Liter an. Wenigstens hat der Tank mit 70 Liter Fassungsvermögen eine anständige Größe, an Reichweite mangelt es somit nicht, und auch die übrigen Talente des Insignia sind aller Ehren wert. Bei hohen Geschwindigkeiten auf der Autobahn fühlt sich der Wagen traumhaft sicher an, auf der Landstraße bringen ihn schnelle Kurvenkombinationen nicht aus der Ruhe, er bleibt stets neutral.

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