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Fahrtbericht Honda Accord : Ein guter Name verliert sich nicht

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z., Hersteller

Hondas Accord hat eine große Tradition: Derzeit ist die achte Auflage seit 1976 auf dem Markt. Damals war er kürzer als ein heutiger VW Golf. Heute ist er fast so lang wie ein VW Passat.

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          Japanische Mittelklassewagen gelten seit jeher als langweilig - zumindest mit ihrem Design. Ausbruchversuche waren nicht immer erfolgreich: Nissans inzwischen nicht mehr angebotener, letzter Primera war mit seinem leicht skurrilen Styling hierzulande ein Flop, Mazda dagegen konnte Punkte sammeln mit dem schwungvoll renovierten Modell 6.

          Und Honda? Der Accord siebter Generation aus dem Jahr 2002 war nett anzuschauen, aber alles andere als auffallend. Und wer erwartet hatte, sein Nachfolger - seit Juni 2008 auf dem Markt - würde ein ähnlicher Hingucker werden wie der aktuelle kleine Bruder Civic, hat den Mut des zweitgrößten japanischen Autoherstellers wohl überschätzt.

          Honda blieb bei ruhigen, klaren Linien, setzte ein paar markantere Kanten, machte aus dem Kühlergrill trendgemäß ein chromglitzerndes Breitmaul und vertraute im Übrigen darauf, dass für die Mittelklasse-Kundschaft innere Werte mehr zählen als eine laute Formensprache.

          Untersteuern bei Nässe

          An Harmonie hat der neue Accord zweifellos gewonnen. Aber die deutschen Konkurrenten, an denen er sich misst, sind ihm noch mehr als eine Nasenlänge voraus. In puncto Federungskomfort kann er ihnen zwar das Wasser reichen: Wie sie ist er straff abgestimmt - manche werden ihn gar als hart empfinden -, und außer einer gewissen Poltrigkeit lässt er sich nichts Negatives nachsagen. Beim Kurvenverhalten indes fällt er zurück. Besonders auf Nässe untersteuert er stärker als heute gewohnt, und wenn es der Fahrer übertreibt, wird am Ende sogar das Heck ein wenig unruhig.

          Die gefühlige Lenkung leistet dann kompetent Soforthilfe (weniger überzeugt sie mit ihren fast 12 Metern Wendekreis), das ESP, natürlich serienmäßig, mischt sich erst ziemlich spät und immer noch sanft ein. Und schließlich die Bremsen: In allen Einzelkriterien tadellos, auch standfest - aber die Anhaltewege sind zu lang. Hier sind noch Verbesserungen fällig, wenn man den deutschen Wettbewerbern erfolgreich entgegentreten will.

          Passive Sicherheit auf aktuellem Niveau

          Löblich, doch für die meisten Käufer ohne Belang ist das serienmäßige Anhänger-Stabilisierungsprogramm, die passive Sicherheit ist mit sechs Airbags und aktiven Kopfstützen vorn auf aktuellem Niveau.

          Was Honda darüber hinaus anzubieten hat, ist in einem "Advanced Safety Paket" für 2450 Euro zusammengefasst: ein adaptiver Geschwindigkeitsregler, der den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug automatisch einhält, ein Kollisionsbremssystem als Nothilfe für unaufmerksame Fahrer und ein Spurhalteassistent, der die weißen Fahrbahnmarkierungen beobachtet und Alarm schlägt, wenn sie ignoriert werden. Dieses möglicherweise lebensrettende Trio hält Honda im Moment nur für den Accord mit Diesel- und 2,4-Liter-Benzinmotor bereit und auch hier allein für die höchste Ausstattungsstufe Executive. Unser Wagen, zwar ein Executive, aber ein Zwei-Liter-Benziner, musste darauf verzichten.

          Fond nicht sehr bequem

          Die Stufenheck-Limousine (daneben gibt es den Kombi namens Tourer) hat gegenüber ihrer Vorgängerin ein Stück in der Breite und rund sechs Zentimeter in der Länge zugelegt. Mit 4,73 Meter ist sie kein kleines Auto und damit eigentlich voll familientauglich. Das stimmt auch, wenn man nicht gerade mit fünf Erwachsenen und mehrwöchigem Reisegepäck kalkuliert: Denn auf der Rückbank haben zwar drei Personen nebeneinander unbeengt Platz, doch der Knieraum ist nicht üppig und der Abstand der Sitze vom Boden zu knapp, um bequemen Aufenthalt zu sichern.

          Vorn hat man den besseren Teil erwählt, auch wenn man höher als der Durchschnitt gewachsen ist; trotz des serienmäßigen Schiebedachs reicht dann sogar die Kopffreiheit aus. Hinten steigt man weniger umständlich ein als (wegen der schrägen Dachsäule) vorn, doch der Fußraum ist unerwartet eng.

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