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Fahrtbericht Fiat Stilo Multi Wagon : Aus Italien für die deutschen Momente im Leben

  • -Aktualisiert am

Bild: Hersteller

Mit dem Fiat Stilo Multi Wagon hat Fiat kein typisch italienisches Auto gebaut, sondern richtet sich eher nach deutschen Werten wie Ladevolumen und Komfort. Dies nimmt dem Auto das „Freudewagen“-Image.

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          Ein überzeugender Kombi mit den Werten nach innen Freude am Detail, teutonische Qualität und ganz ohne "amore" ischen Details für den Alltag als Nachfolger der Ritmo, Tipo und Brava/Bravo verkauft werden sollten. Außerdem hatten die Marketingstrategen nicht daran gedacht, die Kunden auf den Preis vorzubereiten. In ihrem Bemühen, ein Höchstmaß an Fortschritt und Komfort in ihr neues Flaggschiff zu packen, hatten die Turiner Strategen ein bißchen spät mit dem Rechnen begonnen. Da sind dann Preise herausgekommen, die auch Menschen in Verlegenheit brachten, die sich längst an die Tarife des VW Golf gewöhnt hatten. Man hatte vergessen: Ein Fiat kann noch so wohltönend ausstaffiert sein, er muß im Markt billiger sein. Der deutsche Mensch erwartet das, und nichts ist schlimmer, als ihn in seinen Erwartungen zu enttäuschen.

          Nach den Stilo-Versionen mit zwei oder vier Türen ist der Multi Wagon (vulgo: Kombi) die dritte Variante. Aber er ist mehr als lediglich eine weitere Ableitung, er wirkt fast schon wie ein eigenständiges Auto. Das wurde erreicht mit einer um etwa 26 Zentimeter längeren Karosserie und einem steil und kräftig aufragenden Heck. Die Höhe ist praktisch unverändert geblieben, wegen der serienmäßigen Dachgalerie reckt sich der Multi Wagon um zusätzliche vier Zentimeter nach oben. Durch das Längenwachstum läuft der Stilo optisch besser, er findet mit dem deutlich längeren Überhang hinten einen schönen Abschluß und hört nicht einfach nur auf. Im Vergleich zur viertürigen Limousine ist der Multi Wagon 800 Euro teurer, das ist gut angelegtes Geld.Die Motorenauswahl ist geringer als bei der Limousine, man kann sich für einen von je zwei Otto- und Dieselmotoren entscheiden. Nicht jedes Triebwerk ist mit jeder der drei Ausstattungsvarianten zu kombinieren.

          Auftritt als Kombi

          Der scharf gepreisten und keineswegs unattraktiven Einstiegsversion für 16.500 Euro mangelt es am ESP, man kann es für 550 Euro separat kaufen. Der von uns bewegte Multi Wagon Dynamic ist am besten ausgestattet, er führt zum Beispiel eine manuell zu justierende Klimaanlage mit sich, die sonst mit 1.100 Euro zu bezahlen ist. Das Studium der Varianten und Aufpreislisten ist durchaus lohnend. Der direkte Konkurrent zum Fiat Stilo Multi Wagon mit dem starken 1,9-Liter-Selbstzünder ist der Peugeot 307 SW. Vergleichbar ist der SW Prémium HDi FAP 110 mit Zweiliter-Diesel und 79 kW (107 PS) für 22.600 Euro, allerdings mit Partikelfilter. Die interessantesten Extras für den Stilo Multi Wagon sind das 900 Euro kostende Lamellen-Schiebedach und das Navigationssystem, das ohne TFT-Display und ohne Spracherkennung 2.090 und sonst 2.550 Euro kostet. Diese Aufpreise sind üppig geraten, aber man fährt damit an der Spitze der Bewegung.

          Auch wenn dieser Stilo als Multi Wagon auftritt, ist er ein Kombi. Und da geht es um die Lust am Laden. Das voluminöse Heck enttäuscht nicht: Die mit einer separat zu öffnenden Scheibe (praktisch zum restlosen Auffüllen des Laderaums) versehene Heckklappe öffnet sich nach dem Druck auf eine Taste, die im Klappengriff sitzt. Es wird Stehhöhe geboten, und die Öffnung ist respektabel. Unten gibt es 112 Zentimeter, oben 91 in der Breite, in der Höhe sind es 90 Zentimeter. Dahinter liegt ein großer Raum des variablen Ladens. Denn die im Verhältnis ein zu zwei Drittel geteilte Rücksitzbank ist in Längsrichtung um bis zu 16 Zentimeter zu verschieben. Wenn die Sitze der ersten Reihe nun etwas nach vorn rücken, ist die Rückbank auch für drei Figuren noch ein angenehmer Aufenthaltsort. Wird die hintere Bank umgeklappt, entsteht allerdings eine Stufe im Ladeabteil, ein Zwischenraum wird mit einem Stück Teppich zuverlässig abgedeckt. Bleibt die Bank in ihrer hintersten Position, dann hält der Laderaum eine Tiefe von 90 Zentimeter bereit, ist die Bank verschoben, werden es bis zu 106 Zentimeter. Ist die Bank geklappt, reicht die Ladetiefe bis zu den beiden vorderen Sitzen, das macht dann fast 1,70 Meter. Und lange, schmale Gegenstände bis zu 2,20 Meter schiebt man von hinten bis auf den zusammengefalteten Beifahrersitz durch.

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