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Fahrtbericht: Mercedes-Benz CLC 180 K : Unvernünftig für 507 Euro im Monat

Gebaut wird er in Brasilien: Der Mercedes-Benz CLC Bild: Hersteller

Der Lockvogel von Mercedes: Auch bei Kraftstoffpreisen von rund 1,50 Euro je Liter soll Autofahren noch Spaß machen. Das tut es im neuen kleinen CLC-Coupé. Wer nur verstandesmäßig entscheidet, ist an der falschen Adresse.

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          Coupés von Mercedes-Benz litten lange unter dem Ruf, etwas für ältere Herren zu sein. Das stammt aus den Zeiten, als es für die mittlere Baureihe (heute E-Klasse) noch Zweitürer gab. Deren Hauptaufgabe war es, teurer zu sein und sich von den übrigen Modellen äußerlich abzugrenzen. Damit konnte man dem Nachbarn zeigen, dass man einen schnöden Viertürer nicht nötig hat. Diese Rolle muss der im Sommer gestartete CLC nicht mehr spielen. Im Gegenteil, er soll Lockvogel in die hinterradgetriebene Mercedes-Welt sein und jüngere Kunden ansprechen, die mit einem 1er-BMW oder einem Audi A3 liebäugeln.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Obwohl die neue Generation der nah verwandten C-Klasse unlängst debütierte, beruht der CLC weiterhin auf dem „alten“ Sportcoupé, wenn auch eine gründliche Überarbeitung erfolgte. Gebaut wird er in Brasilien. Die Front- und die Heckpartie sind neu gestaltet, der CLC 2008 wirkt drei Klassen dynamischer als der seit 2001 produzierte Vorgänger, den mancher als Mercedes Tigra schmähte. Es bleibt bei der großen Heckklappe, für Puristen muss ein Coupé einen abgeschlossenen Kofferraum haben. Praktisch ist diese Lösung allemal: Zwar beträgt das Fassungsvermögen des Kofferabteils nur 310 Liter (weniger als beim VW Golf), doch lässt sich die Rückbanklehne asymmetrisch geteilt umlegen. So steigt das Ladevolumen auf 1100 Liter. Sperrige Gegenstände dürfen maximal 1,55 Meter lang sein, damit sie noch in den Wagen passen. Ein Ersatzrad gibt es nur gegen Aufpreis (60 Euro für ein Faltrad), serienmäßig ist Tirefit an Bord - und so ergibt sich noch etwas zusätzlicher Stauraum im Kofferraumboden.

          Gute Noten für das äußere Design

          Als Coupé ist der neue Mercedes-Benz konsequent auf vier Personen ausgelegt, in der Breite haben die Hinterbänkler also genug Platz, leider gibt es in der Mitte der Rückbank keine Armlehne, und für Menschen von 1,80 Meter aufwärts wird es über den Köpfen knapp. Die Beinfreiheit ist dagegen akzeptabel. Und wie in vielen Autos mit heruntergezogener Dachlinie sitzt man im Fond eingesperrt und sieht kaum nach draußen.

          Die Front- und die Heckpartie sind neu gestaltet Bilderstrecke

          Doch niemand wird den CLC als Familienauto kaufen. Er ist ein Auto für Singles und Pärchen. In dieser Zielgruppe spielt die Praxistauglichkeit eine untergeordnete Rolle, da kommt es mehr auf das Gefühl, das Erleben an.

          Für das (äußere) Design hatten wir dem CLC schon gute Noten gegeben, das Innere kann nicht mithalten, weil die Gene der alten C-Klasse durchschlagen. Wir wollen nicht zu kritisch sein, aber jugendlicher Schick sieht anders aus. Positiv: Die Verarbeitung ist gut, die Bedienung einfach, wenn man sich mit den Mercedes-Eigenheiten wie der Fußfeststellbremse, dem dicken Scheibenwischerhebel und den zwei anderen Hebelchen, die aus der Lenksäule wachsen - für den serienmäßigen Tempomat und die Sprachbedienung (470 Euro) - vertraut gemacht hat. Die vorderen Sessel (es sind „Sportsitze“) sind sehr bequem, sie bewähren sich auf langen Strecken und bieten hinreichend Seitenhalt.

          Komfort kommt nicht zu kurz

          Schon die Basisversion des CLC, der von der Redaktion über mehr als 2400 Kilometer bewegte 180 Kompressor, ist tatsächlich ein sportliches Auto, selbst mit der Automatik (fünf Stufen, 2153 Euro Aufpreis). Mit 105 kW (143 PS) aus vier kompressorgestärkten Zylindern lassen sich 1,55 Tonnen Auto angemessen bewegen. Die Automatik schaltet sanft, wenn auch spürbar, sie wird jedoch niemals hektisch, auch nicht auf der Landstraße. Maximal möglich sind 215 km/h, der Spurt von 0 auf 100 km/h lässt sich in 10,3 Sekunden absolvieren. Dass sich der CLC so sportlich anfühlte, war offenbar dem „Sportpaket“ geschuldet, mit dem das Fahrzeug bestückt war. Es kostet knapp 2200 Euro und bietet unter anderem 18-Zoll-Aluräder, ein Sportfahrwerk mit tiefergelegter Karosserie und ein Lederlenkrad mit Schaltpaddeln.

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