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Fahrtbericht: Maybach 57 : Auf der vergeblichen Suche nach dem vollkommenen Auto

  • -Aktualisiert am

Der Maybach 57 hat den Fahrkomfort eines fliegenden Teppichs Bild:

Wir sind kleine Geister. Mit dieser beschämenden Erkenntnis zu leben wird nicht einfach sein. Gefangen in kleinbürgerlichen Finanzvorstellungen, geprägt vom Raster automobiler Bewertungen über Jahrzehnte hinweg, näherten wir uns dem Maybach 57.

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          Wir sind kleine Geister. Mit dieser beschämenden Erkenntnis zu leben wird nicht einfach sein. Gefangen in kleinbürgerlichen Finanzvorstellungen, geprägt vom Raster automobiler Bewertungen über Jahrzehnte hinweg, näherten wir uns dem Maybach 57. Unser Auftrag: Suchet in den Krümeln, und ihr werdet finden. Wir suchten und wir fanden.

          Der Maybach 57 ist die kleinere Version im Duo der absoluten Luxusklasse aus dem Daimler-Chrysler-Konzern. Noch länger ist der Typ 62. Weil man den am besten aus dem hinteren Abteil erlebt, gibt es hierzu einen speziellen Bericht auf dieser Seite. Im kürzeren Typ 57 fährt der Chef selbst, und diese Rolle haben wir für unseren Fahrtbericht übernommen.

          Mit einem Auto dieser Kategorie wird man rasch zu einer Person des öffentlichen Interesses. Man fühlt sich beobachtet, beäugt, von Neugier begleitet. Aber - und das hat uns doch überrascht - in keinem Fall von vierzehn Kontakten, die wir protokollierten, begegneten wir Häme, bösem Neid oder negativen Beurteilungen. Der Maybach gefällt, er wird akzeptiert, an seiner Größe stößt sich niemand, keiner fragt nach Verbrauch oder Preis. Allerdings, und diese Erfahrung sollte den Marketingstrategen zu denken geben: Die Marke Maybach kannte keiner. Die Einschätzungen bewegten sich zwischen Morris (!), Maserati und Mercedes. Wobei die letztere Vermutung so falsch nicht war, wurde doch der Maybach von Mercedes-Technikern, -Designern und -Kaufleuten auf die Räder gestellt.

          Das wird dem Maybach häufig als Nachteil angekreidet. Zu nahe an der S-Klasse, zu wenig innovativ, nicht spektakulär genug oder mit zu weichen Linien gezeichnet, so lauten die häufigsten Argumente gegen die große Limousine. Das endgültige Design ist mittlerweile mehr als vier Jahre alt. Und tatsächlich erscheint es auf den ersten Blick wie die logische Fortsetzung der S-Klasse mit einem überhöhenden Modell. Erst eine intensivere Beschäftigung mit Proportionen und Details läßt die Erkenntnis dämmern: Dies alles ist wohl so gewollt und einem erklärten Ziel untergeordnet worden. Der Maybach sollte unaufdringliche Eleganz ebenso verbreiten wie auf unnötige Aggressionen verzichten. Das erscheint uns durchaus gelungen, aber vielleicht wurden diese Vorgaben deutlich übererfüllt. Sein Auftritt enthält sehr wohl eine kräftige Prise an Prestige, aber man hat mitunter den Eindruck, das Auto entschuldige sich gleichzeitig für seinen - nach den Dimensionen der Alltagsvehikel gemessenen - überwältigenden Auftritt. Der Maybach ist unter den Top-Autos dieser Welt jenes mit dem geringsten Selbstbewußtsein.

          Dabei enthält der Maybach genügend Gründe für einen Auftritt mit Pauken und Trompeten: Es gibt kein Auto, das besser federt, das geschmeidiger abrollt, dessen Fahrkomfort in der Summe höher ist und dessen Antriebseinheit konsequenter auf höchstmögliche Bequemlichkeit ausgelegt ist. Hier setzt der Maybach wirklich Maßstäbe, und sein einziger Konkurrent in dieser absoluten Luxusklasse vermeidet mit einem anderen Charakter wohl auch bewußt die Konfrontation auf diesen Gebieten. Die elektronisch gesteuerte Luftfederung des mit Fahrer mehr als 2,8 Tonnen wiegenden Wagens kommt dem Ideal des fliegenden Teppichs sehr nahe. Mit der Gemütslage eines Stoikers absolviert er selbst ärgste Schlaglochpisten und hält die allermeisten Widrigkeiten von seinen Passagieren fern. Das gilt auch für jene Geräusche, die beim Abrollen der Räder auf rauhem Belag oder bei den Bewegungen des Karosseriekörpers unvermeidlich sind. Der Maybach ist ein schweigsamer Riese.

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