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Fahrtbericht Mazda6 : Japans Schönheit für Europas Straßen

  • -Aktualisiert am

Bild: Hersteller

Die Marke Mazda ist zunehmend designgetrieben: Nicht schlecht in einer Zeit, die technischen Vorsprung immer weniger zu würdigen weiß. Auch deutsche Käufer fangen Feuer und bekommen mit dem Mazda 6 ein Auto mit geschmeidigen Motor und tadellosem Fahrverhalten.

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          Der Mazda6 ist durchaus eine Größe auf dem deutschen Markt: 2007 war er das erfolgreichste echte Mittelklasse-Auto nicht nur aus Japan, sondern überhaupt aus dem Ausland, wenn man den Škoda Octavia als Golf-Abkömmling noch zur unteren Mittelklasse rechnet. Dass dieser Triumph doch nur für Rang 44 in der Zulassungsstatistik reichte, zeigt zugleich die Schwierigkeiten, die hierzulande auf Importmodelle warten – wenn sie denn mehr als Kleinwagen sind.

          Die großen Nummern bei den heimischen Käufern sind nun einmal die Angebote der Premium-Marken, auch weil sie weite Teile der gewerblichen und Flottennachfrage bedienen, ein Feld, auf dem sich die Ausländer generell schwertun. So muss sich der Mazda6 seine Kunden unter den Privatleuten suchen, und da stehen seine Chancen, wie erwiesen, gar nicht schlecht. Das japanische Unternehmen hat sich nämlich nicht nur einen guten Qualitätsruf aufgebaut – allein Rost-Attacken trübten vorübergehend das Bild –, sondern vor allem wegen seines radikalen Umdenkens beim Design neue Freunde gewonnen.

          Der jüngste Mazda6 wird kein Auge beleidigen

          Der erste Mazda6 von 2002 war hier der Vorreiter. Er löste den 626 ab und ließ dessen recht ansehnliche Markterfolge umgehend verblassen. Da der Neue technisch genauso wenig aus dem Rahmen fiel wie sein Vorgänger, war sein Aufstieg eindeutig der emotionaleren Karosseriegestaltung zuzuschreiben.

          Jetzt kommt der Nachfolger des Nachfolgers, der zweite Mazda6, und sein Hersteller betrachtet ihn als einen ebenso großen Schritt: Sein Äußeres spiegele noch konsequenter die traditionelle japanische Ästhetik und erzeuge ein starkes Gefühl der Verbundenheit zu seinem Fahrer. Das mag auch der Nicht-Japaner so empfinden oder nicht – fest steht, dass der jüngste Mazda6 ebenfalls kein hiesiges Auge beleidigen wird.

          Das schließt nicht aus, dass ihn mancher für weniger harmonisch halten wird als den Vorgänger: Vor allem am Heck wurde jetzt doch reichlich dick aufgetragen. Jenseits von Geschmacksfragen ist festzuhalten, dass der Neue zwar 6,5 Zentimeter länger (Radstand plus 5 Zentimeter) sowie marginal breiter und höher, aber nicht schwerer geworden ist – Mazda spricht sogar von „bis zu 35 Kilogramm leichter“. Da wird weitergeführt, was vielversprechend mit dem jüngsten Mazda2 begonnen wurde, und solcher Fortschritt ist für den kostenbewussten Käufer mindestens so begrüßenswert wie eine noch schönere Karosserie.

          Enge Ladeöffnung und hohe Bordkante

          Neben den Kombi und das Schrägheckmodell, die beide den Beinamen „Sport“ tragen, tritt wie beim vorigen Mazda6 eine Stufenheck-Limousine, die am deutschen Markt wohl wieder zu einer Nebenrolle verurteilt ist – ihr Verkaufsanteil dürfte unter 25 Prozent bleiben. Diese Vernachlässigung entspricht hiesiger Gewohnheit, im Zweifel überzeugt der variable Gepäckraum wie im Schrägheck und Kombi.

          Zwar bietet die Limousine mit 519 Liter ein ansehnliches Volumen auf, das sich mit Umlegen der geteilten Rückbanklehne noch vergrößern lässt, doch ist die Ladeöffnung eng, und mit den Koffern muss erst einmal eine hohe Bordkante überwunden werden. Statt des Reserverads hält sich ein Pannenset bereit, immerhin gibt es einen Wagenheber.

          Kopfstützen zu kurz für Hochgewachsene

          Im Innenraum profitieren vor allem die hinten Sitzenden vom äußeren Wachstum. Vor ihrer sehr breiten und tiefen Bank öffnen sich mindestens 22 Zentimeter Knieraum, ohne dass die Vorderleute eingeschränkt würden. Auch die Kopfhöhe reicht für Hochgewachsene, peinlicherweise aber nicht die Kopfstützen, sie sind alle drei zu kurz geraten.

          Mit den Ablagen steht es ebenfalls nicht gut im Fond, dafür kann man anders als vorn ungehindert einsteigen. Fahrer und Beifahrer finden sonst angenehme Verhältnisse vor, allenfalls sind – wie bei so vielen heutigen Autos – Einschränkungen der Sicht zu beklagen. Bis auf die seltsame rot-blaue Beleuchtung ist an den Instrumenten nichts auszusetzen, und an der Bedienung kann höchstens stören, dass auf den Lenkradspeichen zu viele Tasten unterschiedlicher Funktion versammelt sind.

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