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Fahrtbericht Mazda3 MPS : Die Angst vor der eigenen Courage

  • -Aktualisiert am

Vom Schoß- zum Kampfhund umgezüchtet: Mazda3 MPS Bild: Hersteller

Wie man enorme Motorleistung einbaut und dann wieder zurechtstutzt: 260 PS in einem Wagen der unteren Mittelklasse zum Golf-Preis - offenbar ein Angebot für jugendliche Draufgänger. Nur 115 Euro kostet ein PS. Gerold Lingnau und der Mazda3 MPS.

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          260 PS, 250 km/h, 255 Hundert-Euro-Scheine - Zahlenfetischisten kommen hier auf ihre Rechnung. Aber Auto-Fans stutzen: Achtzylinderleistung zum Golf-Preis? Das scheint nicht zusammenzupassen. O doch, es passt, wenn man nämlich mit einem Großserienauto wie dem Mazda3 zufrieden ist, das die japanischen Ingenieure allerdings vom Schoß- zum Kampfhund umgezüchtet haben.

          Und zwar ganz einfach. Man nehme den 2,3-Liter-Vierzylinder mit Turbolader und Benzin-Direkteinspritzung, der schon aus dem Mazda6 den wilden MPS gemacht hat, implantiere ihn in den Mazda3 - fast noch untere Mittelklasse, 20 Zentimeter länger als ein Golf -, ertüchtige das Fahrwerk entsprechend und warte auf Kundschaft aus der Riege der jugendlichen oder junggebliebenen Draufgänger. Bei dem Preis, genau 25 544 Euro, kann daraus auch durchaus etwas werden. Mütter oder Ehefrauen mögen die Hände ringen, aber was hilft's?

          Die Bestie gefügig machen

          Man darf unterschiedlicher Meinung sein zum Drang fast aller Hersteller von Massenautomobilen, ihren Produkten die Biederkeit auszutreiben - mit Motorleistungen, die vor nicht allzu langer Zeit für Rallye-Siege ausgereicht hätten. Auch die Väter des Mazda3 MPS scheinen an die Sache nicht ohne gewisse Skrupel herangegangen zu sein.

          260 PS für Draufgänger

          Die Kalkulatoren hatten ihnen verboten, wie beim Mazda6 MPS Nägel mit Köpfen zu machen, nämlich mit einem permanenten Allradantrieb, den man bei 260 PS und 380 Newtonmeter maximalem Drehmoment sehr wohl zu schätzen weiß, erst recht, wenn das Auto sonst mit Frontantrieb zurechtkommen müsste. Also musste auf andere Art versucht werden, die Bestie gefügig zu machen.

          Der Ruch eines komplexen Spielverderbers

          An anerkennenswertem Aufwand wurde da nicht gespart. So verhindert eine elektronische Regelung von Zylinderfüllung und Ladedruck, dass der Turboschub allzu bissig über die Vorderräder herfällt. Zudem wird in den beiden untersten der sechs Gänge das Drehmoment reduziert (bei Mazda sagt man „optimiert“), und diese sedierende Wirkung wird auch, auf Geheiß eines Lenkwinkelsensors, in Kurven ausgeübt.

          Darüber hinaus kümmert sich das serienmäßige ESP (hier DSC genannt) um eine gleichmäßige Kraftverteilung auf die Antriebsräder, und als letzte Instanz sorgt ein Sperrdifferential dafür, dass die noch verbliebene Leistung auch wirklich auf dem Asphalt ankommt. Dieses technische Maßnahmenbündel muss die potentielle Käuferschaft nicht unbedingt erfreuen, hat es doch den Ruch eines komplexen Spielverderbers. Dennoch ist Mazda gut beraten, es einzusetzen - auch wenn die Frage bleibt, warum man erst so viel Motorleistung einbaut und sie dann wieder zurechtstutzt.

          Höchstgeschwindigkeit auf 250 km/h begrenzt

          Die Angst vor der eigenen Courage, die Mazda befallen hat, bleibt nun wenigstens den Fahrern des „kleinen“ MPS erspart. Der Rest von Spaß, dem sie sich hingeben können, ist - wir schwören es - noch groß genug. Oder sind 6,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h, knapp über der Vorgabe eines Porsche Boxster, etwa nichts? Dank der elektronischen Helferlein ist diese Beschleunigung ohne gehobene Fahrkünste zu reproduzieren.

          Von einem anderen Stern, für Mazda3-Verhältnisse, sind auch die Elastizitätswerte: 5,9 Sekunden von 50 auf 100 km/h im 4. Gang, 8,2 im 5. Gang, und nur im 6. Gang schwächelt der MPS mit 13,6 Sekunden ein wenig, doch das liegt daran, dass diese Stufe zur Motor- und (für die Insassen noch wichtiger) Ohrenschonung etwas länger als nötig übersetzt wurde. Von einem Turboloch beim Anfahren und Beschleunigen ist so gut wie nichts zu spüren, das Gaspedal setzt die Fahrerwünsche unverweilt um. Die Höchstgeschwindigkeit wurde, dem Vorbild von BMW oder Mercedes-Benz folgend, auf 250 km/h begrenzt; die zugehörige Drehzahl, 6250/min, ist noch ein Stückchen von den erlaubten 6500/min entfernt, der Begrenzer greift erst bei 6900/min ein.

          Bange Blicke auf den Bordcomputer

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