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Fahrtbericht : Kein Ruck, kein Aufbruch? Da trügt der Schein

  • -Aktualisiert am

Evolution des Bestsellers: Die fünfte Generation Golf sieht aus wie ein Golf Bild: Hersteller

Der Golf V als Beispiel einer gelungenen Verbindung zwischen Tradition und hohen Qualitätsansprüchen: So wird VW dem deutschen Besitzstandsdenken als auch neuesten technischen Anforderungen gerecht.

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          Der Golf ist das deutscheste aller deutschen Autos. Wie der Hund zum Herrn paßt er zu seinen Landsleuten, und die Lage der Nation spiegelt sich in seiner Befindlichkeit. Das gilt auch - und sogar besonders - für seine fünfte Auflage, die jetzt an den Start gegangen ist. Schon ihr Äußeres entspricht der Stimmung im Herbst 2003: kein Ruck, kein Aufbruch, dafür Besitzstandsdenken. Golf bleibt Golf, lautet die Losung. Hauptsache, die hintere Dachsäule ist so breit wie eh und je und das VW-Logo um Himmels willen nicht kleiner als beim Vormodell. Stagnation also auf der ganzen Linie? So erscheint es dem flüchtigen Blick. Aber der täuscht. Beim Golf V ist, trotz aller Zaghaftigkeit des Designs, kein Stein auf dem anderen geblieben. Viele Qualitäten, die ihn auszeichnen, sieht man nicht. Aber man fühlt sie - und ist beeindruckt.

          Das Überraschendste ist der Fortschritt im Federungskomfort. Die neue Vierlenker-Konstruktion öffnet erst die Augen dafür, was man bei der alten Verbundlenkerachse entbehren mußte: eine zeitgemäße Verbindung von Sicherheit und Bequemlichkeit. Mit einer Gelassenheit, die in seiner Klasse beispiellos ist, begegnet er den immer schlechter werdenden deutschen Straßen. Die Insassen sind von ihnen weit entfernt und werden allenfalls akustisch über Schlaglöcher und, mit verhaltenem Dröhnen, über Kopfsteinpflaster informiert.

          Präziser Fortschritt

          Nicht geringer ist der Fortschritt beim Fahrverhalten: Noch nie war ein Golf-Fahrer so gut Freund mit Kurven - das Auto bleibt geradezu aufreizend sicher auf Kurs, und das serienmäßige ESP langweilt sich untätig im Hintergrund -, und noch nie war er so streßfrei auf Schnellstraßen unterwegs. Das ist zu einem großen Teil der elektromechanischen Servolenkung von ZF zu verdanken, die uns schon im VW Touran überzeugte. Wir kennen selbst in der Oberklasse kein Beispiel, das präziseren Fahrbahnkontakt und zugleich angenehmere Handlichkeit zu bieten hätte. Besonders souverän pariert die Lenkung Seitenwindattacken auf der Autobahn, noch ehe sie dem Fahrer überhaupt bewußt werden. Schließlich die Bremsen: Sie sind in Wirkung, Spursicherheit und Standfestigkeit ein leuchtendes Exempel dafür, was heute auch bei Allerweltsautos verlangt werden darf - nicht weniger als der Stand der Technik.

          Fühlbare Qualität im Innenraum

          Damit noch längst nicht genug des unsichtbaren Fortschritts. So wurde die Steifigkeit der Karosseriestruktur beim GolfV noch einmal drastisch verbessert, ebenfalls eine Voraussetzung für erstklassiges Fahrverhalten. Und die neuartigen Türmodule erlauben eine kostengünstigere Reparatur bei Blechschäden. Auch den neuen Golf gibt es als Zweitürer und - für schmerzhafte 995 Euro Aufpreis, einschließlich der elektrischen Fensterheber hinten - als Viertürer. In beiden Versionen hat er gegenüber dem Vorgänger um 5,5 Zentimeter in der Länge zugelegt: Wer hätte 1974 beim Ur-Modell (3,71 Meter) gedacht, daß aus ihm einmal ein 4,20-Meter-Auto werden würde? Von der jüngsten Streckung profitieren in erster Linie die Rücksitzpassagiere. Nie zuvor waren sie in einem Golf-Fond so wenig eingeklemmt wie hier, mindestens 22 Zentimeter Knieraum sind vorrätig - bei einer allerdings recht knappen Tiefe der Bank. Trotzdem sind Langbeinige nicht restlos glücklich, denn die Sitzfläche hat nicht genug Abstand vom Wagenboden, um den Oberschenkeln als stützende Auflage zu dienen. Fahrer und Beifahrer sind auf ihren straffen, gut ausgeformten Sesseln kommod untergebracht, die Kopfhöhe ist vorn wie hinten riesig.

          Wenig praxisnaher Wachstum

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