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Fahrtbericht Opel Ampera : Elektrisch fahren ohne Sorge

Bild: Hersteller

Ist das die Lösung? Wie kein zweites Auto, das elektrisch fahren kann, überzeugt der Opel mit seinem Range-Extender-Konzept. Doch die viele Technik will bezahlt sein, und wirklich sparsam ist die Limousine auch nicht.

          4 Min.

          Die elektrische Revolution ist etwas ins Stocken geraten. Der herbeigeschriebene Hype um das E-Auto ist vorbei, jetzt müssen sich die Stromer im Alltag bewähren, und da hapert es zu allererst an der Reichweite. Ein Auto, das nicht weiter als 100 Kilometer kommt, bevor es an die Steckdose muss, hat nur geringe Marktchancen.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Zwar taugt dieser Opel elektrisch nur für 50 bis 80 Kilometer, doch weil ein Benzinmotor an Bord ist, der im Bedarfsfall anspringt, muss niemand Angst vor dem Liegenbleiben haben, solange noch Benzin im Tank gluckert. Geht der Saft aus den Lithium-Ionen-Akkus zu Ende, holt sich die Elektroabteilung die Kraft aus dem Generator, der von einem 1,4-Liter-Ottomotor gefüttert wird.

          Fahrzustände

          Was sich so einfach anhört, ist jedoch überaus kompliziert. Der Ampera, der praktisch baugleich mit dem Chevrolet Volt ist, kennt nicht weniger als vier Fahrzustände. Bei voller Batterie fährt er entweder nur mit dem Haupt-Elektromotor (111 kW/151 PS, 370 Newtonmeter Drehmoment) oder benutzt zusätzlich den zweiten E-Motor (der gleichzeitig der Generator ist und 54 kW/73 PS leistet). Letzteres geschieht, wenn viel Leistung gefordert wird - in der Regel beim vollen Beschleunigen oder bei Geschwindigkeiten von 60 bis 80 km/h an.

          Motoren

          Mit laufendem Benzinmotor arbeitet bei langsamer Geschwindigkeit nur der stärkere E-Motor, und es gibt außerdem eine Verbindung vom Benziner direkt auf die Räder. Letzteres war im technischen Konzept zunächst nicht vorgesehen und war Anlass zu Haarspaltereien, der Ampera sei gar kein richtiges Elektroauto.

          Bei voller Last geht wiederum die Kraft nur über die E-Motoren zu den Rädern. Der Fahrer merkt von den technischen Vorgängen ohnehin wenig. Im elektrischen Modus genießt er den flüsterleisen Lauf des Ampera, und auch bei arbeitendem Verbrennungsmotor ist der Ampera ruhig. Nur wenn man aufs Gas tritt, um stärker zu beschleunigen, scheppert der Motor etwas unbotmäßig.

          Aber in aller Regel ist der Ampera ein perfekter Gleiter, der zum zurückhaltenden und sparsamen Fahren erzieht. Überrascht hat uns, wie oft der Wagen auch mit fast leerer Batterie rein elektrisch unterwegs ist. Dann benimmt er sich wie ein gewöhnliches Hybrid-Auto, fährt elektrisch an (die Batterie wird nie ganz leer - 3kWh verbleiben - und beim Bremsen geladen), der Motor geht sofort aus, wenn man vom Gas geht oder an der Ampel steht. Ums Schalten muss man sich nicht kümmern, das Getriebe ist stufenlos, es wird über einen konventionellen Wählhebel bedient.

          Reichweite

          Wer sich die volle Batterie erhalten will, kann dem Ampera per Knopfdruck befehlen, den Benzinmotor zu benutzen. So können weite Distanzen zurückgelegt werden und am Ziel ist die Batterie noch fast voll. Nur fast voll ist die Batterie, weil es in diesem Modus etwas Leistungsverlust gibt. Im rein elektrischen Betrieb können wir von 50 bis 55 Kilometer Reichweite berichten. Damit lässt sich schon viel anfangen, vor allem, wenn die Möglichkeit besteht, am Arbeitsplatz Strom zu fassen.

          Verbrauch

          Ans Anstöpseln muss man sich gewöhnen, falsch machen kann man aber eigentlich nichts, in weniger als fünf Stunden steht der Ampera wieder voll im Saft. Rein elektrisch kamen wir auf einen Verbrauch von zirka 23,6 kWh auf 100 Kilometer, was viel ist für ein E-Auto. Bei einem Stromtarif von 22 Cent je kWh bedeutet dies Fahrtkosten von 5,19 Euro auf die Standarddistanz.

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