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Fahrtbericht Mitsubishi i-MiEV : Das E-Auto wird überschätzt

Rein fahrerisch gibt sich der Hecktriebler i-MiEV unauffällig Bild: Hersteller

Ja, der Mitsubishi ist ein vollwertiges, kleines Stadtmobil. Aber andere Aufgaben kann man ihm nicht auftragen. Vom Preis reden wir erst gar nicht, denn der macht den i-MiEV eigentlich unverkäuflich.

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          Aber es gibt zurzeit einige Unternehmen, die sich gern ein grünes Mäntelchen umhängen und 35.000 Euro für ein 3,48-Meter-Wägelchen bezahlen, das vielleicht 7000 Euro kosten würde, wenn es einen Benzinmotor hätte. Neulich bekam Mitsubishi gar eine Bestellung von der estnischen Regierung, 507 Elektroautos sollen im Rahmen sozialer Projekte eingesetzt werden. Das ist bislang die größte Einzelorder.

          Boris Schmidt
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Mitsubishi - in jüngster Zeit nicht von positiven Schlagzeilen verwöhnt - tut also gut daran, mit dem i-MiEV ganz oben auf der Elektrowelle zu reiten. Während die anderen noch reden und planen, kann man den i-MiEV schon kaufen - im Übrigen auch als Citroën C-Zero (35.165 Euro) oder als Peugeot iOn (nur Leasing, 594 Euro im Monat), das sind seine baugleichen Brüder.

          Ausstattung

          Der viertürige, kurze und schmale (nur 1,48 Meter breit) Wagen sieht auf den ersten Blick nicht nach größerem automobilen Verzicht aus. Auf kleiner Grundfläche kommen vier Personen einigermaßen kommod unter, sogar einen kleinen Kofferraum (227 Liter Volumen) gibt es noch. Die Einrichtung ist freilich frugal, sogar ein Radio ist extra zu bezahlen, moderne Assistenzsysteme darf man im Auto der Zukunft nicht erwarten. Die Antriebstechnik ist Zukunft genug. Die mittlerweile gängigen Komfort-Features kann der i-MiEV (nein, wir machen uns nicht über den Namen lustig) aber bieten: vier elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung, Servolenkung, elektrisch verstellbare Außenspiegel, Klimaanlage, ABS, ESP, reichlich Airbags, Isofix-Kindersitzbefestigung für hinten und vieles mehr. Nicht unwichtig: In einem Crashtest des ADAC hat der E-Mitsubishi sehr gut abgeschnitten.

          Leise und nahezu lautlos rollt der Mitsubishi an, wenn man aufs Pedal tritt
          Leise und nahezu lautlos rollt der Mitsubishi an, wenn man aufs Pedal tritt : Bild: Hersteller

          Instrumente

          Also, fahren wir los. Es gilt, einen gewöhnlichen Autoschlüssel in ein gewöhnliches Lenkradschloss zu stecken und zu drehen. So kennt man das. Natürlich springt jetzt kein Motor an, aber das System meldet sich mit „Bling“ zur Stelle, und außerdem leuchtet in der kleinen Armatureneinheit das Wort „Ready“ auf. Jetzt muss man mit dem Automatikwahlhebel etwas unfein durch die Kulisse rattern. Zum Vorwärtsfahren stehen die Alternativen D, B und C zur Verfügung. Wir beginnen in C wie Comfort.

          Fahrgeräusche

          Leise und nahezu lautlos rollt der Mitsubishi an, wenn man aufs Pedal tritt. Womit wir schon beim ersten großen Vorteil von E-Autos wären, sie sind so schön leise. Dass das mitunter zum Nachteil werden kann, weil Fußgänger sich auch akustisch orientieren, muss der E-Autofahrer stets berücksichtigen.

          Motor

          Der E-Motor des Mitsubishi entwickelt maximal 45 kW (67 PS), das Drehmoment von 180 Newtonmeter liegt wie bei jedem Elektrotriebwerk sofort an, der i-MiEV hat das Talent zum flinken Wiesel in der Stadt. Tatsächlich ist er ein City-Hopper par excellence, ein Wendekreis von nur neun Metern und seine Kürze tun das übrige.

          Platzangebot

          Und wenn der Einkauf mal etwas umfangreicher war, kann die Rückbank mittig geteilt umgelegt werden. Es ergibt sich eine ebene Ladefläche von fast 1,30 Meter Länge, das rechnerische Ladevolumen beträgt maximal stattliche 860 Liter.

          Verbrauch

          Mehr als ein Stadtwagen kann der i-MiEV aber nicht sein, weil die von uns erfahrene Reichweite nicht mehr als 100 Kilometer beträgt. Die 150 Kilometer, mit denen geworben wird, sind ähnlich wie die Normwerte für den Kraftstoffverbrauch ein theoretischer Laborwert. Und dabei haben wir die Heizung noch gar nicht benutzt. Wie alle elektrischen Verbraucher dezimiert sie die Reichweite. Allerdings sorgt eine zweite, kleine Batterie dafür, dass bei einem mit leerer Fahrbatterie liegengebliebenen Wagen nicht auch noch das Licht ausgeht. Womit wir bei den größten Schwächen des Mitsubishi (und aller E-Autos) wären: den geringen Reichweiten und den langen Ladezeiten.

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