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Fahrtbericht Land Rover Defender : Diese Legende währt wohl ewig

Relikt mit Kultstatus: Der Land Rover Defender 90 TD4 SE Bild: Hersteller

Sein Ruf eilt ihm voraus. Die Off-Road-Qualitäten des Land Rover Defenders machen ihn zum Lieblingsauto von Abenteurern, Armeen und britischen Landwirten. Trotz vieler Verbesserungen bleibt aber auch das neue Modell 90 TD4 SE ein Relikt, das nur von seinem Kultstatus lebt.

          Es ist kaum zu glauben, dass sich ausgerechnet in Deutschland ein Auto verkaufen lässt, das nicht schneller als 130 km/h fährt. Aber wer einen Land Rover Defender haben will, fragt nicht nach der Höchstgeschwindigkeit, sondern er interessiert sich vielmehr für Wattiefe, Böschungswinkel und Untersetzungsgetriebe. Oder er möchte einfach so ein Auto haben wie damals in Daktari.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Dabei ist der Defender gar kein Auto, sondern im wahrsten Sinne des Wortes ein Geländewagen. Mehr nicht und auch nicht weniger. Wer das einmal begriffen hat, wird ihn schnell lieben lernen.

          Ein Fahrzeug von vorgestern

          Aber alle, die nach ihm schielen, weil sie es für schick halten, mit dem urigen Briten über den Boulevard zu flanieren, seien gewarnt: Auch nach den unlängst erfolgten umfangreichen Modernisierungsmaßnahmen bleibt der „Landy“ ein Fahrzeug von gestern, ja vielleicht sogar von vorgestern.

          Bei einem Land Rover Defender zählt nicht die Höchstgeschwindigkeit

          Das fängt schon bei den Sitzen an. Wie seit 1948 logieren Fahrer und Beifahrer auf einer Art Podest, was zur Folge hat, das man die Sitzflächen kaum verstellen kann. Und nach wie vor muss der Fahrer viel zu nahe an der Tür kauern und sehr senkrecht sitzen.

          Außerdem gibt es kein ESP, keine Airbags, keinen Partikelfilter, keine Knautschzonen und kaum Fahrkomfort, zwei starre Achsen lassen grüßen. Kritisieren muss man zudem schwache Bremsen, ein gewöhnungsbedürftiges Fahrverhalten, hohen Kraftstoffverbrauch, untaugliche Rücksitze (aber endlich in Fahrtrichtung) und einen zu kleinen Kofferraum, wenn es zu viert auf die Reise gehen soll.

          Armeen schätzen seine Robustheit

          Kurz, der Land Rover bleibt auch mit dem 2,4-Liter-Motor aus dem Hause Ford und dem neuen Armaturenbrett ein Unikum auf Rädern, das nur von seinem rustikalen Charme und seinen zweifelsohne sehr hohen Qualitäten als Allesüberwinder lebt. Davon aber nicht schlecht. Viele Armeen dieser Welt schätzen seine Robustheit, Abenteurer fahren mit ihm in die Wüste, und als Traktor-Ersatz taugt er ebenfalls.

          Ein billiger Spaß ist die Reise in die Vergangenheit jedoch nicht: Die einfachste und zugleich ehrlichste Version mit Plane über der kurzen Ladefläche (wie 1948) kostet schon 24.800 Euro. Und für den kurzen Station Wagon in der SE-Ausstattung sind 30.400 Euro ein stolzer Preis, wobei die Kosten für ABS (1760 Euro) und die Klimaanlage (1610 Euro) noch addiert werden müssen.

          Never change a winning team

          Radio-CD, elektrische Fensterheber, eine Zentralverriegelung und die große, aus Sperrholz gezimmerte Ablagebox zwischen den Vordersitzen sind ebenso Teil der SE-Ausstattung wie die Sitzheizung und eine beheizbare Windschutzscheibe. Die ragt steil wie eh und je in den Himmel, verschwunden sind die bei den Fans so geliebten Lüftungsklappen, der Defender-Fahrer 2007 blickt auf eine wirklich moderne Armaturentafel mit den gängigen Anzeigen, aber auch mit Drehzahlmesser, schöner Analog-Uhr und ergonomisch günstig angeordneten Bedienelementen.

          Ganz wichtig: Heizung und Lüftung haben endlich ihren Namen verdient. Bei so viel Fortschritt musste man aber offenbar am alten Lenkrad mit dem dicken Knubbel in der Mitte festhalten, auch das Zündschloss sitzt nach wie vor links, die Schlüssel sehen immer noch so aus wie in unserem Land Rover von 1976. Die Griffe, um die Tür zuzuziehen, werden ebenfalls seit den siebziger Jahren verbaut. Diese – die vierte – Modellreihe des Land Rover läuft nun schon seit 25 Jahren. Never change a winning team.

          Die Fahrleistungen sind bescheiden

          Nicht mehr zufrieden war man bei Land Rover mit dem eigenen 2,5-Liter-Diesel. Daher hat man einen aus den Ford-Regalen unter die Haube gepackt, die dafür etwas angehoben werden musste. Zwar ist der Hubraum um 0,1 Liter geschrumpft, doch das maximale Drehmoment von 360 Newtonmeter ist prächtig, da treten die 90 kW (122 PS) der Nennleistung in den Hintergrund.

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