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Fahrtbericht Fiat Sedici 1.9 Multijet : Mit munterer Form auf neuen Wegen

  • -Aktualisiert am

Verbindung eines Kompaktwagens mit einem Geländeauto Bild: Hersteller

Mit dem Sedici 1.9 Multijet bringt Fiat seinen ersten SUV. Der kompakte Allradler liefert eine ordentliche Portion Fahrvergnügen. Beim Fahrkomfort hapert es aber noch. Auch fehlen dem Sedici einige geschätzte Tugenden.

          Die 16 soll zur Glückszahl für Fiat werden. Nach dem fulminanten Start des Grande Punto im vorigen Jahr folgte umgehend der erste kompakte SUV der Marke, Fiat wagt sich mit dem Sedici (italienisch für 16) auf neues Terrain, das für den italienischen Hersteller ebenso unbekannt wie erfolgversprechend ist. Zwar hat man mit dem Panda 4×4, dem Arbeitsgerät der italienischen Bergbauern, in den achtziger Jahren einige Erfahrung im Allrad-Markt sammeln können, doch ist die Nachfrage des Jahres 2007 von ganz anderen Bedürfnissen geprägt. Aus der Verbindung eines Kompaktwagens mit einem Geländeauto erfüllt der Sedici die Forderung nach neuen formalen Lösungen. In Gestalt und Technik gleicht er weitgehend dem Suzuki SX4 und entsteht wie dieser im ungarischen Werk Esztergom der japanischen Marke. Antrieb und Karosserie stammen vom Kooperationspartner, für die Innenraum-Gestaltung und die Motoren trägt Fiat Sorge.

          Der Allradantrieb ist serienmäßig mit von der Partie, und zur Wahl stehen bei Fiat ein Benziner (79 kW/107 PS) sowie ein Dieselmotor. Die Version mit dem 88 kW (120 PS) starken Selbstzünder kostet genau 22.000 Euro und ist, zumindest was das Durchzugsvermögen betrifft, die bessere Wahl, um den 1410 Kilogramm schweren Sedici in Schwung zu bringen.

          Eindrucksvolle Begleitmusik

          Das Einsteigen in den Crossover-Fiat fällt leicht. Die erhöhte Sitzposition ermöglicht Fahrer und Beifahrer, ihre Plätze flink und mühelos einzunehmen. Im Fond ist die gebotene Kopffreiheit gut, Platz für Knie und Füße ist vorhanden, wenn die vorn Sitzenden ihre Sessel nicht zu weit nach hinten schieben. Auf längeren Strecken erweist sich die Polsterung als sehr frugal, der Rücken dankt für regelmäßige Pausen. Der Innenraum verwöhnt zwar nicht mit edelster Materialwahl, aber die Verarbeitung macht einen guten Eindruck. Das Interieur wirkt wie aus einem Guss, Schwarz dominiert. Farbenfroher sind die Instrumente, gut ablesbar sind sie obendrein. Alle Hebel und Schalter finden sich dort, wo es der Fahrer in einem Fiat erwartet. Eine Fernbedienung für das Radio ist in den Lenkradspeichen integriert, sein Kranz ist mit einem Leder bezogen, das sich nicht mit den Qualitäten der Schwestermarken Alfa Romeo oder Lancia messen kann. Dennoch liegt das Volant gut in der Hand, seine Größe ist wohl bemessen.

          Der Allradantrieb ist serienmäßig mit von der Partie

          Der Motor startet selbst bei niedrigen Temperaturen willig, er dreht im Leerlauf nicht ganz leise, aber selbst im kalten Zustand kennt er kein nerviges Nageln. Die Geräuschentwicklung ändert sich allerdings nicht, wenn die Maschine ihre Betriebstemperatur erreicht hat. Sie klingt dann immer noch knurrig und kraftvoll zugleich. Bei höheren Drehzahlen stellt sich ein sattes Dröhnen ein, das in Verbindung mit den Windgeräuschen eine eindrucksvolle Begleitmusik auf Reisen erzeugt, die eine Unterhaltung erschwert. Schreiben wir diese Beschwerde der Intoleranz des Alters zu, der Sedici ist ja für junge Menschen gemacht, und die sind gewiss weit weniger lärmempfindlich.

          Serienmäßiger Rußpartikelfilter

          Im Gegenzug begeistert der Diesel mit einem beachtlichen Durchzugsvermögen. Schon bei 1600 Umdrehungen in der Minute nimmt er willig den Befehl zum Beschleunigen entgegen, ohne Murren dreht er hoch und behält bis weit über 3400/min einen langen Atem. Der schnelle Zwischenspurt fällt ihm leicht, Überholvorgänge auf der Landstraße gelingen mit erheblichen Sicherheitsreserven. Stets spricht der Diesel feinfühlig und spontan an. Trotz der Kraftentfaltung bleibt sein Spritkonsum maßvoll, mit einem Verbrauch von 6,0 Liter Diesel je 100 Kilometer unterwegs zu sein, ist keine anspruchsvolle Übung. Wer den Sedici allerdings häufig auf sein Spitzentempo von 180 km/h treibt oder die Strecken zwischen den Ampeln im Eiltempo zurücklegen will, muss mit einem bis auf 8,6 Liter Diesel für 100 Kilometer steigenden Verbrauch rechnen. Der Mittelwert in Höhe von 6,9 Liter ist keine Meisterleistung, aber für einen gut 1,4 Tonnen schweren und vor allem hochbauenden SUV durchaus angemessen. In den Tank passen 50 Liter, einen wartungsfreien Rußpartikelfilter bekommt der Sedici serienmäßig mit auf seinen Weg.

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