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Fahrtbericht : Für Menschen, die Inhalt und nicht Image kaufen

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Gipfelstürmer

Großzügig sind die Platzverhältnisse, die Bank hinten ist 135 Zentimeter breit, es mangelt aber etwas an Kniefreiheit. Die Tür im Heck schwingt leicht nach oben, sie wird automatisch getragen, die Türscheibe kann man separat öffnen. In der Höhe mißt die Ladeöffnung knapp 90 und in der Breite etwa 95 Zentimeter. Die Ladekante liegt 81 Zentimeter über dem Boden, es gibt sehr stabile Zurrösen und ein kräftiges Netz zum Sichern des Gepäcks. Bleibt die im Verhältnis ein zu zwei Drittel geteilte Rückbank unangetastet, mißt der Kofferraum in der Tiefe 90 und in der Breite 112 Zentimeter. Die hintere Sitzfläche ist ebenfalls geteilt, mit zwei Handgriffen nach vorn geklappt dient sie als Schutz gegen das Rutschen des Transportguts nach vorn. Die Ladetiefe kann bis zu 150 Zentimeter betragen, die Nutzlast von 522 Kilogramm ist ausreichend.

Der Vierzylinder-Diesel hat sich redlich bemüht, aber mit dem 2.078 Kilo schweren Sorento hatte er kein leichtes Spiel. Das merkt der Fahrer zwar auf der Straße kaum, im Gelände aber deutlich. Höchstgeschwindigkeit, Beschleunigung und Stehvermögen an der langen Steigung sind gut, einmal in Schwung schnurrt der Sorento mit ruhigem, sonorem Motorton sehr komfortabel dahin, lange Strecken werden in ihm gern akzeptiert. Jenseits von Asphalt bietet der permanente Allradantrieb mit der Möglichkeit einer leistungssteigernden Untersetzung (Low-Stellung mit einem Drehschalter zu wählen) sehr gute Traktion. Der Sorento wühlt sich durch Schnee und Schlamm, als sei er ein Hochgebirgler: Wir hatten grobstollige Reifen montiert, sie sind hierfür eine gute Voraussetzung. Weil es dem Motor beim Anfahren aber an Drehmoment mangelt, gibt man meist zuviel Gas, optimale Traktion wird dadurch verhindert. Günstiger für das Gelände ist die Automatik, man hat hier immer Kraftschluß, die manuelle Schaltung ist zwar leichtgängig, arbeitet aber mit langen Wegen, und bei wirklich schnellem Wechseln der Gänge ergeben sich unerwartete Hakeleien. Die Bremsen zeigten sich der Dynamik des Sorento gewachsen, auf Strapazen im Gelände antworteten sie mit leichtem Nachlassen und heftigen Gerüchen.

Mangel an Noblesse ist hinzunehem

Am besten ist es, wenn man im Sorento von vornherein auf Kurvenhatzen verzichtet. Daß er kein Sportwagen sein will, sieht man ihm an, in engen und schnellen Kurven neigt sich die Karosserie nach außen, auf Bodenwellen gerät sie in leichtes Schaukeln, und schlechte Wegstrecken bringen die präzise geführte, aber starr konzipierte Hinterachse an die Grenzen ihrer Möglichkeiten. Harte Stöße und harsches Versetzen lassen sich freilich durch behutsameren Umgang mit dem Kia Sorento vermeiden. Sein Geradeauslauf ist untadelig, die Empfindlichkeit auf Seitenwind gering, gute Straßen initiieren exzellenten Federungskomfort. Weil auch die Windgeräusche der Karosserie gering sind, der Motor bei 140 km/h nur nuschelt und der Fahrer im Sitz schön kuschelt, sind lange Strecken im Kia Sorento angenehme Übungen.

Kia kennt offensichtlich die Voraussetzungen für dicken Erfolg in mageren Zeiten. Immer mehr Kunden kaufen nicht nach Image, sondern wegen des Inhalts, und sie nehmen ganz bewußt in Kauf, daß es einem Produkt wie dem Sorento an der ultimativen Raffinesse bei Namen und Noblesse mangelt. Seit der ersten Gehaltsabrechnung des neuen Jahres haben wir dafür Verständnis. Hoffentlich greift Gerd die Anregung mit der Sondersteuer nicht auf.

Daten und Meßwerte

Empfohlener Preis 26.970 Euro
Preis des Testwagens 28.240 Euro

Vierzylinder-Dieselmotor, vier Ventile je Zylinder, 2.497 Kubikzentimeter
Hubraum

Leistung 103 kW (140 PS) bei 3.800/min

Höchstes Drehmoment 314 Nm bei 2.000/min, 90 Prozent davon ab 1.600 bis
3.100/min

Erfüllt Euro 3

Manuelles Fünfganggetriebe

Permanenter Allradantrieb mit automatisch-variabler Kraftverteilung

Länge/Breite/Höhe 4,57/1,86/1,81Meter

Radstand 2,71, Wendekreis 12 Meter

Leergewicht 2.056 (tatsächlich 2.078), zulässiges Gesamtgewicht 2.600,

Anhängelast 2.800 Kilogramm; Kofferraumvolumen 441 bis 1.751 Liter

Reifengröße 225/75 R 16

Höchstgeschwindigkeit 173 km/h

Von 0 auf 100 km/h in 14,4 s, von 50 auf 100 km/h im 4./5. Gang in
12,9/20,6 s

Verbrauch 7,6 bis 11,6, im Durchschnitt 9,7 Liter Diesel je 100 km;
Tankinhalt 80 Liter

Versicherungs-Typkl. HP 24, TK 34, VK 24

Kosten je km (20.000 km/Jahr) 0,41Euro

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