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Fahrtbericht Ford Focus Econetic : Mit sanftem Streicheln gegen den Durst

  • -Aktualisiert am

Gibt den Geschmeidigen: Der Ford Focus Econetic Bild: Hersteller

Die Tugend der Verbrauchsoptimierung heißt bei Ford „Econetic“. Damit erreicht der viertürige Focus sehr gesittete Trinkmanieren. An der Tankstelle soll die 80 kW starke Econetic-Version leisetreten. Langweilig wird er deshalb nicht.

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          Der Ford Focus gibt den Geschmeidigen. Mit seiner sanften, wenig atemraubenden, aber keineswegs beliebigen Form ist er im Alltag eher unauffällig unterwegs. Vor allem an der Tankstelle soll die 80 kW (109 PS) starke Econetic-Version leisetreten. Die pflegenden Maßnahmen bringen einen Minderverbrauch von 0,2 Liter je 100 km, verglichen mit der gleichstarken, herkömmlichen Ausgabe des Focus. Dem gegenüber steht ein Mehrpreis von 500 Euro, 21.000 Euro verlangt Ford für die Spritsparvariante. Um das herauszuholen, muss man aber weit mehr als 100.000 Kilometer zurücklegen. Doch das sollte nicht vom Kauf abhalten, denn die Grundidee ist gut für das Gewissen, und die Zeit zum Zeichensetzen ist längst gekommen.

          Die technischen Maßnahmen zur Verbrauchsreduzierung sind übersichtlich und betreffen in erster Linie die Verringerung der Fahrwiderstände. Das leichte Absenken der Karosserie ergibt eine geringere Stirnfläche und einen niedrigeren Luftwiderstand. Leichtlaufreifen, dünnflüssigeres Getriebeöl und eine Optimierung der elektrohydraulischen Servolenkung tragen zur Verbrauchsreduzierung bei, unterstützt von einem geänderten Kennfeld der elektronischen Motorsteuerung.

          0,2 Sekunden weniger als der 1,6-Liter-TDCi

          Den ursprünglichen Charakter der Maschine tasten all diese Maßnahmen nicht an, daher steht der Econetic-Focus bei den Fahrleistungen seinem herkömmlichen Pendant in nichts nach. Im Gegenteil, den Sprint von 0 auf 100 km/h absolviert er in 10,9 Sekunden, das sind 0,2 Sekunden weniger als der 1,6-Liter-TDCi. Der Vierzylinder dieselt dabei mit nur geringer Geräuschentwicklung los.

          Minderverbrauch von 0,2 Liter je 100 km, verglichen mit der herkömmlichen Ausgabe des Focus Bilderstrecke

          Trotz des angestrebten Knausertums sind Reste klingender Kraft anwesend, es gibt immerhin 240 Newtonmeter Drehmoment bei 1750 Umdrehungen in der Minute. Die mit 191 km/h angegebene Höchstgeschwindigkeit übertrifft die des bisherigen Serienmodells um immerhin drei km/h, was jedoch für die Idee des ökonomischeren Betriebs eine untergeordnete Rolle spielt.

          Wer die Motordrehzahl im Keller hält, kann den Spareffekt ausspielen

          Das Bekenntnis zum Konsumverzicht ist die grundlegende Aussage, und der Focus tut sein Möglichstes, den Fahrer dabei zu unterstützen. Knapp 2000/min dreht der Selbstzünder, wenn der Spar-Ford im fünften Gang mit 100 km/h über die Landstraße gleitet, im Stadtverkehr fällt das Drehzahlniveau aber auf weniger als 1000/min, und da verliert der Diesel drastisch an Laufkultur. Er rüttelt und schüttelt und bringt bei der Elastizitätsprüfung die Beschleunigung von 50 auf 100 km/h nur mit Mühe hinter sich. Verwertbare Leistung steht erst bei knapp 1800 Touren bereit, die aber setzt dann ebenso sanft wie nachhaltig ein.

          Das wiederum steht dem Spargedanken entgegen. Denn um den Diesel bei Laune zu halten, lässt ihn der Chauffeur gern im Drehzahlbereich zwischen 2000 und 3000/min agieren, und in diesen Regionen nützt kein Leichtlauföl und schlanker Pneu, dann genehmigt sich die Maschine kaum weniger als 4,6 Liter Diesel für 100 Kilometer. Wenn es zügig dahingehen soll, sind es gar mehr als sieben Liter. Der Durchschnittsverbrauch von 5,8 Liter auf der Standardstrecke im Praxisbetrieb ist keineswegs mustergültig, nur wer die Motordrehzahl mit extrem frühem Hochschalten im Keller hält und die damit einhergehenden Verluste an Laufruhe in Kauf nimmt, kann den Spareffekt ausspielen. Der Tankinhalt von 53 Liter ermöglicht gute Reichweiten, das Tanken ist dank des Easyfuel-Systems von Ford einfach: Es gibt keine Verschlusskappe, der Lauf der Zapfpistole öffnet beim sachten Druck die Klappe im Tankstutzen automatisch.

          Sitzkomfort erreicht den Klassenstandard nur mit Mühe

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