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Fahrtbericht Opel Corsa : Die 3 vorm Komma macht sich gut

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z., Hersteller

Opel hat sich intensiv auf den sparsamen Motor konzentriert. Trotzdem wird man nicht glücklich mit dem neuen Corsa. Der Normverbrauch ist in der Praxis nicht zu erreichen und die Maschine hämmert und nagelt unangenehm laut.

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          Seit 28 Jahren gibt es jetzt den Opel Corsa. Der Kleinwagen, ursprünglich nur in Spanien gefertigt und vor allem für Südeuropa gedacht, hatte sich bald die Herzen der Deutschen erobert.

          Auch heute noch ist der kompakteste Original-Opel – der noch schmächtigere Agila ist ja ein Suzuki Splash – eine feste Größe auf dem hiesigen Markt: Im ersten Halbjahr 2010 besetzte er in der Zulassungsstatistik mit reichlich 33.000 Stück Platz sieben, litt aber wie alle seinesgleichen unter dem Nachfrageloch, das die Abwrackprämie und ihre Folgen im laufenden Jahr gerissen haben.

          Das aktuelle Modell wird seit Februar in überarbeiteter Form verkauft, doch das sieht man ihm nicht an: Äußerlich ist es ganz das alte geblieben. In Rüsselsheim hat man sich allerdings intensiv den Motoren gewidmet, sie zum Teil stärker und sämtlich sparsamer gemacht. Nach wie vor gibt es eine zwei- und eine viertürige Version des Corsa, und wer ihn als Knallbüchse haben möchte, darf den OPC mit fast 200 PS bestellen.

          Bild: F.A.Z.

          Normverbrauch
          Zeitgerechter sind freilich die Sparmeister im Programm, und da kann die Corsa-Baureihe mit dem knausrigsten Auto aufwarten, das Opel überhaupt im Angebot hat.

          Es darf sich mit dem Titel Ecoflex schmücken, der die besten Futterverwerter der Marke auszeichnet, beherbergt den 1,3-Liter-Diesel-Vierzylinder unter der Haube, der hier 70 kW (95 PS) leistet, 190 Newtonmeter Drehmoment aufbietet, doch nur die Abgasnorm Euro 4 erfüllt, und hat bei der Normverbrauchsmessung einen wahren Hammerwert erreicht: 3,7 Liter je 100 Kilometer, das sind 98 Gramm Kohlendioxid je Kilometer.

          Wie macht man das, noch ohne Start-Stopp-Automatik (sie führt Opel gerade erst ein) und Sechsganggetriebe? Ja, das wüssten wir auch gern. Denn die Maßnahmen, die den Appetit dieses Corsa so besonders zügeln sollen, beschränken sich auf längere, also drehzahlsenkende Getriebeübersetzungen, das Tieferlegen der Karosserie, einen speziellen Frontspoiler und rollwiderstandsarme Reifen, die zudem knallhart aufgepumpt werden. Es gelingt auf diese Weise immerhin, 0,7 Liter Normverbrauchs-Abstand zum gleich starken Ecotec-Corsa mit sechs Gängen hinzulegen.

          Verbrauch in der Praxis
          Doch wir stellen wieder einmal fest, dass zwischen Theorie und Praxis ein tiefer Graben klafft. Nicht, dass wir uns keine Mühe gegeben hätten. Wir haben alle Tricks zum sparenden Fahren angewendet, die man im alltäglichen Verkehr nutzen kann, ohne sich unbeliebt zu machen oder gar andere zu gefährden, und sind auf einen Mindestverbrauch von 4,5 Liter je 100 Kilometer gekommen.

          Nicht schlecht, finden wir, aber doch 20 Prozent über dem Prüfstandswert. Am anderen Ende der Skala stehen sieben Liter und mehr bei schneller Autobahnfahrt, so dass unter dem Strich für den gesamten gemischten Einsatz 5,9 Liter herauskommen. Und das ist für ein Auto der Corsa-Größe – höflich ausgedrückt – ganz normal oder, deutlicher gesagt, schon eine ganze Menge und jedenfalls weit von allen Versprechungen entfernt.

          Antrieb
          Zumal der Antrieb dieses Corsa 1.3 CDTI (es gibt daneben noch eine Version mit 55 kW/75 PS) auch seine Schattenseiten hat. Nicht gleich sichtbar an den Standard-Messwerten: 181 km/h Höchstgeschwindigkeit sind ebenso in Ordnung wie die in Kavaliersmanier erreichbaren 12,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h.

          Doch bei schonenderem Umgang mit Kupplungs- und Gaspedal setzt sich der Sparkönig nur recht gravitätisch in Bewegung, und im fünften Gang schrumpft der Durchzug auf ein Züglein – gut 24 Sekunden dauert es dann von 50 auf 100 km/h. Also schalten bitte, und das geht erfreulich präzis und mühelos vonstatten.

          Lautstärke
          Wirklich tadelnswert sind aber die akustischen Manieren des Vierzylinders. Wir sind schon lange keinem Diesel mehr begegnet, der so ungepflegt gehämmert und genagelt hätte wie dieser – kalt wie warm, und nach innen wie außen gleich unangenehm. Das muss man sich beim heutigen Stand der Technik nicht mehr gefallen lassen.

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