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Fahrtbericht Honda Jazz : Triumph der Schlauen über die Denkfaulen

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z., Hersteller

Mit einem Trick schafft es Honda bei seinem Kleinwagenmodell Jazz zu einem großen Kofferraum und wird durch seinen kleinen Wendekreis zum König der Stadt. Gewöhnungsbedürftig sind aber die billigen Oberflächen im Innenraum.

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          In der deutschen Polo-Corsa-Fabia-Fiesta-Szene spielt der Honda Jazz nur eine Nebenrolle: Platz 71 bei den Neuzulassungen im vergangenen Jahr, reichlich 11.000 Verkäufe. Dabei hätte der kleine Japaner einen Spitzenplatz verdient - wenn nur genug Leute wüssten, dass er einen Triumph der Schlauen über die Denkfaulen darstellt.

          Warum ist außer Honda noch niemand auf die Idee gekommen, den Tank von dort zu verbannen, wo er dem Kofferraum wertvollen Platz wegnimmt, und ihn unter die Vordersitze zu verlegen? Da stört er niemanden (außer wenn es ein bisschen näher am Ohr gluckert) und ist nicht weniger sicher untergebracht.

          Der Erfolg: ein 3,90-Meter Auto mit fast 430 Liter Gepäckraum und an die 1400, wenn man Rückbank und Lehne zu einer tadellos ebenen Ladefläche klappt. Zum Vergleich: Deutschlands Liebling VW Golf ist 30 Zentimeter länger und bringt es gerade mal auf 350 und 1305 Liter.

          Ein echter Allrounder

          Der Jazz kann aber noch mehr. Im Fond lässt sich nämlich die Sitzfläche gegen die Lehne hochklappen, und man hat dann hinter den Vordersitzen einen bis zu 67 Zentimeter tiefen Laderaum in voller Wagenbreite. Dort kann man sperrige Sachen durch die bis zum rechten Winkel aufschlagenden hinteren Türen hochkant verstauen.

          Schließlich ist auch der Kofferraumboden in verschiedenen Positionen zu fixieren. Ein allrounderes Auto gibt es in dieser Klasse nicht, und dass Honda bisher keinen Nachahmer gefunden hat, ist wohl dem NIH-Syndrom zuzuschreiben - Not Invented Here, wir machen nur das, was wir selbst erfunden haben.

          Dosenhalter gibt es mehr als Sitzplätze

          Der Jazz hat bei der Neuauflage rund fünf Zentimeter in Radstand und Länge sowie eine Kleinigkeit in der Breite gewonnen, ohne seine hübsche Form einzubüßen. Zwar sind als Nachteile des Kofferraums die recht hohe Ladekante nach innen zu verbuchen und die nicht weit genug aufschwingende Heckklappe, und nicht verschwiegen sei auch, dass ein Teil seines Volumens durch das Fehlen des Reserverads gewonnen wurde; ein Notrad ist gegen Aufpreis zu haben.

          Doch keinesfalls geht die Großzügigkeit des Gepäckabteils zu Lasten des Innenraums. Hier ist man vorn wie hinten überraschend bequem untergebracht, nachdem man - nicht minder überraschend - mühelos eingestiegen ist.

          Auf allen Plätzen gibt es einen Meter Kopfhöhe, und lange Menschen genießen sogar im Fond auskömmlichen Knieraum und gute Unterstützung für die Oberschenkel. Der Mittelplatz ist erwartungsgemäß weniger einladend, aber keine Zumutung. Eine Überfülle von Ablagen hält alle Reiseutensilien griffbereit, Dosen- und Flaschenhalter gibt es mehr als Sitzplätze.

          Luxuriös wirkt er nicht

          Der Fahrer blickt auf ein perfektes dauerbeleuchtetes Instrumentarium und auf kaum verwechselbare Bedienelemente, bemerkt erfreut, dass die Zusatzfensterchen an der vorderen Dachsäule wirklich zur besseren Übersichtlichkeit beitragen, und begrüßt, dass sich Bordcomputer und Radio direkt vom Lenkrad her befehligen lassen.

          Mit dem vielen glatten Kunststoff um sich herum muss er sich abfinden, luxuriös wirkt der Jazz hier wirklich nicht, aber beim Frühjahrsputz ist man wieder dankbar für Pflegeleichtigkeit. Die vorderen Sessel sind in Breite und Tiefe Oberklasse, das Lenkrad lässt sich in zwei Dimensionen einstellen.

          Es gibt sechs Airbags, aktive Kopfstützen vorn und im Fond zwei Isofix-Kindersitzhalterungen sowie für die Bordunterhaltung einen USB- und einen AUX-Eingang. Serienmäßig ist auch ein CD-Radio mit sechs Lautsprechern; ein mobiles, direkt im Fahrerblickfeld montiertes Navigationsgerät von Garmin bietet Honda für 508 Euro zum Einbau beim Händler an. Serienmäßig ist eine Klimaanlage, in den teureren Versionen eine Klimaautomatik, und das H4-Licht der Scheinwerfer leuchtet die Fahrbahn viel besser als erwartet aus.

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