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Fahrtbericht Opel Insignia : Gegen die Mode hat es die Vernunft schwer

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z., Hersteller

Opels neue Mittelklasse-Limousine Insignia ist ein Paradebeispiel für die praktischen Nachteile modernen Stylings. Die schnittige Keilform zwingt die Passagiere auf der Rückbank in Deckung zu gehen. Trotzdem ist der Insignia ein großer Verkaufserfolg.

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          Was erwartet der Mensch heute - und nicht nur heute - von einem Auto, das mit 4,83 Meter Länge schon so manchen freien Parkplatz nicht mehr nutzen kann? Überdurchschnittliche Geräumigkeit und trotzdem ein Mindestmaß an Handlichkeit und Übersichtlichkeit, sagt die Vernunft. Aber die wird offenbar nicht immer gefragt.

          Es wäre wohl zu einfach, die Formen der aktuellen Auto-Generation einer internationalen Verschwörung der Designer anzulasten, die außer Styling nichts im Sinn haben, schon gar nicht Funktionalität. Denn wenn die Kunden nicht mitzögen, ginge die Rechnung nicht auf.

          Warum wir das in einem Fahrtbericht über den Opel Insignia schreiben? Weil er ein Musterbeispiel ist für diesen Kurzschluss zwischen Design und Käufergeschmack, bei dem beide meinen, er werde vom anderen getrieben.

          Wer will die kleinen Seitenfenster?

          Offenbar zwanghafte Nachahmung hat uns zumindest bei den Limousinen eine ausgeprägte Keilform der Karosserien mit immer kleineren Seitenfenstern beschert. Wer hat das so gewollt? Etwa die Aerodynamiker?

          Die Nachteile überwiegen jedenfalls, auch beim Insignia, die Vorzüge, die es eigentlich gar nicht gibt - es sei denn, eine törichte Mode gelte als ein Wert an sich. Die Dachsäulen an den immer flacheren Frontscheiben nehmen dem Fahrer die Sicht, und die Fondpassagiere müssen sich eingesperrt fühlen zwischen viel zu kleinen Fensterchen.

          Styling-Seligkeit und grober Unfug

          Bug und Heck kann man heute bei fast keinem Auto mehr richtig abschätzen, das (auch beim Insignia) aufpreispflichtige Piepsignal ist obligatorisch geworden. Da nützt es wenig, wenn andere Parameter der Handlichkeit stimmen, etwa der Wendekreis klein genug ist und die Lenkung auch beim Rangieren leichtgängig, wie beides beim Opel.

          Nehmen wir die Geräumigkeit. Hier kommt das nach hinten stark abfallende Dach des Insignia ins Spiel, das wohl einen guten Teil der Begeisterung über dessen Design ausgelöst hat. Es beschränkt naturgesetzlich die Kopfhöhe im Fond und zwingt dazu, die Sitzbank tiefer anzuordnen. Der Erfolg beim Opel, hier in seiner „fünftürigen“ Heckklappen-Version: nicht einmal 90 Zentimeter Kopffreiheit und dafür nur 33 Zentimeter Abstand der Bank vom Wagenboden. Schon ein etwas höher gewachsener oder langbeiniger Mensch sitzt unglücklich in diesem 4,83-Meter-Wagen, wohlgemerkt, es geht hier um eine Limousine, nicht um ein Coupé.

          Und wenn man dann noch versucht, die Kopfstütze im Fond einer solchen Person anzupassen, und es nicht geht, weil das Ding ans Dach stößt - dann artet Styling-Seligkeit in groben Unfug aus. Das mag im Sports Tourer, der Kombi-Version, besser sein, und wenn er wieder, wie erwartet, den größeren Zulassungsanteil erreicht, muss man wohl doch nicht ganz am Urteilsvermögen der Käufer verzweifeln.

          Geschmackvoller Innenraum

          Natürlich ist der Insignia in vielen Punkten ein gutes Auto. Er zeigt mehr Qualität als viele Opel vor ihm, von den Materialien bis zu den Passungen. Man sitzt vorn weit bequemer als hinten, wo auch der Knieraum nicht mittelklassegerecht ist, und steigt dort weniger mühsam ein.

          Es gibt genug Gepäckvolumen hinter der leider sehr hohen und schmalen Ladekante - ohne Ersatzrad 530 Liter, erweiterbar auf bis zu 1465 Liter, aber kein ebener Boden -, auch wenn ein paar Liter weniger zugunsten von mehr Platz im Fond nützlicher wären. Das Innenraum-Design ist geschmackvoller, als man es bei Opel lange gesehen hat. Und so kann man das Auto trotz seinen funktionellen Defiziten mögen.

          Winzige Instrumente verstecken sich in Höhlen

          Zurück auf den Fahrersitz. Hier fällt der Blick auf sehr große Skalen für Drehzahlmesser und Tacho, die klarer gezeichnet sein sollten, und auf winzige Zusatzinstrumente in tiefen, tagsüber unbeleuchteten Höhlen. Gut im Auge ist der Bildschirm fürs Navigationssystem (nur in der Basisversion mit 1700 Euro aufpreispflichtig), auf dem auch Radio und Klimaanlage informieren.

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