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Fahrtbericht : Mehr feine Mobilität für das gar nicht mehr gemeine Volk

  • -Aktualisiert am

VW Touareg R5 TDI Bild: Hersteller

Beeindruckende Leistung und derber Verbrauch sind auf den ersten Blick die deutlichsten Merkmale des VW Touaregs. Auf den zweiten Blick lassen sich noch einige Qualitäten mehr erkennen.

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          "Die Ausweise und die Fahrzeugpapiere bitte", heißt es am Grenzübergang Basel bei der Einreise nach Deutschland. Bislang hat der Beamte den Autostrom wachsamen Blicks, doch ungehindert passieren lassen, uns stoppt er. Die Ausweise interessieren ihn nicht, im Fahrzeugschein sucht er jedoch nach Höchstgeschwindigkeit und Leistung. "Den Wagen werde ich wohl beschlagnahmen und gleich meinem persönlichen Fuhrpark zuführen", versucht der Grenzer einen Scherz. Er verkneift sich die Frage nach dem Preis, an dieser Stelle möchten wir ihm antworten: 41.350 Euro kostet der VW Touareg 3.2 V6, der wie selten ein Auto während unserer Fahrten die Blicke auf sich zog.

          Die Form des 4,75 Meter langen Wagens ist kraftvoll, nicht klobig; die einen nennen sie zeitlos, die anderen verstehen langweilig. Zweifelsohne ist das Kleid des Touareg typisch für die Marke, er wirkt eher wie ein großer Kombi als ein kastiger Geländebrocken mit permanentem Allradantrieb. Daß die Karosserie jedoch von höchster Unübersichtlichkeit ist, fällt schnell als Manko auf. Vorn verliert sich (bei dunkler Fahrzeuglackierung) die fließende Form der Motorhaube im grauen Straßenbelag, nach hinten schränken das eher kleine Heckfenster und die strammstehenden Kopfstützen im Fond den Blick ein. Für 600 Euro Aufpreis gibt es die hilfreiche und empfehlenswerte Parkdistanzkontrolle.

          Fast filigran

          Das gewohnte Spiel mit Form und Farbe setzt sich im Innenraum fort. Beigefarbenes Leder auf den Sitzen und an den Türverkleidungen machen den Touareg wohnlich, es ist nicht flauschig, aber haltbar, vielleicht das Rechte für den Geländeeinsatz nach Gutsherrenart (Zuzahlung hierfür samt Heizung und elektrischer Verstellung der Sitze 3.555 Euro beim 3.2 V6). Das Armaturenbrett ist mit fein genarbtem Material hübsch verkleidet, eine aluminiumfarbene Leiste mit Wurzelholzintarsien, die sich in den Türen fortsetzt, übernimmt die horizontale optische Teilung. Das Streben nach wohnlicher Wertigkeit ist gelungen, zumal die scharf gezeichneten weißen Skalen des runden Tachos (bis 260 km/h) und des Drehzahlmessers von glänzenden Chromringen umrandet werden, fast filigran wirken die Ringlein um die vier Anzeigen für Ladezustand, Tankinhalt, Kühlmittel- und Öltemperatur. Die Ablesbarkeit ist gut, die Bedienung aller Systeme fällt leicht, sieht man von Bordcomputer und Radio ab, deren Funktionen über eine Wählwalze und Tippschalter im Multifunktionslenkrad gesteuert werden. Die Temperaturwähler der Klimatisierung drehen sich weniger fein und mit mechanischer Härte, die geschmeidige Silikondämpfung bleibt den Haltegriffen am Dachhimmel vorbehalten. Die Zahl der Ablagen ist zufriedenstellend, nur die Getränkehalter auf dem mächtigen Mitteltunnel eignen sich nicht für jedes Behältnis. Den kleinen PET-Flaschen eines klassischen koffeinhaltigen Erfrischungsgetränks geben sie nur wenig Halt, beim forschen Beschleunigen oder beherzten Bremsen springen sie wie erfrischt aus der Fassung.

          Gelände-, Sportwagen und Oberklasse-Limousine: der Touareg von VW
          Gelände-, Sportwagen und Oberklasse-Limousine: der Touareg von VW : Bild: Volkswagen AG

          Innen lassen nachts Lichtspiele den Touareg erstrahlen, roter Schimmer fällt über die ausladende Mittelkonsole mit der Heizungsbedienung (eine Zweizonenklimaanlage kostet 560, das Vierzonengerät 1.175 Euro Aufpreis) und das Radionavigationssystem (1.875 Euro), Lampen in den Fußräumen geben mit sanftem Hell zu erkennen, wie üppig der Platz sowohl vorn als auch im Fond bemessen ist. Eine korrekte und komfortable Sitzposition ist schnell gefunden, das Volant schnell justiert. Elektrisch motorisiert stellen sich die Außenspiegel ein, und schon schnurrt der V6 mit leisem, unaufdringlichem Laufgeräusch los, fast glaubt man, der scharfe Blick auf den Zündschlüssel genügte, um das 3,2 Liter große Triebwerk zu aktivieren.

          Cremig-zart

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