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Fahrtbericht Ford Fiesta Titanium : Muss denn Schönheit immer Sünde sein?

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z., Hersteller

Die Ablösung kommt noch zur rechten Zeit: Der Ford Fiesta war auf dem Weg zum alten Eisen. Dagegen glänzt der neue Ford Fiesta Titanium wie Gold. Ein paar matte Stellen gehören wohl dazu.

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          Werden unsere Autos wieder schöner? Und wie schön sollen unsere Autos noch werden? Fragen, die beim CLS von Mercedes-Benz noch in den Kreisen geschmeidiger Pensionäre elitär erörtert werden konnten, wurden zum Gesprächsthema ästhetisch engagierter Förderpumpenvertreter mit dem VW Passat CC, und jetzt geraten sich die Mütter vor dem Kindergarten in die Frisur: Der Ford Fiesta war schon immer der Liebling der Muttis, und die werden jetzt in Versuchung geführt, sich mit dem rheinischen Schönling zu schmücken wie einst im Mai mit Kölnisch Wasser.

          Tatsächlich sind auch Kenner der Kölner Autoszene verunsichert. Was geht da vor auf den schmucklosen Bohnerwachsgängen der deutschen Ford-Zentrale, die manchen Winkel kannte, in dem es sich ruhig bis zur Pensionierung ausharren ließ, wenn einen nicht vorher die Staublunge niedergeworfen hatte? Oder haben sich die einstigen Sonderwesen wie Scorpio, Sierra XR4i und Capri zur allgemein gültigen Population entwickelt? Kann es sein, dass man nach dem körperlich doch aus dem Ruder gelaufenen Mondeo nun zur richtigen Dimensionierung gefunden hat? Schluss jetzt mit den Fragen. Lassen wir den neuen Ford Fiesta antworten.

          Schöner war noch kein Ford zuvor

          Wir glauben: Präsenter und schöner war noch kein Ford zuvor. Der Fiesta des Jahrgangs 2008 ist Ergebnis eines Denkens, wie man es bei Ford bisher wohl angestellt, doch noch nie umgesetzt hatte. Jetzt nimmt man den Kunden nicht nur als Käufer, sondern als Partner mit einem Anspruch auf Schönheit wahr. Das zeigt der neue Fiesta vor allem außen. Sein Design ist jenseits von Ford: Damit pfeilt er sich mitten hinein in den Kessel der bunten Wünsche.

          Und wohl auch in die Herzen einer jungen Klientel, für die der Auftritt das wichtigste Kriterium bei der Kaufentscheidung ist. Das kann man mögen, aber auch der Designliebhaber hat ein Recht auf automobile Tauglichkeit im Alltag. Und damit ist es beim Ford Fiesta nicht immer zum Besten bestellt.

          Würdiger Einstieg dank weit öffnender Türen

          Die vier Türen (Aufpreis gegenüber dem Zweitürer 750 Euro) öffnen weit und sorgen für würdigen Einstieg. Im Innenraum mit gutem Platzangebot und bequemen, schön konturierten Sitzen stimmt zwar die Design-Philosophie der Verjüngung von Farben und Formen, aber bei dem von uns gefahrenen Exemplar blieben dort etliche Wünsche unerfüllt.

          Man hatte uns zwar die glühende Titanium-Version (in der schwülen Lackierung Hot Magenta) überlassen, aber wenn es um die Materialanmutung geht, müsste Ford zum Beispiel beim Mittelteil des Armaturenträgers, dem Handschuhkasten oder den Ablagefächern in den Türen rasch nachlegen. Da klingt die einstige Sparmentalität noch mitunter hohl durch. Und manche Kante könnten wir uns auch sauberer verarbeitet vorstellen.

          Das Bemühen um jugendliche Forschheit bei der Gestaltung von Instrumenten, Tasten und Hebeln kann man mit den Händen fassen, aber man greift oder tappt häufig ins Leere. Etliche Tasten auf der displayähnlichen Anordnung der Mittelkonsole sind viel zu klein geraten, das gilt auch für die Drehschalter der Scheinwerfer links vom Lenkrad. In diesem sind mehrere Funktionen untergebracht, deren Druckknöpfe den dicken Fingern des ausgewachsenen Mannes und den lackierten Nägeln des Topmodels, mit dem er verheiratet ist, hinhaltenden Widerstand leisten. Zufrieden kann man mit der Menge und der Dimensionierung der Ablagen sein.

          Nach hinten zu wenig Sicht

          Die Instrumente könnten größer sein (besonders die Tankanzeige), die Mittelkonsole im Design einer Spielewelt für Zehnjährige macht sich mit Metallic-Rähmchen rundum zu wichtig, und der Blick vom Fahrersitz aus bringt wenig Informationen zum rückwärtigen Verkehrsgeschehen.

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