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Fahrtbericht Jaguar XJ : Am besten nicht an früher denken

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z., Hersteller

Der neue XJ spaltet die Jaguar-Gemeinde. Fließende Linien, protziger Bug und virtuelle Instrumente machen den konservativen Jaguarliebhaber nervös. Doch der Wagen überzeugt mit bulligem Motor und viel Platz für Gepäck und Passagiere.

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          Endlich in der Gegenwart angekommen, begrüßen etwas weniger konservativ gesonnene Jaguar-Anhänger die Spitzenlimousine der Marke, die im Mai neu auf den Plan getreten ist. „Vor dem Zeitgeist eingeknickt, eine Schande“, schäumen dagegen die Traditionsbewussten.

          In der Tat ist der XJ, je nach Sichtweise, eine mutige oder eine missglückte Mischung aus Alt und Neu. Die fließenden Linien der Karosserie, durchaus nicht untypisch für die Marke, fließen hier allzu sehr, der Bug protzt mit einem Grill, den man ohne Scheu aufdringlich nennen darf, und speziell das Heck mit den schmalen, senkrechten LED-Leuchten wird als nicht artgerecht empfunden.

          Design
          Härter noch als draußen prallen die Epochen im Interieur aufeinander. Furnier und Leder – da fühlt sich der Jaguar-Kenner unverändert daheim. Aber die Instrumente wirken wie aus einem mittelmäßigen Computerspiel: keine Hardware, sondern virtuell auf einem Bildschirm aufgebaut. Da wäre auch Platz für Eleganteres gewesen, das die Vergangenheit zitiert und die Jetztzeit nicht leugnet.

          Wäre der XJ freilich ohne den historischen Ballast vom Himmel gefallen, würde man ihn als imposantes Designbeispiel des 21. Jahrhunderts preisen. Wie auch immer: Bei Jaguar verspricht man sich von dem Neuen, dass er auch außerhalb der engen Markengemeinde Freunde fischt. Es bleibt ein Rechenexempel, ob man hier mehr gewinnt, als man am anderen Ende verliert.

          Bild: F.A.Z.

          Innenraum
          Wir fuhren den XJ in der Version mit um 13 Zentimeter vergrößertem Radstand: Ihre 5,25 Meter Länge werden im Kreis der europäischen XXL-Limousinen nur noch vom neuen Audi A8 um einen Hauch übertroffen. Dieses Maß führt erwartungsgemäß zu fürstlichen Dimensionen im Fond. Hier hat man mindestens 80 Zentimeter Raum von Lehne zu Lehne, auch die Kopfhöhe ist reichlich, und die 54 Zentimeter Sitztiefe genügen selbst langbeinigen Mitreisenden.

          Weniger vorbildlich sind der geringe Abstand der Bank vom Boden und die absolute Untauglichkeit des Mittelplatzes – am Komfortanspruch der Klasse gemessen, ist der XJ ein Viersitzer, nicht mehr. Problematisch auch das Einsteigen vorn wie hinten, denn der Schweller ist nicht nur hoch, sondern vor allem extrem breit, er muss regelrecht überklettert werden.

          Ausstattung
          Vorn sitzt es sich dann wunderbar, speziell in der mittleren Ausführung Portfolio, die eine elektrische Zwanzig-Wege-Sitzverstellung mitbringt, Heizung und Belüftung natürlich inbegriffen. Vorheriges Studium der Bedienungsanleitung ist nicht nur hier hilfreich, auch mit seiner sonstigen elektronischen Ausstattung stellt der XJ, wie klassenüblich, einige Anforderungen an die Lernwilligkeit seines Besitzers.

          Der etwas tief plazierte berührungsempfindliche Bildschirm für Navigation, Klima und Unterhaltung war allerdings eines solchen Autos unwürdig – nicht wegen seiner Darstellung, sondern weil er mit konstanter Bosheit die Wünsche des bedienenden Fingers ignorierte. Wir ersparten uns dauernden Ärger und nahmen lieber ein mobiles Navi-Gerät mit auf die Reise.

          2000 Euro Aufpreis erfordert gehobener Musikgenuss mit einem Klangsystem des renommierten britischen Lautsprecherherstellers B&W, es lohnt sich. Die Vierzonen-Klimaautomatik im Portfolio macht es jedem Mitfahrenden recht, arbeitet aber nicht ganz zugfrei. Ein Schätzchen ist die selbstlösende elektrische Feststellbremse.

          Kofferraum
          Frühere Jaguare hatten ein habituelles Defizit an Kofferraum. Das ist inzwischen vorbei, der XJ bietet anständige 520 Liter, auch in der „kurzen“ Ausführung. Damit hat es sich aber auch, Vergrößerung ist nicht angesagt, nicht einmal mit einer Durchladeöffnung.

          Die Bordwand ist unglücklich hoch, Koffer verstauen erfordert Muskelkraft. Dafür öffnet sich der Deckel auf Befehl der Fernbedienung, die ein Transponder für schlüssellosen Einstieg und Start ist, und schließt auch wieder elektrisch.

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