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Fahrtbericht Mercedes-Benz S 250 : Nur noch schnell die Welt retten

Bild: Hersteller

Ein Vierzylinder-Diesel wie im Taxi in der vornehmen S-Klasse? Das geht nicht. Doch, es geht. Und nicht mal schlecht. Der Verbrauch ist sein Trumpf. Nur ist das den Chinesen egal. Und Mercedes denkt schon weiter.

          4 Min.

          Nach einer Mercedes-Benz S-Klasse dreht sich hierzulande kaum noch jemand um. Das große und komfortable Auto hat seinen Stammplatz in der Welt der Reichen und Mächtigen, und ob im Rahmen der Modellpflege eine Kleinigkeit an der Karosserie verändert wird, ist so gut wie niemandem einen Kommentar wert.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Es sei denn, am Heck prangt der Schriftzug „S 250 CDI“. Dann kann es zur Frage an der Tankstelle kommen: „Wie fährt der denn?“ Oder zu einem Lachanfall eines in Dingen des Automobils mit langjähriger Erfahrung gesegneten Kollegen: „Ist ein bisschen peinlich, oder?“

          Man kann auch zu einer Spritztour mit einem Freund aufbrechen, der sein Weltretter-Gen neu entdeckt hat und deshalb seinen großen Geländewagen wenigstens gegen einen kleinen tauschen will. „In Zeiten des Waldsterbens, in denen die Polkappen schmelzen und das Ozonloch immer größer wird, ist dieser Mercedes genau die richtige Antwort“, sagt er und meint es, obgleich der Ironie zugetan, sogar ein wenig ernst. Gegenposition? Kein Problem. Fragen wir jemand, der beruflich dauernd mit der S-Klasse unterwegs ist, einen Chauffeur. „Ich kann mit dem Vierzylinder nichts anfangen. Damit würde ich mich auf der Landstraße nicht trauen, einen Lastwagen zu überholen. Ich habe einen S 420 CDI mit Achtzylinder-Diesel. Der ist genial, kraftvoll und sparsam. Aber den bauen sie leider nicht mehr“.

          Maße
          Mercedes-Benz wollte die knauserigste Oberklasselimousine der Welt entwickeln, deshalb wurde ihr ein Vierzylinder-Diesel eingepflanzt, der 149 Gramm CO2 je Kilometer emittiert und mit einem Verbrauch nach Norm von 5,7 Liter glänzt. Nur zur Einordnung: Die Rede ist von einem Auto, dessen Reisekomfort unerreicht ist, das leer 1970 Kilogramm auf die Waage wuchtet und 5,09 Meter lang ist, sofern man sich mit der kurzen Version begnügt. Die verlängerte gibt es auch.

          Verbrauch
          In der Praxis werden die Normverbrauchwerte nicht erreicht, aber das ist mit jedem Auto so. Gleichwohl sind die Trinksitten die Paradedisziplin des S 250, der mit seinen mächtigen Auspuffendrohren und den 235er Reifen sicher nicht zufällig ebenso satt auf der Straße steht wie seine kräftigeren Brüder. Wer ihn für 110 Euro volltankt, bekommt zur Belohnung 1200 Kilometer Reichweite angezeigt, das ist keine utopische Zahl.

          Wir sind eine längere Strecke zweimal gefahren, aus einem Vorort nahe Frankfurt nach Köln und zurück. Zunächst, sofern es Beschränkungen und Baustellen nicht verhinderten, mit Autobahnrichtgeschwindigkeit und zurückhaltend auf der Landstraße. Dabei flossen 6,1 Liter auf 100 Kilometer aus dem Tank. Dann nachts auf freier Strecke unter Einhaltung aller Tempolimits, aber dort, wo es erlaubt war, unter Abforderung voller Leistung. Kein Auto hat uns überholt. Als der S 250 CDI vor der Haustür die letzte heiße Luft in die Kühle der Nacht atmete, hatte er im Durchschnitt 10,0 Liter Diesel verbraucht. Alle Achtung.

          Wer es darauf anlegt und mit Tempo 100 dahinbummelt, erreicht sogar Werte mit einer Fünf vor dem Komma. Nach 2200 Kilometern gemischten Betriebs ohne falsche Bescheidenheit verzeichneten wir einen Durchschnittsverbrauch von 7,6 Liter. Das ist angesichts des Gebotenen eine Glanzleistung.

          Start-Stopp-Automatik
          Gänzlich ohne Einschränkungen lässt sich die Enthaltsamkeit freilich nicht erkaufen. Am störendsten empfanden wir die Start-Stopp-Automatik. Sie mag dem Konsumverhalten zuträglich sein, doch ruckelt und zuckelt sie bei jedem Anlassvorgang so vernehmlich an der Antriebseinheit, dass einem die Lust daran rasch vergeht.

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