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Fahrtbericht Kia Soul : Man mag ihn oder mag ihn nicht

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z., Hersteller

Die Koreaner von Kia sind dem Zeitgeist besonders nahe, seit sie sich einen Design-Chef aus Deutschland geleistet haben. Der Soul ist ein erster Beweis dafür und erregt in jedem Fall Aufsehen.

          4 Min.

          Auf Peter Schreyer ruhen viele Erwartungen. Nicht nur von Kia - schließlich haben sie ihn engagiert, um sich mit ihren Produkten aus der Menge herauszuheben. Aber auch von der ganzen Autokäufergemeinde, denn jemand wie er setzt Maßstäbe, wo immer er arbeitet.

          Bricht der Schöpfer des Golf IV und des Audi A2 endlich mit den unsäglichen Design-Torheiten unserer Tage, und schafft er es, Form und Funktion wieder in ein vernünftiges Verhältnis zueinander zu bringen? Oder schwimmt er doch nur im großen Strom, mit Autos, die allen anderen ähneln und wie sie von den Anforderungen der Praxis ärgerlich weit entfernt sind?

          Dass der Soul, Kias jüngstes Produkt, ein Hingucker ist, kann niemand bestreiten. Und ein bisschen eine Mogelpackung: Denn er ahmt ebenso ein SUV nach, wie ein SUV einen Geländewagen nachahmt - ein doppeltes Imitat also. Und während einige SUV wahlweise schon als Fronttriebler daherkommen, war beim Soul umgekehrt von Allradantrieb nie die Rede.

          Die Design-Studien, die ihm vorausgingen und Appetit auf ihn machen sollten, zeigten deutlich, dass hier ein Fun-Auto geplant war, und weckten mit manchen Details schlimme Befürchtungen. Die Realität war dann, wie immer, deutlich nüchterner, und so waren an unserem Testwagen an Kiki-Kram nur das Hahnentritt-Muster auf den Sitzbezügen und die - auf Wunsch sogar im Takt der Musik - zu illuminierenden Lautsprecher im Fußraum übrig geblieben, die man aber auch unbeleuchtet lassen kann.

          Der Soul ist zehn Zentimeter kürzer als ein VW Golf, aber er wirkt deutlich massiger durch seine Höhe und seine eckige Grundform, die immerhin einige Erwartungen an Funktionalität und Nutzvolumen weckt. Der Innenraum hat in der Tat angenehme Dimensionen.

          Wenn man erst einmal über die Schweller hinweggeklettert ist, die mit 42 Zentimeter zu hoch sind, um den Einstieg wirklich bequem zu machen, und sich dann wieder in die etwas zu tief angeordneten Sitze hat fallen lassen, fühlt man sich prima untergebracht.

          Tiefe und Breite der Sessel sind üppig, die Kopfhöhe genügt auch langen Fahrern. Die steil stehende Frontscheibe ermöglicht einen Türausschnitt, der fast so günstig ist wie der hintere. Im Fond gibt es sehr reichliche Kniefreiheit selbst bei voll zurückgeschobenen Vordersitzen, und fast ein Meter Luft nach oben taugt auch für Zweimeter-Leute. Sogar in der Mitte könnte ein Erwachsener sitzen: Die Breite der Bank reicht dafür, der Mitteltunnel stört kaum, nur die Kopfstütze ist etwas zu kurz geraten.

          Enttäuschte Hoffnung

          Da auch in Korea niemand zaubern kann, gibt es einen Leidtragenden dieser Üppigkeit - den Kofferraum. Er ist mit rund 220 Liter plus etwa 40 in einem Gelass unter seinem Boden beschämend karg ausgefallen. Natürlich kann man ihn in der üblichen Weise - hier durch Klappen der geteilten Lehne - für größere Aufgaben wappnen, doch selbst dann stehen nicht mehr als 1140 Liter bereit, und eine ganz ebene Ladefläche kommt auch nicht zustande.

          Die Heckklappe ist anständig groß, aber fast 80 Zentimeter Bordwand müssen beim Einladen überwunden werden. Zudem hat die Gepäckraumabdeckung einen fest stehenden Teil, der nur äußerst umständlich zu entfernen ist, wenn etwas Größeres eingeladen werden soll. An die anderswo gebotene Option, die Rückbank längs zu verschieben und damit Laderaum zu gewinnen, hat man bei Kia auch nicht gedacht. Kurz: Die Hoffnungen auf praktische Seiten des Soul werden eher enttäuscht.

          Brachiale Kühlung

          Fröhlicher stimmt schon, was den Fahrerplatz umgibt. Ablesbarkeit und Beleuchtung der Instrumente könnten gar nicht besser sein, allenfalls kann man den Drehzahlmesser zu klein finden. Auch die Bedienungselemente sind tadellos plaziert; das herausnehmbare Navigationsgerät von Clarion ist ganz oben auf dem Armaturenbrett bestens im Blick, aber seine krächzende Stimme hat es uns nicht sehr sympathisch gemacht.

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