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Fahrtbericht Kia Ceed : Mit Humor startet die zweite Stufe

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Bild: Hersteller

Koreanische Autos sind in Europa die Renner. Kia ist die etwas noblere Marke für den Schnäppchen-Snob und setzt mit Erfolg auf Design, schöner Wohnen und technischen Fortschritt. Aber es fehlt noch an Feinschliff.

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          Ob Südkoreaner über Greser& Lenz herzlich lachen können, weiß niemand. Aber sie müssen voll von verstecktem Humor sein. Erstens legen sie unglaublich scharfen Kohl ein und essen ihn als Kimchi tatsächlich über Monate hinweg mit unergründlichem Appetit, dann liegen sie schließlich im Medaillenspiegel vor dem Teutonen-Volk der Leibesübungen, und nun schickte uns die deutsche Kia-Dependance, die in Frankfurt sitzt, den neuen Ceed als Testwagen mit der Zulassung in Celle: CE-ED 117. Schöner Schmunzeleffekt.

          Mit der zweiten Modellgeneration des Ceed zündet Kia die zweite Stufe seiner Eroberungsstrategie: weg von der Discountoccasion und hin zum Designobjekt. Dafür engagierten die Koreaner den einstigen Stilistenstar des VW-Konzerns.

          Peter Schreyer packte bei Kia wohl nicht nur das Weißbierglas und die Zeichenstifte aus, sondern brachte sein gesamtes Wissen über die geheimen Autowünsche der Europäer mit ein. Um die zu erfüllen, wird die Doppelmarkenstrategie exerziert: Hyundai gibt sich volksnäher und preisgünstiger, Kia darf teurer sein und exaltierter wirken.

          Versionen

          Vier Ausstattungsversionen, zwei Benziner und zwei Diesel stehen zur Wahl. Der billigste Ceed kommt für knapp 14.000 Euro, der teuerste ankert als stärkster Diesel in der besten Spirit-Ausstattung bei 22.390 Euro. Der von uns gefahrene Benziner-Ceed 1.6 GDI kam als Spirit-Grundversion auf 21.290 Euro.

          Das günstige Direktschaltgetriebe mit sechs Stufen (1200 Euro) und drei recht gut geschnürte Ausstattungspakete hoben den Preis auf insgesamt 26.450 Euro. Ein prall gemästeter Kia Ceed ist keine Preis-Sensation, aber für einen ähnlich aufgerüsteten VW Golf mit kleinerem Motor legt man drei oder vier Tausender mehr auf den Verkaufstresen. Ob man die beim Wiederverkauf reinholt?

          Design

          Das Unterscheidungsmerkmal einer bewussten Exaltiertheit trifft auf den viertürigen Ceed mit seiner Karosserie der harmonischen Dynamik in nur geringem Umfang zu. Er gibt sich als moderner und verspielter VW Golf, trägt den neu entwickelten, aber trotz aller Mühe irgendwie laschen Kühlergrill (er heißt laut Kia tatsächlich „Tigernase“ wirkt aber eher wie der einstige Ford-Hundeknochen) und strafft seine Seitenansicht mit einer lichtbrechenden Kante. Die liegt elegant wie eine gute Bügelfalte zwei Fingerbreiten über den massiven Türgriffen.

          Innenraum

          Zwischen Bug und Heck gibt es reichlich große Fensterflächen, weit öffnende Türen, bequemen Einstieg und einen Innenraum, der mit großzügiger Wohnlichkeit überzeugt. Dabei denken die Kerle von Kia in erster Linie an den Fahrer. Wahrscheinlich trifft er (oder sie) in den meisten Fällen die Kaufentscheidung.

          Er gebietet zwar über eine unübersichtliche Karosserie, aber ihm wird geschmeichelt mit einer guten Sitzposition, mit einer hochwertig wirkenden Instrumentenlandschaft, die gespickt ist mit Tasten, Druckknöpfen und Hebelchen, die nicht nur Unterhaltungswert haben, sondern auch mit wichtigen Funktionen belegt sind.

          Bild: F.A.Z.

          Dann gibt es noch das ein wenig im Abseits liegende Bildschirmchen des Navigations- und Infotainmentsystems, das sich vergleichsweise einfach auf die Wünsche des Fahrers einschwören lässt. Dieser hat alles fein zur Hand, er benötigt allerdings eine gewisse Zeit zur Eingewöhnung, wenn er die Tiefen des Ceed-Komforts vollends nutzen möchte.

          Verarbeitung

          Mit Verarbeitung und Materialwahl sowie mit dekorativ gesetzten, winzigen Chrom- oder Klavierlackelementen demonstriert der Kia, dass Stilsicherheit auch aus Korea kommen kann. Man sitzt überall gut, vorne natürlich besser, zu dritt hinten auf Tuchfühlung, zu zweit ist es ausreichend bequem, zumal es nicht an Freiheit für Knie, Beine oder Köpfe mangelt.

          Kofferrraum

          Hinter der geteilt klappbaren Rückbank wartet ein säuberlich verkleideter 380-Liter-Kofferraum. Er weist im Boden etliche Staufächer auf und profitiert von der Anwesenheit eines mickrigen Notrads. Die Heckklappe öffnet über Stehhöhe und gibt eine ladefreundliche Luke frei.

