https://www.faz.net/-gya-72es3

Fahrtbericht Kia Ceed : Mit Humor startet die zweite Stufe

  • -Aktualisiert am

Bild: Hersteller

Koreanische Autos sind in Europa die Renner. Kia ist die etwas noblere Marke für den Schnäppchen-Snob und setzt mit Erfolg auf Design, schöner Wohnen und technischen Fortschritt. Aber es fehlt noch an Feinschliff.

          4 Min.

          Ob Südkoreaner über Greser& Lenz herzlich lachen können, weiß niemand. Aber sie müssen voll von verstecktem Humor sein. Erstens legen sie unglaublich scharfen Kohl ein und essen ihn als Kimchi tatsächlich über Monate hinweg mit unergründlichem Appetit, dann liegen sie schließlich im Medaillenspiegel vor dem Teutonen-Volk der Leibesübungen, und nun schickte uns die deutsche Kia-Dependance, die in Frankfurt sitzt, den neuen Ceed als Testwagen mit der Zulassung in Celle: CE-ED 117. Schöner Schmunzeleffekt.

          Mit der zweiten Modellgeneration des Ceed zündet Kia die zweite Stufe seiner Eroberungsstrategie: weg von der Discountoccasion und hin zum Designobjekt. Dafür engagierten die Koreaner den einstigen Stilistenstar des VW-Konzerns.

          Peter Schreyer packte bei Kia wohl nicht nur das Weißbierglas und die Zeichenstifte aus, sondern brachte sein gesamtes Wissen über die geheimen Autowünsche der Europäer mit ein. Um die zu erfüllen, wird die Doppelmarkenstrategie exerziert: Hyundai gibt sich volksnäher und preisgünstiger, Kia darf teurer sein und exaltierter wirken.

          Versionen

          Vier Ausstattungsversionen, zwei Benziner und zwei Diesel stehen zur Wahl. Der billigste Ceed kommt für knapp 14.000 Euro, der teuerste ankert als stärkster Diesel in der besten Spirit-Ausstattung bei 22.390 Euro. Der von uns gefahrene Benziner-Ceed 1.6 GDI kam als Spirit-Grundversion auf 21.290 Euro.

          Das günstige Direktschaltgetriebe mit sechs Stufen (1200 Euro) und drei recht gut geschnürte Ausstattungspakete hoben den Preis auf insgesamt 26.450 Euro. Ein prall gemästeter Kia Ceed ist keine Preis-Sensation, aber für einen ähnlich aufgerüsteten VW Golf mit kleinerem Motor legt man drei oder vier Tausender mehr auf den Verkaufstresen. Ob man die beim Wiederverkauf reinholt?

          Design

          Das Unterscheidungsmerkmal einer bewussten Exaltiertheit trifft auf den viertürigen Ceed mit seiner Karosserie der harmonischen Dynamik in nur geringem Umfang zu. Er gibt sich als moderner und verspielter VW Golf, trägt den neu entwickelten, aber trotz aller Mühe irgendwie laschen Kühlergrill (er heißt laut Kia tatsächlich „Tigernase“ wirkt aber eher wie der einstige Ford-Hundeknochen) und strafft seine Seitenansicht mit einer lichtbrechenden Kante. Die liegt elegant wie eine gute Bügelfalte zwei Fingerbreiten über den massiven Türgriffen.

          Innenraum

          Zwischen Bug und Heck gibt es reichlich große Fensterflächen, weit öffnende Türen, bequemen Einstieg und einen Innenraum, der mit großzügiger Wohnlichkeit überzeugt. Dabei denken die Kerle von Kia in erster Linie an den Fahrer. Wahrscheinlich trifft er (oder sie) in den meisten Fällen die Kaufentscheidung.

          Er gebietet zwar über eine unübersichtliche Karosserie, aber ihm wird geschmeichelt mit einer guten Sitzposition, mit einer hochwertig wirkenden Instrumentenlandschaft, die gespickt ist mit Tasten, Druckknöpfen und Hebelchen, die nicht nur Unterhaltungswert haben, sondern auch mit wichtigen Funktionen belegt sind.

          Dann gibt es noch das ein wenig im Abseits liegende Bildschirmchen des Navigations- und Infotainmentsystems, das sich vergleichsweise einfach auf die Wünsche des Fahrers einschwören lässt. Dieser hat alles fein zur Hand, er benötigt allerdings eine gewisse Zeit zur Eingewöhnung, wenn er die Tiefen des Ceed-Komforts vollends nutzen möchte.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Milliardenhilfe : Gegenwind für die Lufthansa-Rettung

          Nach langen Verhandlungen einigen sich Bundesregierung und Lufthansa auf ein Rettungspaket aus Steuergeldern. Brüssel sagen die Pläne aber nicht zu. Kanzlerin Merkel will kämpfen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.