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Fahrtbericht Fiat Panda : Es war einmal eine tolle Kiste

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Bild: Hersteller

Weiche Linien kennzeichnen die zweite Neuauflage des Fiat Panda. Ein wenig mehr Chic im Innenraum und solide Basismotorisierungen erfüllen die Ansprüche an urbane Mobilität beinahe uneingeschränkt.

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          Da steht er nun, der neue Fiat Panda, jenes Auto, dessen Vorgänger nach dem Fiat 500 ihren Teil zum italienischen Wirtschaftswunder beigetragen haben. 1980 rollte die erste Generation des gerne als „Tolle Kiste“ bezeichneten Kleinwagens auf die Straßen, die Familie ist seitdem auf weit mehr als 6,5 Millionen Mitglieder gewachsen, verstorben sind manche, keines davon ist jedoch vergessen. Der Panda der dritten Generation setzt die Ahnenreihe fort, aber er ist auch eine Verzichtserklärung. Fiat vermeidet ein zu großes Komfortangebot, damit der Preis unter der Schwelle von 10 000 Euro bleibt. Und damit trotzdem Geld verdient wird, kommt bewährte Technik kaum zum Einsatz. Bis auf die Zweizylindermaschine, die eher ruppig läuft und die hochgesteckten Sparziele bei nicht nur einer Probefahrt verfehlt, werkeln unter der Haube des kleinen Viertürers Motoren, deren Entwicklungs- und Werkzeugkosten längst abgeschrieben sind. Ausgestattet mit dem 51 kW (69 PS) starken Vierzylinder-Benziner, kostet der Panda in der besten Ausstattung, die den vielversprechenden Namen Lounge trägt, 11 490 Euro. Mit nur wenigen Extras wie Pastelllackierung, Parksensoren, Style-Paket oder Navigationssystem springt der Preis gleich auf 13 500 Euro.

          Verglichen mit den verblichenen Generationen ist der Panda zwar nicht viel schlanker, aber doch deutlich geschmeidiger geworden. Wie vom rauschenden Wildbach am Gran Sasso geschliffen, hat seine Form viele der einst markanten Linien und Winkel verloren, von Kiste ist nicht mehr viel zu sehen. Alles wurde runder, gefälliger und sicher auch verwechselbarer. Einzig das angesetzte hintere Seitenfenster ist zumindest als Bindeglied zur vorigen Version erhalten geblieben.

          Innen dagegen wurde alles möglichst im Rechteckformat gestaltet. Auch wenn die Ecken der Instrumente, Lautsprecher, Schalttafelöffnungen und Luftdüsen abgerundet sind, das einzige sichtbare Bauteil in vollendeter Kreisform ist innen der Lautstärkeregler des in der Lounge-Version serienmäßigen CD-Radios. Die Sitzbezüge zieren farblich abgestimmte Quadrate, sie passen gut zur Pastelllackierung (270 Euro Aufpreis). Und dann schimmern doch ein paar Quadratzentimeter schwarzer Lack am Armaturenbrett auf, das Lenkrad macht einen soliden Eindruck und schmeichelt der zupackenden Hand, lässt sich aber nur in der Höhe und da auch nur mit einem kleinen Weg verstellen. Die übrige Bedienung ist denkbar einfach und erschließt sich dem Novizen im Panda von allein. Auch an die nur mäßig gut ablesbaren Instrumente gewöhnt man sich nach kurzer Zeit.

          Wer die Höhe des Fahrersitzes verstellen möchte, zahlt 100 Euro mehr. Leider fehlt den Sitzen jegliche Seitenführung. So werden flinke Kurvenfahrten zur Last. Nicht, weil das Fahrwerk des Panda zu schnell an seine Grenze gelangte, vielmehr gilt es dann, sich irgendwie hinter dem Volant zu verkeilen, um nicht über den glatten Sitzstoff ins Abseits zu geraten. Ein Engegefühl kommt vorne trotz der knappen Abmessungen nicht auf, hinten dagegen herrschen frugale Raumverhältnisse.

          Bis 870 Liter Gepäck in den Kofferraum

          Ohnehin ist das Grundmodell nur als Viersitzer ausgelegt. Der Aufpreis für den fünften Sitz ist kein gut angelegtes Geld, wohl aber für die geteilt umklappbare Rückbank. Beides ist für zusammen 270 Euro zu haben. In jedem Fall bleibt nach dem Umklappen der Rücksitzlehnen - ob am Stück oder asymmetrisch geteilt - eine unschöne Stufe auf der Ladefläche stehen. Immerhin passen 225 bis 870 Liter Gepäck in den Kofferraum, die Zuladung von rund 400 Kilogramm wird einem Kleinwagen völlig gerecht.

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