          Die Ladetiefe des Kofferraums lässt sich durch das Klappen der Sitzlehnen über eine nach vorne leicht ansteigende Ebene erweitern, die von der Bordwand bis zum Vordersitz gut 160 Zentimeter erreicht. Die Ladekante liegt außen allerdings etwa 75 Zentimeter über dem Boden, und nach innen gibt es einen Unterschied von 15 Zentimeter. Da wird das Verstauen mehrerer Getränkekisten rasch zur Rückenprobe.

          Motor

          Gestartet wird der Ceed auf Knopfdruck, und die Handbremse löst sich beim ersten Anfahrruck von selbst. Der Ottomotor wird mit direkter Einspritzung gefüttert, debütierte im Kia Sportage und arbeitet im Ceed ebenso unauffällig wie nachdrücklich. Er nimmt das Gas spontan an, dreht ohne Zögern hoch und bleibt bis etwa 4000/min eine beinahe nicht zu hörende und weitgehend auf unangenehme Vibrationen verzichtende Kraftquelle.

          Bei 130 bis 160 km/h pirscht der Kia auf samtigen Pfoten dahin, Abroll- und Windgeräusche glänzen durch Zurückhaltung, und erst bei höherem Tempo entwickelt sich der Motor zur Lärmquelle. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 198 km/h, die Beschleunigung ist von standesgemäßer Munterkeit.

          Verbrauch

          Nur zum Teil überzeugt der laufruhige Motor beim Verbrauch: Unser Durchschnitt lag bei 8,7 Liter für 100 Kilometer, es durften aber auch 9,2 Liter für höheres Tempo sein. Mit ganz leichtem Gasfuß und konstanter Fahrt ließen sich 6,3 bis 6,5 Liter erzielen.

          Getriebe

          Das von Kia in Zusammenarbeit mit dem deutschen Spezialisten Luk (gehört zur Schäffler-Gruppe) entwickelte Doppelkupplungsgetriebe arbeitet bei ruhiger Fahrweise im Automatikmodus sehr dezent und komfortbetont. Das ist besonders angenehm im Stop-and-go-Verkehr, zumal die sehr schnell vollzogenen Gangwechsel kaum auffallen, der Antrieb bleibt dabei unter Last. Allerdings schaltet es bei zügiger Fahrt mitunter unerwartet eine Stufe tiefer und dann wieder hoch. Es ist aber für wenig Geld zu haben und erleichtert die Fahrt in verstädterten Regionen.

          Lenkung

          Auch für die elektrisch unterstützte Zahnstangenlenkung könnte sich eine Runde Nachsitzen lohnen. Sie bietet drei Hilfskraft-Definitionen, die der Fahrer je nach Fahrumständen wählen kann. Sie arbeitet zwar immer ausreichend direkt, aber wir hatten den Eindruck, dass sie sich aus der Mittellage heraus zunächst relativ schwer und dann leicht bewegen ließ, um dann alsbald wieder steifer zu arbeiten. Insgesamt erschien sie nicht harmonisch ihrer Tätigkeit nachzugehen

          Fahrwerk

          Eher auf Komfort als auf betonte Sportlichkeit ist angenehmerweise das Fahrwerk des über die Vorderräder angetriebenen Ceed eingeschworen. Es erwartet allerdings auf der Autobahn bei Geradeausfahrt häufig kleinere Korrekturen.

          Fazit

          Auch völlig humorlose Menschen können mit einem Lächeln zum Kia Ceed greifen. Seine Vorzüge überwiegen die vornehmlich dynamischen Schwächen, und wer leckere Armaturenträger mag, kommt am Ceed sowieso nicht vorbei. Korea bietet nicht nur Kimchi. Und das lieben auch Greser&Lenz.

          Nächste Woche: Mercedes-Benz SL 500

          Daten und Messwerte

          Empfohlener Preis 21.290 Euro
          Preis des Testwagens 26.450 Euro

          Vierzylinder-Ottomotor, vier Ventile je Zylinder, Direkteinspritzung, Hubraum 1591 Kubikzentimeter

          Leistung 99 kW (135 PS) bei 6300/min

          Höchstes Drehmoment 165 Nm bei 4850/min, 90 Prozent davon ab 2900 bis 6300/min

          Doppelkupplungsgetriebe mit sechs Schaltstufen

          Antrieb auf die Vorderräder

          Länge/Breite/Höhe 4,31/1,78/1,47 Meter

          Radstand 2,65, Wendekreis 10,34 Meter

          Leergewicht 1421, zulässiges Gesamtgewicht 1840, Anhängelast 1300 Kilogramm, Kofferraumvolumen 380 bis 1300 Liter

          Reifengröße 205/55 R 16 91 H

          Höchstgeschwindigkeit 198 km/h

          Von 0 auf 100 km/h in 10,2 s

          Verbrauch 6,3 bis 9,2, im Durchschnitt 8,7 Liter Super je 100 km; 140 g/km CO2 bei Normverbrauch 6,1 Liter, 53-Liter-Tank

          Versicherungs-Typkl. HP 16, TK 18, VK 19

          Garantie Sieben Jahre oder 150.000 Kilometer, zwölf Jahre gegen Durchrostung; Wartung alle 30.000 Kilometer oder alle zwei Jahre

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