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Fahrtbericht Lexus RX 450 h : Die Zukunft hat schon begonnen

Drei Motoren kümmern sich um die Fortbewegung Bild: Hersteller

Während andere Hersteller jetzt nach und nach mit Hybrid-Autos auf den Markt kommen, tritt das Lexus-SUV schon in zweiter Generation an. Viel falsch machen kann man mit dem Teilzeit-Stromer nicht.

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          Wir wollen nicht verschweigen, dass diese Form der Antriebs-Zukunft nicht billig zu haben ist: 59.960 Euro sind der Grundpreis für den RX 450 h. Das andere Hybrid-Vorzeige-Auto von Toyota/Lexus, der Prius, ist für weniger als die Hälfte zu haben. Das ist zwar eine andere Klasse, aber in seiner Transportleistung ist das 4,77 Meter lange SUV dem 4,46 Meter langen, kompakten Personenwagen nicht so überlegen, wie es der Preisunterschied vermuten ließe.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Der Lexus RX 450 h spricht jene Kunden an, die unbedingt einen „Geländewagen“ fahren wollen, und die bei Wunscherfüllung ihr grünes Gewissen plagte. „Ich fahre in der Stadt oft rein elektrisch,“ können sie sich sagen, und wenn sie spät nachts von der Feier nach Hause kommen, verschonen sie die unmittelbaren Nachbarn mit Motorgeräuschen, indem sie sich die letzten Meter bis zur heimischen Garage elektrisch anschleichen.

          Im reinen Stadtverkehr ein Schnitt von 6,9 Liter

          Dazu kann der RX sehr sparsam mit Sprit umgehen, auch wenn wir die 6,3 Liter Normverbrauch nicht erreicht haben. Allerdings kamen wir im reinen Stadtverkehr auf einen Schnitt von 6,9 Liter, und das ist für einen 2,2 Tonnen schweren Wagen schon ein sensationeller Wert - freilich haben wir es auch aufs Sparen angelegt, nur sanft beschleunigt und einen Sport daraus gemacht, so oft wie möglich rein elektrisch zu fahren, was bei Tempi zwischen 50 und 60 km/h einfach zu realisieren ist: Man muss nur kurz den Fuß vom Gas nehmen, der V6-Benziner geht aus (was er immer tut, wenn kein Gas gegeben wird) und man rollt antriebslos sanft dahin, bis zu drei Kilometer weit, wenn einen keine Ampel stoppt. Dabei darf man das Pedal natürlich nur streicheln. Vor einer Ampel oder bei einem Stopp schweigt der Verbrennungsmotor generell, es sei denn, die Batterien müssen aufgeladen werden. Die werden entweder vom V6-Triebwerk oder durch Rekuperation (minimale Energierückgewinnung beim Bremsen) gefüttert, an die Steckdose kann der RX 450 h (noch) nicht.

          Der Lexus RX 450 h spricht jene Kunden an, die unbedingt einen „Geländewagen” fahren wollen Bilderstrecke

          Bewegt man den Lexus im regulären Alltag im Rhein-Main-Gebiet, ohne den großen Max zu machen - also die Systemleistung der Motoren von 220 kW (299 PS) auszunutzen -, bleibt man im Regelfall weit unter der Zehnliter-Marke: Wir kamen bei drei verschiedenen Tanketappen mit jeweils rund 400 Kilometer auf Schnitte von 8,9 sowie 9,2 und 9,6 Liter. Aber fordert man auf der Autobahn die Technik heraus, beschleunigt oft und zügig - was eindrucksvoll gelingt - und scheut nicht die Nähe der Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h, darf man sich nicht wundern, wenn der Bedarf an Superbenzin auf 13,8 Liter steigt.

          Drei Motoren kümmern sich um die Fortbewegung

          Das sind alles Werte, die man auch von einem Geländewagen mit Turbodieselmotor geboten bekäme, aber diese Diskussion führen wir jetzt nicht. Wohl ist ein Benziner „sauberer“, und ein Hybrid-Auto erst recht. Wobei die Umweltverträglichkeit der Nickel-Metallhydrid-Batterien (im Lexus ein 288-Volt-Aggregat in Koffergröße, bestehend aus drei Blöcken mit je zehn Modulen aus je acht Zellen, das unterflur verbaut ist und keinen Nutzraum kostet) und deren irgendwann nötige Entsorgung ebenfalls in die Waagschale geworfen werden müssten.

          Rein technisch gesehen ist der RX ein Glanzstück: Drei Motoren kümmern sich um die Fortbewegung, besagter V6 mit 3,5 Liter Hubraum und 183 kW (220 PS), dazu kommt ein E-Motor vorn mit 116 kW (157 PS) und einer hinten mit 50 kW (86 PS). Letzterer ist nur dafür zuständig, die Hinterachse anzutreiben. Das tut er beim Anfahren und auf rutschigem Untergrund, wenn es die Steuerungselektronik für nötig erachtet. In der Regel fährt der RX nur mit Frontantrieb. Die Kraft wird stufenlos automatisch übertragen, der Fahrer kann aber manuelle „Gänge“ wählen oder in der Stellung „S“ mit sechs festgelegten Übersetzungsstufen fahren. Es gibt außerdem ein Winterprogramm („Snow“), mit reduziertem Antriebsmoment an den Rädern und ständig eingeschaltetem elektrischem Antrieb der Hinterachse.

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