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Fahrtbericht Mercedes-Benz B 180 CDI : Die neuen Tugenden verstehen lernen

Die neue Mercedes B-Klasse Bild: F.A.Z, Mercedes

Mercedes-Benz hat die B-Klasse umgekrempelt. Länger ist sie geworden, flacher und sportlicher, heißt es. Den Kunden hat man nicht gefragt. Dem Basismodell fehlt es etwas an Leistung, es ist alles andere als ein Sports Tourer.

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          Die A-Klasse war einst eine Revolution im Hause Daimler. Ohne Not wagte man sich auf unbekanntes Terrain, und fast wäre alles an dem schwedischen Journalisten Robert Collin gescheitert, der den Bonsai-Benz Ende 1997 bei einem harmlosen Ausweichtest aufs Dach legte. Heute ist das fast vergessen, die Einschätzung eines Mercedes-Managers wenige Wochen später auf der Automesse in Detroit - "Wir werden gejagt bis ans Ende der Zeit" - hat sich nicht bewahrheitet. Im Gegenteil. Die A-Klasse wurde doch noch ein Erfolg, und wer A sagt, muss auch B sagen: 2004 schickte man einen größeren, aber immer noch kompakten Minivan ins Rennen, der zwar wie alles aus Stuttgart sehr teuer war, aber dennoch vom Kunden sehr gut angenommen wurde. 2011 (bis Ende November) war die scheidende B-Klasse mit reichlich 27 000 Zulassungen Nummer 3 bei den Minivans hinter dem VW Touran (fast 52 000) und dem Opel Meriva (gut (38 000), aber vor dem Ford Focus C-Max (fast 25 000).

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Offenbar sprach die schnörkellose Form die Käufer an, und in dieser Hinsicht muss jetzt bei der zweiten Generation des B-Mercedes umgelernt werden. Er ist nicht nur neun Zentimeter länger und vier Zentimeter flacher als bisher, die Frontpartie bis zur A-Säule hängt wie ein Fremdkörper am Rest des Wagens, und über die ellipsoide Gestaltung der Scheinwerfer lässt sich auch streiten. Zwar versöhnt das klassisch-konservative Heck eben jenen k. k.-Kunden, bei uns fällt die Form aber dennoch durch.

          Ein talentierter Minivan mit zwei Sitzreihen

          In Stuttgart ist man aber fest überzeugt, dass die Kunden jetzt einen neuen sportlichen Anspruch haben, und man spricht bei der B-Klasse offiziell von einem "Sports Tourer" (nennt Opel seine Kombis nicht so?). Wenigstens stellt Mercedes die B-Klasse nicht so völlig auf den Kopf wie die kommende A-Klasse, deren Ankündigung als sportliches Kompaktauto à la Golf GTI sofort die Gebrauchtwagenpreise für die jetzige steil nach oben schnellen ließ.

          Die neue B-Klasse bleibt dagegen erst einmal ein talentierter Minivan mit zwei Sitzreihen, der familientauglich ist, solange man nicht drei Kindersitze auf der Rückbank unterbringen muss. Das geht nämlich nicht, ohnehin ist der Mittelplatz im Fond wie in fast jedem Auto nicht viel mehr als ein Notbehelf. Sonst kann man sich über das Platzangebot in der zweiten Reihe nicht beschweren. Die Beine kommen gut unter, den Kopf kann man hoch tragen. Der Einstieg erfolgt durch weit öffnende Türen, leider kosten die Klapptische an der Rückseite der Vordersitze, auf die Kinder großen Wert legen, mercedes-typisch Aufpreis (226 Euro zusammen mit einigen anderen Details). Die Rückbank ist asymmetrisch geteilt klappbar, es entsteht aber keine ebene Ladefläche, weil ein Versteifungsrohr, an dem auch die Halterungen für die Kindersitze festgemacht sind (Isofix), quer über den Wagenboden läuft.

          Für 77 Euro Aufpreis gibt es ein "Laderaumpaket" mit dann erhöhtem Boden, das auch den Niveau-Unterschied zwischen der unteren Heckkante und dem eigentlichen Boden aufhebt. Wer die 77 Euro sparen will, muss Ladegut immer über eine rund 15 Zentimeter hohe Kante nach draußen lupfen. Im Übrigen ist unter dem tiefen Boden noch ein weiteres Staufach für Krimskrams, Tirefit oder den Subwoofer wie bei unserem Testwagen. Ein Ersatzrad kann man nicht bestellen, aber Runflat-Reifen. Der gesamte Laderaum (ordentliche 488 Liter Volumen) ist schön verkleidet, rechts und links in den Seitenwänden gibt es noch zwei Staufächer. Wenn man sie öffnet, blickt man auf etliche Kabelstränge, die völlig ungeschützt ihrer Funktion nachkommen müssen.

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