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Fahrtbericht Opel Insignia : Für Sport, Stil und Spannung

  • -Aktualisiert am

Bild: Hersteller

Ob sich Opel mit dem Insignia am eigenen Schopf aus dem Sumpf zieht? Der Sports Tourer ist ein großer Wurf, doch setzt die Kombi-Version auf den Chic und vernachlässigt den Transport. Und im Detail fehlt der Feinschliff.

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          Die schöne neue Welt von Opel heißt Insignia und macht die Schatten über der Marke zwar nicht vergessen, aber doch heller. Man hat sich rasch an diese Modellbezeichnung gewöhnt, es ist der Opel Rekord der Zukunft, und von dort grüßt der Sports Tourer die Gestrigen: Caravan war zwar gefüllt mit Emotionen und Erinnerungen, aber die sind Historie. Mit Wohnwagen, nickenden Dackeln auf der Hutablage und glücklichen Zwergen im Garten hat dieser Opel im Kleid des Lifestyle-Kombis nun wirklich nichts im Sinn. Er ist durchaus so etwas wie die letzte Chance.

          Opel hatte nach dem Zweiten Weltkrieg zuerst auf Prestige, dann auf Pragmatismus gesetzt, hat jüngst mit dem sachlichen Vectra und dem von der Kundschaft nicht verstandenen Signum die falschen Wege gewählt und verwirklicht jetzt eine Eigenschaft des Autocharakters, die man viel zu lange vernachlässigt hatte: Opel ist mit seiner neuen Modellphilosophie (im Gegensatz zur wirtschaftlichen Realität) im Glamourdress auf dem Catwalk, will sich zu „Germany's new top model“ wandeln, setzt auf Stil und Lifestyle und bietet in dem neuen Insignia Kombi mehr Zierat als Zweckeigenschaften.

          Das kann man mögen. Oder auch nicht. Denn beim Blick in die Modellhistorie zeigt sich, dass es Schickimicki nicht ohne Folgen gibt: Dem Sports Tourer wird ein Laderaumvolumen von 540 Liter bei aufrechter Sitzbank unter der Abdeckung zugeschrieben; klappt man die Rückbank um und holt man zur Kombiladung aus, dann sind es 1510 Liter.

          Bild: F.A.Z.

          Das klingt gut und ist nicht schlecht, aber im Vergleich zu einstigen Stauverhältnissen hinter dem Opel-Blitz als Markenzeichen wirkt es eher bescheiden und kann als Beleg für die neue Richtung gewertet werden: Der Vectra Caravan aus dem Jahr 2007 hielt die Werte 530 und 1850 bereit, und der Omega Caravan von 1993 kam auf 540 und 1850 Liter Stauvolumen. Der Insignia Sports Tourer peilt offenkundig nicht die gewerblichen Transportierer an, sondern möchte tatendurstige Familien und freizeitwütige Teile der Gesellschaft als Kunden gewinnen.

          Diese rechnen aber nicht in Stau-Litern, sondern eher in Lade-Zentimetern, deshalb sind wir mit dem Maßband im Sports Tourer (wie in jedem Testwagen) herumgekrochen. In der Tiefe misst der Laderaum 106 Zentimeter, wenn die Rücksitze an ihrem Platz sind; klappt man diese mit zwei Handgriffen zusammen, dann gibt es eine Ladetiefe von fast 200 Zentimeter bis zur Rückseite der Vordersitze; unten öffnet die Ladeklappe die Luke auf einer Breite von 106 Zentimeter, um sich nach oben auf 81 zu verjüngen, die Höhe beträgt 71 Zentimeter.

          Auf 70 Zentimeter kommt die Entfernung der Ladekante von der Straße, und nach innen liegt der Boden 34 Zentimeter niedriger als die Kante. Im Boden gibt es noch eine abgedeckte Vertiefung, die aber sehr flach ausgefallen ist. Zurrösen sind ebenso anwesend wie kleine Fächer in den Wänden des Kofferraums oder Schienen für ein Sicherheits-Stausystem.

          Ein Muster an Unübersichtlichkeit

          Dass nicht alles so fein gerichtet ist, wie es wirkt, zeigen wieder Maßband und der Augen-Blick. Die Höhe des Stauraums bis zur Abdeckung liegt bei nur 34 Zentimeter. Das ist zu wenig. Und der Abstand von der äußeren Kante der Prallfläche bis zum Beginn der Ladezone beträgt rund 40 Zentimeter. Das ist zu viel. Denn jedes Transportgut muss über diese Hürde gewuchtet werden, sie ist zudem nicht schützend verkleidet. Weil die voluminöse Heckklappe das gesamte Ende des Sports Tourers mit einer sehr schicken Geste umarmt, gibt sich der Opel hier eher charmant als pragmatisch.

          Die neuen Kleider von Opel führen zu weiteren Malaisen: Der Fahrer sieht beim Blick zurück im Zorn über den Innenrückspiegel einen Tunnel hinter sich, an dessen Ende nur ein kleines Licht der Hoffnung leuchtet. Stellt man die hinteren Kopfstützen auf, ist die Rücksicht komplett versperrt. Die schöne Karosserie entpuppt sich als ein Muster an Unübersichtlichkeit. Aber zu ihren Meriten gehört die Abwesenheit von lästigen Windgeräuschen, die treten erst jenseits von 180 km/h auf.

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