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Fahrtbericht Jaguar XF 3.0 : Die späte Liebe glüht umso kräftiger

Der XF mag etwas kühl wirken, Tacho und Drehzahlmesser sind klassische Analog-Instrumente und gut einzusehen. Über die bläuliche Beleuchtung kann man streiten. Weniger gefallen kann das Fehlen eines Kühlwasserthermometers, über den Tankinhalt wird digital per Balkendiagramm informiert. Eine Zeituhr gibt es nur als kleine Digital-Information (auf dem Navi-Schirm oder im Hauptinstrument), es sei denn, man verzichtet auf die Navigation, dann erscheint eine virtuelle Uhr auf dem Monitor. Im neuen XJ wird die Zeituhr das einzige verbliebene analoge Instrument sein. Auch dass man die Außentemperatur immer erst suchen muss, und sie nicht permanent gezeigt wird stört etwas. Das Bedienen des Navi-Systems (mit Touchscreen, 2060 Euro extra) ist relativ schlüssig, das kleine Handschuhfach öffnet ebenfalls mit einem Berührungssensor, was nicht immer auf Anhieb klappt. Nicht anfreunden konnten wir uns zudem mit dem Wählhebel für die Automatik. Es ist ein kaffeebechergroßer, runder Drehsteller, der erst nach dem Anlassen (mit Startknopf) aus der Mittelkonsole herauswächst. Dann kann nach rechts von P in R, N, D oder S gedreht werden. Ein herkömmlicher Hebel lässt sich schneller bedienen, vor allem beim Rangieren. Außerdem können die sechs Fahrstufen (Getriebe von ZF) von Hand mittels Schaltpaddel gewählt werden.

Die Automatik schaltet sehr sanft und kaum merklich, was sich in S (Sport) ändert. Dann wird eine andere Motor-Kennlinie gefahren, später und spürbarer geschaltet. Fährt man die Gänge voll aus, wird es sogar ruppig, wenn in den höheren Gang gewechselt wird. Aber eines sollte klar sein: Der XF ist kein Sportwagen, sondern allenfalls eine sportliche Limousine.

Es ziemt sich nicht, den XF zu scheuchen, obwohl er in einem Kurven-Parcours keine schlechte Figur macht. Für einen hinterradgetriebenen Wagen ist er erstaunlich neutral und erfreut bauartbedingt wegen des Fehlens jeglicher Antriebseinflüsse in der hinreichend präzisen Lenkung.

Das Kofferraumvolumen des XF von 500 Liter ist praxistauglich

Der Federungskomfort ist gut bis sehr gut oder sogar exzellent, wenn man direkt von einem blattgefederten Iveco Massif (italienischer Geländewagen mit spanisch-britischen Wurzeln) auf Jaguar umsteigt. Allerdings dringen gröbere Unebenheiten in der Straße doch direkt zu den Insassen durch.

Das Kofferraumvolumen des XF von 500 Liter ist praxistauglich, allerdings ist des Gelass eher flach, dafür aber sehr tief: 1,10 Meter. Um die große Reisetasche quer dort hinten zu verstauen, muss man regelrecht in den Kofferraum hineinkriechen. Die Rückbanklehnen lassen sich asymmetrisch geteilt umklappen (nur vom Kofferraum aus), die Ladetiefe steigt dann auf 1,80 Meter. Die entstehende Öffnung ist aber eher klein. Klappt man nur die rechte Seite um (1/3), ist vielleicht Platz für ein Paar Skier. Eine Durchreiche in der Mitte gibt es nicht. Dafür wartet wenigstens ein Notrad unter dem Kofferraumboden auf seinen Einsatz (in der mittleren Ausstattungsvariante Premium Luxury, die 5200 Euro Aufpreis kostet und kaum Wünsche offen lässt).

Selbst das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt

Ob man Jaguar für das XF-Karosserie-Kleid im Stile der neuen Zeit dankbar sein muss, ist umstritten. Aber Jaguar würde sich keinen Gefallen tun, wenn man den Rufen der Fans folgen würde und im gestalterischen Gestern verharrte (beim E-Type, dem XJ oder den diversen Mark-Modellen). Wir schreiben bald das Jahr 2010, da kann man nicht mehr mit Formen aus dem vergangenen Jahrtausend antreten. Wer diese will, soll sich einen Jaguar-Oldtimer kaufen.

Kein Jaguar von heute war so auf der Höhe der Zeit wie dieser Diesel-XF, auch was die gebotene Qualität angeht. Selbst das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt, vor allem im Vergleich mit der Konkurrenz aus Deutschland. Jaguar kam sehr spät zum Dieselmotor. Es kann so sein wie im echten Leben: Eine späte Liebe glüht umso heftiger.

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