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Fahrtbericht Infiniti G : Seine Stärke ist das Beschleunigen

  • -Aktualisiert am

Der G37 ist eine Stufenheck-Limousine in Audi-A4-Größe Bild: Hersteller

Was ist Infiniti? Sagen wir es so: Es ist für Nissan das, was Lexus für Toyota ist - die teurere und höherwertige Zweitmarke. Gegen die etablierte deutsche Premium-Konkurrenz tritt man nun mit einer Stufenheck-Limousine in Audi-A4-Größe an.

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          Ursprünglich waren die Autos mit den vier I im Namen - auf dessen Nähe zur Unendlichkeit kann sich jeder seinen eigenen Reim machen - für Amerika gedacht, wo Nissan als solider, aber keinesfalls für Luxus stehender Hersteller bekannt ist. Und wie die Konkurrenten aus dem Programm von Lexus haben sie dort gut Fuß gefasst. Jetzt kommen sie nach Europa, und auch Deutschland ist im Visier der Marktstrategen. Momentan gibt es hier allerdings noch weniger Händler als Finger an einer Hand, und mehr als das Äquivalent dreier Hände wird es hierzulande auch nicht werden.

          Keine Sorge, verehrter Infiniti-Kunde von morgen: Für die Inspektion wird Ihr Wagen drei Jahre lang unentgeltlich abgeholt und zurückgebracht. Derlei Bonbons allein dürften aber kaum genügen, um gegen die etablierte deutsche Premium-Konkurrenz anzukommen. Das müssen vor allem die Autos selbst schaffen. Und der G37, eine Stufenheck-Limousine in Audi-A4-Größe, versucht es auf seine Weise.

          Autos wie ihn gibt es heute kaum noch, und das ist der stärkste seiner Reize. Während motorseitig überall Downsizing, Verkleinerung angesagt ist, schöpft er aus dem Vollen. Hubraum statt Turbolader, heißt die Devise, und die Zahlen sprechen Bände: Die 235 kW (320 PS) seines V-Sechszylindermotors mit 3,7 Liter Hubraum und Euro-5-Abgasreinigung - den man außer im Infiniti-Programm auch im Nissan 370 Z antrifft - gibt es erst bei 7000 Umdrehungen je Minute, und für die 360 Newtonmeter Drehmoment braucht es 5200. Dass der Drehzahlmesser erst bei 7500/min Rot sieht, ist ein bisschen geprahlt: Das Sieben-Gang-Automatikgetriebe schaltet zwangsweise hoch, bevor diese Ziffer erreicht ist.

          Dass der Drehzahlmesser erst bei 7500/min rot sieht, ist ein bisschen geprahlt Bilderstrecke
          Dass der Drehzahlmesser erst bei 7500/min rot sieht, ist ein bisschen geprahlt :

          Doch man sieht schon, wen man hier vor sich hat - eine echte Sportlimousine. Und eine konsequente. Bevor wir in die Einzelheiten gehen, gestehen wir schon einmal im Flüsterton, dass dem Autor seit langer Zeit kein Auto so viel Spaß beim Fahren bereitet hat wie dieser politisch wenig korrekte G37x.

          Alles dran, alles drin

          Das x steht für die Allrad-Version des Modells, die 2250 Euro teurer ist als ihr hinterradgetriebenes Pendant (einschließlich der dort nur gegen Aufpreis erhältlichen Automatik). Dass der Testwagen bloß wegen der Metallic-Lackierung (850 Euro) noch mehr kostete als 50 840 Euro, spricht für die Serienausstattung der Version GT Premium: Alles dran, alles drin. Und zwar von einer Qualität, die den Namen Premium verdient.

          Standard sind zum Beispiel neben einem Geschwindigkeits- plus Abstandsregler eine Festplatten-Navigation mit berührungsempfindlichem Bildschirm, Spracheingabe, Rückfahrkamera und 10 Gigabyte Speicher, ein Bose-Klangsystem mit zehn Lautsprechern, Bluetooth auch für Audio-Streaming, schlüsselloser Zugang und Start, ein Multifunktionslenkrad, hübsch anzuschauendes Leder auf den Sitzen (die vorderen voll elektrisch einstellbar), Leichtmetallräder und eine Lackierung mit mehr Kratzfestigkeit als die übliche. In der Aufpreis-Liste stehen dann nur noch Schiebedach, Holz im Innenraum und ein Notrad anstelle des Reparatur-Sets. Eine weitere gute Nachricht: In welche Ecken man auch schaut, überall trifft man auf exzellente Verarbeitung.

          Danach geht das Vergnügen erst so richtig los

          Für den Wohlfühl-Effekt im G37x wäre also schon vor dem ersten Start gesorgt. Aber danach geht das Vergnügen erst so richtig los. Dieser Infiniti ist ein Tier, aber kein hässlich geiferndes, sondern eines, das in aller Schönheit beißt. Exempel gefällig? Von 50 auf 100 km/h mit Vollgas in 4,4 Sekunden. Aus dem Stand dorthin in 6,3 Sekunden. 244 km/h in der Spitze. Zu wenig? Nein, denn die Stärken des G37x liegen in der Beschleunigung, also genau dort, wo man es heute allenfalls noch benötigt und nutzen kann. Seine Drehzahlreserven sind kaum auszuschöpfen, aber auch aus niederen Touren reißt er bedingungslos an. Der bei Schlupf automatisch sich zuschaltende Vorderachsantrieb macht dabei aus dem normalerweise heckgetriebenen Auto einen Traktions-Riesen.

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