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Fahrtbericht Mercedes S 500 : Mercedes-Benz legt die S-Klasse still

Kameras im Spiegel, Radarsensoren im Kühler: Leise und sicher soll der S sein Bild: Appel

Mit nichts anderem als dem Anspruch, das beste Auto der Welt zu bauen, treten die Stuttgarter an. Zaubern können sie noch nicht, aber fast. Eine erste Probefahrt.

          4 Min.

          Wer sich für die neue S-Klasse interessiert, sollte auf der Probefahrt drei Dinge tun: In der Innenstadt über Fahrbahnschweller fahren. Auf der Autobahn dahingleiten. Sich vom Verkäufer die Wirkungsweise der unfallverhütenden Assistenzsysteme demonstrieren lassen. Die Entwickler von Mercedes-Benz haben in ihr neues Flaggschiff jede Menge Technik eingebaut, die aus der S-Klasse das komfortabelste und sicherste Auto der Welt machen soll. Höchste Aufmerksamkeit galt dabei dem Platz hinten rechts. Die Frau oder der Herr Direktor soll in Ruhe arbeiten oder entspannen können, und sie sollen sich im Notfall darauf verlassen können, dass ihr Auto alles tut, um größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Das gelingt in beeindruckender Weise. Einige Dinge lassen sich auf offener Straße erleben, andere nur auf abgesperrtem Terrain. Wir waren für einen ersten Test mit dem 455 PS (335 kW) starken S 500 in der Langversion (später kommt eine extralange Variante hinzu) unterwegs. Mit 40 km/h steuert der schwere Wagen auf zwei Bodenschwellen zu, die heutzutage so typisch für Innenstädte geworden sind wie die Manie, überall Kreisel in die Welt zu setzen. Im Inneren der S-Klasse rotieren unsichtbar die Rechner. Road Surface Scan nennen die Ingenieure in unvermeidlichem Fachenglisch das System, das mittels einer im Innenspiegel angebrachten Stereokamera die Straße vor dem Auto abtastet.

          Kein Schaukeln, keine Schläge

          Löcher, Rillen oder Schwellen werden vermessen und an den Bordrechner gemeldet. Der erteilt seine Befehle an die Ölhydraulikzylinder im Fahrwerk, die ihre Regelkraft anpassen. Magic Body Control nennt sich das. Der ganze Vorgang geschieht blitzschnell, der Effekt ist verblüffend. Die S-Klasse fährt über die Bodenschwellen, als seien sie nicht vorhanden. Der Aufbau schaukelt nicht, es gibt keine Schläge, das Auto fährt einfach weiter. Ein befreundeter Notarzt berichtet, dass ihm Schwellen beim Transport verletzter Patienten Probleme bereiten. Er würde sich solch ein System gewiss auch für seine Rettungswagen wünschen. 50 Meter voraus erfasst es die Straße, ist es sich unsicher, wird nicht geregelt. Der Computer nimmt seine eingreifende Tätigkeit bis 130 km/h sukzessive zurück und regelt danach nicht mehr.

          Sinn der Übung ist, dem Fahrer stets ausreichend Rückmeldung von der Straße zu geben. Das funktioniert gut. Im Sportmodus ist die Regelung stets abgeschaltet. Allerdings hat Mercedes-Benz eine Hürde anderer Art eingebaut: Magic Body Control ist derzeit nur im schon mindestens 104 601 Euro teuren S 500 verfügbar, es kostet 5057 Euro Aufpreis, und es ist zwangsverheiratet mit dem Fahrerassistenzpaket Plus (Lenkassistent, Abstandshalter, Totwinkelwarner, Notbremshilfe), das weitere 2677 Euro erfordert. Die günstigste S-Klasse ist der S 350 mit Sechszylinderdiesel für 79 789 Euro zuzüglich Extras. Ein Nebeneffekt des aufwendigen Fahrwerks ist ein Seitenwindassistent, der über die Radaufstandskräfte seitlich auftreffendem Wind entgegenwirkt und die Spur halten hilft.

          Besonderes Augenmerk gilt dem Platz rechts hinten: Viel Beinfreiheit, ein Tisch aus der Mittelkonsole und zwei Bildschirme Bilderstrecke

          Serienmäßig gibt es indes die souveräne Kraftentfaltung und die innere Ruhe. Der Wagen ist leise, auch und gerade während Fahrten auf der Autobahn. Wir haben 230 km/h ausprobiert und konnten uns dabei ohne die Stimme zu heben unterhalten. Weder Motoren- noch Abrollgeräusche dringen zu den Insassen ungebührlich vor, allenfalls der Wind meldet sich ein wenig an der A-Säule. Die Ruhe ist kein Zufall, zusätzliche Querstreben im Motorraum etwa schaffen höhere Steifigkeit im Vergleich zum Vorgänger, das ist der Geräuschentwicklung zuträglich. Der Achtzylinder hat zudem eine andere Verbrennung und hört sich sanfter an. Selbst die Armada an Elektromotoren, die an Türen, Fenstern, Sitzen oder dem Kofferraumdeckel tätig ist, scheint der Schweigepflicht unterworfen zu sein. Man darf mit Fug und Recht behaupten: Mercedes-Benz legt die S-Klasse still. Den Antrieb komplett macht die bekannte Siebengangautomatik, die in bewährt unauffälliger Weise arbeitet.

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