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Fahrtbericht Honda Insight : Spannungsgeladen und doch unaufgeregt

  • -Aktualisiert am

Bild: Hersteller

Der Honda Insight setzt auf die Tugenden der Hybridtechnik und gibt sich alle Mühe, um mit geringem Verbrauch unterwegs zu sein. Nicht immer mit Erfolg, denn der Elektromotor unterstützt nur bei geringem Tempo effizient.

          4 Min.

          Der Hype um die Hybriden geht weiter. Wenn auch zurzeit das Elektroauto hoch im Kurs steht und alle Marken von AMG bis Mitsubishi in eine spannungsreiche Zukunft mit 400 Volt sehen: Fahren kann der vermeintlich umweltbewusste Kunde heute nur wenige Hybridmodelle, die zum Teil mit Strom betrieben werden.

          Der Insight von Honda hat zwar als „Mild Hybrid“ nur einen 10 kW (14 PS) starken Elektromotor als Helfer für den Vierzylinder-Benziner (65 kW/88 PS), das Duo soll allerdings so trefflich harmonieren, dass für 100 genormte Kilometer nur 4,6 Liter Superbenzin benötigt werden. Honda bietet den 4,40 Meter langen Schrägheckwagen zum Basispreis von 19.550 Euro an, was gegenüber dem Hauptkonkurrent Toyota Prius (24.950 Euro) beinahe ein Sonderangebot ist. Der ist allerdings ein Vollhybride, kann also zumindest auf kurzen Stecken rein elektrisch fahren.

          Der Insight wirkt rank und schlank. Die gestreckte Silhouette mit am Heck sanft abfallendem Dach macht einen fast eleganten Eindruck, die aggressiv gestaltete Front mit zweifarbigem Stoßfänger und böse blitzenden Klarglasscheinwerfern fügt sich nicht in dieses Bild.

          Die Karosserie verspricht ein gutes Raumangebot - und hält das Versprechen. Zwar herrscht im Interieur eine Atmosphäre zwischen nüchterner Plastikwelt und harmonieheischender Formensprache, an manchen Ecken sieht der Insight aber einfach billig aus. Grau und weniger grau ist die Farbgebung, die Sitze können die Stimmung nicht aufhellen. Aber wie gesagt, auf allen Plätzen wird ordentlich Raum geboten. Die Fondpassagiere können rein gar nichts bemängeln, wenn sie sich zu zweit die Rückbank teilen, das Ein- und Aussteigen gelingt mühelos.

          Der Fahrer findet sich an seinem Arbeitsplatz gut zurecht. Die digitale Tempoanzeige thront auf dem Armaturenbrett und liegt separat oberhalb des Lenkradkranzes. Der Drehzahlmesser sowie die Anzeigen für Spritvorrat und Bremsenergierückgewinnung leuchten in sanftem Blau am angestammten Platz. Das verwirrt zunächst und ist nicht immer auf den ersten Blick zu erfassen, zumal die Lenkradnabe mit einer ganzen Reihe von Fernbedienungsknöpfchen für Bordcomputer, Telefon (Sonderausstattung), Audio und Temporegelanlage überfrachtet ist.

          Der Bordcomputer gibt sich redlich Mühe, die Verbrauchsökonomie darzustellen. Zügelt der Fahrer seinen rechten Fuß, so wachsen im LCD-Display allmählich fünf Pflänzchen heran, werden größer, bekommen Blätter und verlieren sie wieder, wenn ein energiezehrender Zwischenspurt unternommen wird. Wahlweise zeigt der Eco-Assistent - so nennt Honda das integrierte Fahrer-Schulungsprogramm des Insight - die Verbrauchswerte der fünf vorherigen Fahrten in einer Balkengrafik.

          Und der Lerneffekt stellt sich tatsächlich ein: Wer will schon auf der aktuellen Reise weniger sparsam unterwegs sein als bei der vorigen. Nach Fahrtende wird Bilanz gezogen, und wer sich viel Mühe gibt, bekommt irgendwann das Prädikat Eco-Champion samt dargestelltem Lorbeerkranz. Und wen das alles zu sehr an die elektronischen Tamagochi-Spielzeuge erinnert, kann den Eco-Assistenten auf Knopfdruck abschalten.

          Überholvorgänge sollten geplant sein

          Ausgestattet mit einem stufenlosen Automatikgetriebe, ist das Fahrvergnügen im Honda-Hybriden allerdings tatsächlich vor allem auf Treibstoffökonomie ausgelegt. Wer es eilig hat und jenseits der Marke von 100 km/h noch Gas gibt, wird enttäuscht. Denn der unterstützende Elektromotor spielt sein Drehmoment bei geringerem Tempo viel besser aus.

          Aus dem Stand zieht der Insight anständig davon, dennoch sind die gemessenen 12,5 Sekunden für die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h allenfalls Durchschnitt. Im normalen Getriebemodus dreht der 1,3-Liter-Vierzylinder bei voller Beschleunigung bis 6000 Umdrehungen in der Minute hoch, die Ziffern des digitalen Tachos tröpfeln dennoch mit dem Langmut eines undichten Wasserhahns über die Anzeige. Etwaige Überholvorgänge auf der Landstraße wollen deshalb umsichtig geplant werden.

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