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Fahrtbericht Hyundai ix35 : Vom Geheimnis des Erfolgs der Koreaner

Bild: Hersteller

Hyundai und Kia sind etablierte Marken in Deutschland. Die Fahrzeuge überzeugen mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis und bleiben auch vom Design her nicht mehr hinter der Konkurrenz zurück. Das Hyundai-SUV ix35 ist das beste Beispiel für den Fortschritt.

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          Die Nachbarin hat ihren Toyota RAV 4 gegen einen neuen Hyundai ix35 getauscht, ein Kollege steht kurz vor dem Kauf des 2010 gestarteten Nachfolgers des Tucson. Das kann kein Zufall sein, und tatsächlich ist spürbar, dass Hyundai immer öfter auf den Einkaufszetteln landet, die Marke hat sich in Deutschland und Europa mehr als etabliert und wird schon beinahe wie selbstverständlich in Erwägung gezogen, wenn es ums neue Auto geht.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Man kann den Koreanern nur gratulieren. Innerhalb von 20 Jahren haben sie aus dem Nichts die japanischen Hersteller ein-, und heute kann man fast schon sagen: überholt. Sie (die Hyundai-Tochter Kia miteingeschlossen) bieten gute Produkte, dazu kommt das umfangreiche Garantieversprechen, deutsche Designer sorgen fürs modische Outfit, entwickelt wird zu großen Teilen in Europa. Und während die deutschen Hersteller immer öfter ihre Autos woanders bauen, bringen Hyundai und Kia Arbeitsplätze zumindest nach Europa. So werden der ix35 und andere koreanische Autos in Nosovice in Tschechien gebaut.

          Das SUV gehört mit seiner Länge von 4,41 Meter in die Schar der kompakten Allradler à la VW Tiguan, und weil das SUV-Segment seit Jahren durch die Decke geht (im ersten Quartal 2012 schon wieder ein zweistelliges Zulassungsplus), fällt Hyundai das Verkaufen um so leichter. So wundert es kaum, dass der ix35 zur Zeit der zweitbeliebteste Hyundai in Deutschland ist, nur der brandneue i30 verkauft sich noch besser. Mit mehr als 4400 Neuzulassungen im ersten Quartal 2012 liegt der Hyundai auf Rang 10 bei den SUV, das Schwestermodell Kia Sportage (welches das aufregendere Styling hat) kommt nur auf knapp 2600.

          Preise

          Überrascht hat uns, dass 73 Prozent der Kunden auf den Allradantrieb verzichten, knapp die Hälfte kauft einen Diesel. Für den von der Redaktion gefahrenen Zweiliter-Turbodiesel mit 100 kW (136 PS) beginnen die Preise bei 25.390 Euro, der Einstieg in die ix35-Welt ist sogar schon mit 20.690 Euro möglich. Dafür gibt es aber nur Frontantrieb und einen 1,6-Liter-Benziner mit Direkteinspritzung und 99 kW (135 PS).

          Wirklich billig sind auch die Hyundais nicht (mehr). Unser Wagen hatte als Style (28.690 Euro) einen Endpreis von 32730 Euro. Das Aufgeld erklärt sich durch das Navigationssystem (1720 Euro, mit Rückfahrkamera), das elektrische Glasdach (1100 Euro) sowie das „Plus-Paket“ mit Kleinigkeiten wie Tempomat, Regensensor oder Smart-Key-System mit Startknopf (und mehr, 1220 Euro). Kleines Ärgernis: Nur die Lackierung Creamy White kostet keinen Aufpreis, alle anderen Farben gibt es nur gegen 480 Euro extra.

          Ausstattung

          Andererseits ist der Hyundai schon von Haus aus sehr gut ausgestattet. Eigentlich ist alles dabei, sogar die Sitzheizung hinten. Aber warm wird es dort nur am Popo. Was es nicht gibt, sind modernste Techniken wie Abstandstempomat, Xenonlicht, Totwinkelassistent oder Fahrspurkontrolle. Start-Stopp ist nur für die beiden „blue“-Varianten mit 1,6 und 1,7 Liter Hubraum (Diesel) vorgesehen.

          Bedienung

          Bei „Style“ sind die Sitze mit Leder und Stoff bezogen, was recht propper aussieht, wobei die Hartplastiklandschaft, des Armaturenbretts eher gewöhnlich ist. Da sieht es in einem VW Tiguan schon vornehmer aus. Aber alle Bedienelemente sind gut zu erreichen, ein kleines Manko ist die winzige Anzeige der Uhrzeit auf dem Display des Navi-Monitors.

          Platzangebot

          Beim Raumangebot macht der Hyundai niemandem ein X für ein U vor. Es ist reichlich Platz, auch hinten, und dort sitzt selbst der Passagier in der Mitte einigermaßen erträglich. Sein Gurt kommt aus der Decke und muss doppelt gesteckt werden, der kleine Intelligenztest sorgt für Gesprächsstoff.

          Der Laderaum ist hinreichend groß, das Volumen beträgt 465 Liter. Die Ladefläche schließt bündig mit der Unterkante der Heckklappe; wenn die asymmetrisch geteilten Rücklehnen umgelegt werden, steigt das Volumen auf gut 1400 Liter, die Ladefläche ist 1,60 Meter lang und nur leicht ansteigend. Ein Extralob gibt es für das vollwertige Reserverad im Kofferraumboden, das ist heute selten geworden.

