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Fahrtbericht Jaguar XF 3.0 : Die späte Liebe glüht umso kräftiger

Er ist sehr leise und im Wageninneren nicht als solcher wahrzunehmen Bild: Hersteller

Was lange währt, wird endlich gut. Einen besseren Motor als den neuen 3,0-Liter-Diesel für den Jaguar XF können wir uns gar nicht vorstellen. Und das Triebwerk kommt 2010 auch in den XJ. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt.

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          Wenn das so weitergeht, werden üppige Benzinmotoren in großen Limousinen bald völlig eine Sache für Liebhaber, die sich bewusst für einen wesentlich höheren Sprit-verbrauch bei höheren Einstandskosten entscheiden. Motto: Lass doch die anderen vernünftig sein.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Warum wir das so dezidiert sagen: Nachdem sich Jaguar im Jahr 2003 als letzter Hersteller von großen und größeren Luxuslimousinen auf das Dieselpferd gesetzt hat, werden jetzt mit dem brandneuen 3,0-Liter-V6-Selbstzünder, der mit Common-Rail-Technik und gleich zwei Abgasturboladern auf höchste Leistung bei möglichst minimalem Durst getrimmt wurde, auch bei den Briten Dimensionen erreicht, die Fremdzünder eigentlich überflüssig machen. (Oder sie holen sich einen E-Motor als Helfer.)

          Nicht umsonst haben schon bisher mehr als drei Viertel der hiesigen XF-Käufer den „alten“ 2,7-Liter-V6-Diesel geordert, mit dem 3,0-Liter-Triebwerk wird diese Quote gewiss auf mehr als 90 Prozent steigen. Bärige 600 Newtonmeter Drehmoment werden geboten, da sind die 202 kW (275 PS) Leistung schon beinahe Nebensache. Gut, der stärkere der beiden 5,0-Liter-V8-Benzinmotoren bringt zwar 625 Nm auf die Kurbelwelle und ist mit 275 kW (510 PS) auch deutlich stärker. Aber schneller als 250 km/h (beide limitiert) fährt er auch nicht, und wer unbedingt die gewiss (noch) bessere Spurtkraft braucht, bitte schön: ein Liebhaber eben, der einen beinahe doppelt so hohen Verbrauch und beinahe nebensächliche 30.000 Euro Mehrpreis gern in Kauf nimmt.

          Ob man Jaguar für das XF-Karosserie-Kleid im Stile der neuen Zeit dankbar sein muss, ist umstritten Bilderstrecke

          Er hat einen überaus kräftigen Antritt

          Uns genügt der V6-Diesel völlig. Er ist sehr leise und im Wageninneren nicht als solcher wahrzunehmen - aber sehr wohl noch von außen. Er hat einen überaus kräftigen Antritt (6,5 Sekunden für 0 auf 100 km/h) und beschleunigt auch bei höheren Geschwindigkeiten noch überaus hurtig - bis hin zu den erwähnten 250 km/h. Nicht umsonst hat Jaguar mit dem Debüt des 3,0-V6 den 4,2-Liter-V8 (212 kW/298 PS) schon ein gutes Jahr nach dem Marktstart des XF aus dem Programm genommen. Fährt man diesen XF auf der Autobahn im unmittelbaren Vergleich, ist der 4.2er der unterlegene Motor, vom Verbrauch gar nicht zu reden. Von 12,7 Liter Superbenzin auf 100 Kilometer im Schnitt berichtet ein 4.2er-Besitzer, der bisher knapp 16 000 Kilometer gefahren ist.

          Der F.A.Z.-Testwagen glänzte während der gut zwei Wochen währenden Bekanntschaft mit einem 100er-Schnitt von 7,7 Liter Diesel. Wenn man es aufs Sparen anlegt, kann man durchaus Werte mit einer Fünf vor dem Komma realisieren. Wir kamen bei einer Autobahn-Sparfahrt (nicht schneller als 120 km/h) auf 6,4 Liter, allerdings war der Wagen voll beladen.

          Knapp 1800 Umdrehungen

          120 km/h sind ein gutes Stichwort. Dann gleitet der Jaguar mit knapp 1800 Umdrehungen über das graue Band und verwöhnt seine Insassen mit jenem Komfort, den man von einem Jaguar erwartet. Alles ist fein angerichtet, Platz ist für vier Personen reichlich, Leder dominiert, gut abgestimmt mit viel Holz. Das können sie, die Burschen aus England mit ihrer nun indischen Mutter. Dass der fünfte Platz im Wagen nur ein Notbehelf ist, sei vermerkt, aber das ist heute fast in jeder Limousine so. Trotzdem gibt es dafür ein Minus - wie auch für die schlechte Übersichtlichkeit. Der Mitteltunnel stört, die Bank ist hart in der Mitte, die Armlehne drückt ins Kreuz.

          Die vier Türen schwingen weit auf, beim Einsteigen gibt es keinerlei Probleme. Im Fond mag man sich ein paar Zentimeter mehr Beinfreiheit wünschen - aber dafür gibt es ja noch den größeren XJ, der 2010 brandneu aufgelegt wird und ebenfalls mit diesem Motor antreten wird. Obwohl der XF gewiss „jaguar-like“ ausgestattet ist, wird der XJ im Innenraum noch schwelgerischer sein - das kann schon versprochen werden.

          Tacho und Drehzahlmesser sind klassische Analog-Instrumente

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