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Fahrtbericht : Mit Eleganz und voller Kraft die Premium-Hürde nehmen

  • -Aktualisiert am

Audi A3 Bild: Hersteller

Der Audi A3 ist zwar immer noch Kompaktklasse, aber mit höherem Anspruch. Daß er als „Fast-ohne-Fehler“ -Auto gelten kann, ist unter anderem stilsicherer Materialwahl und sanfter Stärke zu verdanken.

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          Ein Hingucker ist er nicht, der neue Audi A3. Anders als bei der Erneuerung des A4, dessen aktuelle Auflage kühle Dominanz ausstrahlt, ist der Kompaktwagen aus Ingolstadt weicher geraten, der Ritt auf der scharfen Kante wurde ihm erspart. Erst im direkten Vergleich fällt die Wesensart der neuen Generation auf. Ausgeprägtere Konturen an Bug und Seiten haben die Rundlichkeit des bisherigen A3 abgelöst, der horizontal geteilte Kühlergrill ist in die Höhe gewachsen, das Heck gewinnt durch eine klare Struktur zwar nicht an Unverwechselbarkeit, aber es paßt als würdiger Abschluß.

          22.500 Euro kostet der A3 2.0 TDI in der ordentlich ausgestatteten Attraction-Version. Kernstück des Autos ist der neue Dieselmotor, der durch vergrößerte Bohrungen auf zwei Liter Hubraum gebracht wurde. Er leistet jetzt mit vier Ventilen in jedem Brennraum 103 kW (140 PS) und gibt ein maximales Drehmoment von beeindruckenden 320 Newtonmeter bei 1.750 Umdrehungen in der Minute ab. Der direkteinspritzende Vierzylinder arbeitet mit Pumpe-Düse-Technik, die feine Abstimmung der Steuerung vermeidet den harten Ton früherer Motoren dieser Konstruktionsart. Die Verbrennung erfolgt beinahe weich, ein kerniges Brummen erklingt bei Leistungsabruf, das Drehmoment setzt sanft, aber nachhaltig ein, Vibrationen sind kaum spürbar. Fast sportlich-sonor ist die Klangkulisse des vorn quer eingebauten Triebwerks, allein im Teillastbereich zwischen 2.000 und 3.000/min wird aus dem konzentrierten kehligen Klang ein nörglerisches Rumoren, fast glaubt man, ein loses Blech würde irgendwo unter der Haube mitvibrieren. Der gesamte Geräuschpegel des A3 geht jedoch in Ordnung, der Wind pfeift geschmeidig um die Karosserie (Luftwiderstandsbeiwert 0,32), so daß auch bei schneller Fahrt keine akustischen Auffälligkeiten zu bemerken sind.

          Starke Leistung leicht im Umgang

          Die Leistungsentwicklung des Motors gefällt. Schon knapp über 1.000/min hockt die Kraft reaktionsbereit unter der Haube, das genügt zum schnellen Beschleunigen in der Stadt. Von 1.500/min an geht der Diesel richtig zur Sache, dann liegen längst 90 Prozent des Drehmoments an, Überholvorgänge lassen sich in der hohen Schaltstufe unter Verzicht auf Gangwechsel bewältigen, ohne Murren und Knurren zieht der Motor den immerhin 1.445 Kilogramm schweren Wagen voran. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h gelingt in 9,3 Sekunden, seine Höchstgeschwindigkeit erreicht der A3 2.0 TDI bei 213 km/h. Der Verbrauch je 100 Kilometer pendelte zwischen knapp 5 und 9,3 Liter Diesel, das Mittel nach rund 2.000 Kilometer Fahrt lag bei 6,7 Liter. Der Praxisverbrauch übersteigt den der Normmessung zwar um 1,2 Liter, ist aber angesichts der beachtlichen Fahrleistungen ein mehr als befriedigender Wert. Zumal der Tankinhalt von 55 Liter eine gute Reichweite ermöglicht. Obendrein erfüllt der Zweilitermotor die Vorgaben der Euro 4 und kommt in den Genuß der entsprechenden Steuervergünstigung.

          Die Handhabung des A3 fällt sehr leicht. Das Getriebe mit sechs Gängen läßt sich einfach und genau schalten, weich, aber gut definiert rasten die einzelnen Übersetzungen ein, der Hebel sitzt an der richtigen Stelle, die Wege sind angenehm kurz. Tadellos funktionieren die Bremsen. Sie packen zu, wenn nötig, ohne übergroßen Pedaldruck, die gute Dosierbarkeit ist dabei gegeben. Allein der lange Pedalweg, der bisweilen bei modischem Schuhwerk zum ungewollten gleichzeitigen Druck aufs Gas führt, sorgte für Irritationen. Das ist freilich eine Einstellungssache, die in der Werkstatt verändert werden kann.

          Sanft wie auf Schienen im Geradeauslauf

          Noch größeres Lob verdient die Lenkung. Die elektromechanische Unterstützung macht sich auf angenehmste Art bemerkbar, bis auf den leisen Ansatz eines Verhärtens beim schnellen Einschlagen ist sie sehr leichtgängig beim Rangieren und gewinnt geschwindigkeitsabhängig an präziser Straffheit. Ob schnelle Kurvenwechsel auf der Landstraße oder langgezogene Autobahnbiegungen - der A3 läßt sich zielgenau und mit bestem Gefühl für Fahrbahnzustand und Traktion dirigieren. Die Antriebseinflüsse sind erfreulich gering und liegen im tolerierbaren Rahmen.

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