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Fahrtbericht Ford Focus Turnier : Verspricht mehr, als er halten kann

  • -Aktualisiert am

So gibt es im neuen Ford Focus weniger Hubraum, als in einen Maßkrug passt Bild: Hersteller

Der neue Dreizylindermotor ist ein kleiner Athlet. Aber er müsste noch genügsamer sein. Dennoch lohnt sich ein näherer Blick auf den kompakten Kombi. Mit der Farbwahl sollte man vorsichtig sein.

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          Nichts geht über Hubraum, es sei denn noch mehr Hubraum: Die alten Sprüche wirken mittlerweile kraftlos, das dunkle Grollen eines V8 klingt wie eine Parole der Unmäßigkeit, und das sanfte Schnurren eines Reihensechsers ist ein so lustvolles wie konsumfreudiges und deshalb verabscheuungswürdiges Versprechen aus der Vergangenheit des Autos. Die technische Gegenwart räumt auf unter den Helden von einst, sie setzt neue Maßstäbe, die dem Geizen mit Kraftstoff entsprungen sind. So gibt es im neuen Ford Focus weniger Hubraum, als in einen Maßkrug passt, das Motörchen kommt mit drei Töpfchen aus. Seltsame Dinge ereignen sich unter deutschen Motorhauben.

          Drei Karosserievarianten gibt es vom noch leidlich neuen Focus. Zwei davon kommen mit großer Heckklappe, doch nur der Turnier hat wirkliche Kombiqualitäten. Das Schrägheck-Modell wird als „Limousine, 5-türig“ geführt, der Turnier (Kombi) kostet jeweils 800 Euro mehr (einst köderte man die Kunden mit dem gleichen Tarif für alle Formen). Der Focus Stufenheck kostet durchweg 300 Euro weniger als der Turnier.

          In der hochmodernen 1.0 l EcoBoost-Variante kommt der Turnier mit der ausreichenden Basisausstattung Ambiente auf mindestens 18 850 Euro. Dafür gibt es bescheiden anmutende 74 kW (100 PS). Der kleine Dreizylinder wird wahlweise mit 92 kW (125 PS) geliefert, dann kostet er in Verbindung mit der mittleren Ausstattungsstufe Trend immerhin schon 21 500 Euro. Die von uns jetzt bewegte 74-kW-Version mit dem noblen Titanium-Label fordert happige 22 850 Euro, und dennoch ist auf den ersten Blick ein motorischer Schmalhans der Küchenmeister. In der gleichen Preisregion wird als Alternative zur Magerkost eine konventionelle Antriebsvariante offeriert, die mit einem 1,6-Liter-Vierzylinder (77 kW/105 PS) und einem Titanium-Preis von 22 650 Euro aufwartet. Sie kommt allerdings auf einen deutlich höheren Normverbrauch von sechs Liter auf 100 Kilometer, während sich der geprüfte Dreizylinder-Focus im vorgeschriebenen und realitätsfernen Fahrzyklus mit 4,9 Liter Superbenzin begnügt. Diese Angabe war, wie nicht anders zu erwarten, bei unseren intensiven Fahrten nicht als Durchschnittswert zu erreichen: Der signalisierte nach rund 2000 Kilometer, die sich zu etwa gleichen Teilen auf Stadt, Land und Autobahn verteilten, eher enttäuschende 7,3 Liter. Das können in dieser Leistungsklasse jeder Diesel und etliche Benziner besser. Allerdings wurde während unserer Routine-Sparfahrt ein durchaus realistischer Minimalverbrauch von 4,8 Liter verzeichnet, der den Fahrer in den Mittelpunkt der Knauserbemühungen rückt. Er muss sein Temperament zügeln, die Spartaste im Kopf gedrückt halten, früh hochschalten, sorgsam beschleunigen, vorausschauend fahren und das Spitzentempo vermeiden. Selbst das Maximum von 8,3 Liter nach überaus zügiger Autobahnfahrt kann freudig akzeptiert werden. Ein hoher Anteil von Kurzstreckenverkehr, wie er aber typisch ist für einen Focus Turnier in den Händen einer mobilen Familie, treibt im Alltag den Verbrauch in die Höhe. Dennoch bleibt die Frage nach dem Sinn des Hightech-Aufwands mit neu konstruiertem Dreizylinder-Vierventilmotor, mit Direkteinspritzung, komplizierter Turboaufladung samt Ladeluftkühlung und Start-Stopp-System.

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