          Fahrverhalten

          Nicht mehr selten sind SUV mit personenwagenähnlichem Fahrkomfort. Dazu gehört der Hyundai eher nicht, er ist mehr ein Geländewagen alter Schule. Die Federung ist von rustikaler Art, die Seitenneigung in schnell gefahrenen Kurven erheblich. Doch sicher ist der ix35 schon, die leichte Tendenz zum Untersteuern schafft Vertrauen, er bleibt auch in kritischen Situationen gut beherrschbar, und wenn nichts mehr geht, hilft das ESP.

          Die Bremsen halten den Wagen gut im Zaum, wenn es sein muss. Die Antriebskraft wird variabel übertragen, eine elektromagnetische Mehrscheibenkupplung schickt in der Regel 100 Prozent der Kraft nach vorn. Geht dort Grip verloren, können bis zu 50 Prozent an die Hinterachse geschickt werden. Der Fahrer muss sich um nichts kümmern, er kann aber mit Knopfdruck die Kraftverteilung auf stets 50:50 festlegen. Fährt man aber schneller als 38 km/h, wird die Sperre aufgehoben.

          Lenkung

          Die Servolenkung ist eher lasch und wenig genau, der Wendekreis aber angenehm klein. Der Geradeauslauf bei hohem Autobahntempo ist tadellos, selbst bei der Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h.

          Geräusche

          Auch auf langen Fahrten kommt man mit dem ix35 gut zurecht, weil es im Innenraum stets relativ leise bleibt. Windgeräusche melden sich erst bei Topspeed. Doch so schnell fährt man in der Regel nicht.

          Verbrauch

          15,3 Liter auf 100 Kilometer benötigt der Hyundai dann, glaubt man dem Bordcomputer. Wir kamen im Schnitt mit 8,6 Liter aus, bei einer Bandbreite von 9,7 bis 6,0 Liter, als wir es aufs Sparen anlegten.

          Die Nachbarin hat den Zweiliter-Benziner gekauft mit 120 kW (163 PS) und schimpft über elf Liter im Schnitt. Doch für die „gesparten“ 2200 Euro kann man eine Weile tanken. Bei einer Fahrleistung von 10000 Kilometer im Jahr braucht man gut vier Jahre, um den Dieselmehrpreis zu amortisieren - ohne die höhere Steuer zu berücksichtigen.

          Motor

          Dank des hohen Drehmoments von 320 Newtonmeter (zu 194 Nm beim Zweiliter-Benziner) fühlt sich der nominal schwächere Zweiliter-Diesel viel kräftiger an, auch die Sprintqualitäten für unsere gefürchtete 50-auf-100-Übung in den großen Gängen sind sehr gut (siehe Kasten unten). Die sechs Gänge sind gut sortiert und lassen sich treffsicher einlegen, wir haben eine Automatik (1450 Euro) zu keiner Zeit vermisst. Beim Anfahren am Berg hilft ein Hillholder. Da kann man doch glatt auf das Ziehen der Handbremse (klassisch-mechanisch, welche Freude) verzichten.

          Fazit

          Und wo ist jetzt das Geheimnis der Koreaner? Es ist einfach: gute Autos, akzeptable Preise und fünf Jahre Garantie ohne Kilometerbegrenzung nebst kostenloser Wartung. Das wiegt bei manchem Kunden ganz schwer. Übrigens gibt es bei Kia sieben Jahre Garantie ...

          Nächste Woche: VW Beetle 2.0 TFSI

          Daten und Messwerte

          Empfohlener Preis 28.690 Euro
          Preis des Testwagens 32 730 Euro

          Vierzylinder-Dieselmotor, vier Ventile je Zylinder, Abgasturbolader, Ladeluftkühler, Hubraum 1995 Kubikzentimeter

          Leistung 100 kW (136 PS) bei 4000/min

          Höchstes Drehmoment 320 Nm bei 1800 bis 2500/min, 90 Prozent davon zwischen 1400 und 3250/min

          Manuelles Sechsganggetriebe

          Allradantrieb variabel

          Länge/Breite/Höhe 4,41/1,82/1,69 Meter

          Radstand 2,64, Wendekreis 10,6 Meter

          Leergewicht 1600, zulässiges Gesamtgewicht 2090, Anhängelast 1600 Kilogramm, Kofferraumvolumen 465 bis 1436 Liter

          Reifengröße 215/70 R 16

          Höchstgeschwindigkeit 180 km/h

          Von 0 auf 100 km/h in 11,3 s, von 50 auf 100 km/h im 4./5./6. Gang in 9,5/11,5/15,4 s

          Verbrauch 6,0 bis 9,7, im Durchschnitt

          8,6 Liter Diesel je 100 km; 147 g/km CO2 bei Normverbrauch von 5,5 Liter,

          Tankinhalt 58 Liter

          Versicherungs-Typkl. HP 20, VK 24, TK 25

          Garantie fünf Jahre ohne Kilometerbegrenzung bei unentgeltlicher Wartung

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