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Fahrtbericht Fiat Linea : Ein neuer Anlauf mit Stufenheck

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z., Hersteller

Wer Exklusivität zum Schnäppchenpreis haben will, muss sich nur ein kleines Auto mit Stufenheck kaufen. Erst recht, wenn es ein Fiat ist, der gar nicht so klein einen starken Motor aber auch einen großen Durst hat.

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          Die Zeiten, als Stufenheckautos als umso langweiliger galten, je kompakter sie waren, scheinen vorbei zu sein. Gewiss: Bei den echten Kleinwagen hätte so etwas zumindest am deutschen Markt keine Chancen. Doch in der Golf-Klasse sieht das schon anders aus, selbst wenn im richtungweisenden VW-Programm der Jetta gegenüber seinem Bestseller-Bruder mit Schrägheck keinen Stich macht.

          Anderswo - vor allem in Südeuropa - denkt man ohnehin weniger ablehnend über die Rucksack-Autos. Und wer sich hierzulande für sie interessiert, wird denn auch nicht allein gelassen. Fiat zum Beispiel bietet seit einem Jahr in Deutschland seinen Linea an, der in der Türkei gebaut wird und das Programm der Marke sinnvoll ergänzt.

          Fast fröhliche Stimmung im Innenraum

          Der zurzeit einzige Fiat mit Stufenheck ist kein kleines Auto, in der Länge - deutlich über 4,50 Meter - gleicht er einem 3er-BMW. Trotzdem ist er noch kein Mittelklasse-Modell: Denn er steht auf der Plattform des viel kürzeren Grande Punto, dessen Radstand für den Linea allerdings um stattliche neun Zentimeter gestreckt wurde.

          Das schafft gute Voraussetzungen für reichlich Nutzraum, und den bietet dieser Fiat in der Tat. So ist man im Fond - abgesehen von den zu niedrigen Lehnen und der nur gerade so eben ausreichenden Kopfhöhe - mit einer gewissen Großzügigkeit untergebracht, die Knie haben genug Freiraum, und die Breite taugt sogar einigermaßen für drei Personen, auf dem Mittelplatz freilich mit den üblichen Einschränkungen wegen des Tunnels am Boden.

          Erfreulich bequem gestaltet sich hier das Einsteigen. Auch vorn sitzt man kommod, die Sessel sind üppig dimensioniert und recht weich gepolstert. An heißen Sommertagen sind die Veloursbezüge jedoch nicht das Wahre. Es gibt ausreichend Ablagen, und das zweifarbige Armaturenbrett - unten hell, oben dunkel - bringt eine fast fröhliche Stimmung in den Innenraum.

          Beklagenswerte Sichtverhältnisse

          Die verfliegt, sobald der Fahrer auf die Instrumente schaut: Hier haben sich Designer ausgetobt, die man besser mit weniger wichtigen Dingen beschäftigen sollte. So beschreiben die Skalen von Tachometer und Drehzahlmesser nur wenig mehr als einen Halbkreis, sind also viel zu eng, und da sie zudem noch weißgrundig sind, ist es bei bestimmten Lichtverhältnissen unmöglich, sie abzulesen.

          An Hebeln und Schaltern ist dagegen nichts zu bemängeln. Eine separate Einheit an der Lenksäule ist für den - mit 100 Euro Aufpreis günstigen - Tempomat zuständig, Radio- und Telefonfunktionen können mit Tasten am Lenkrad bedient werden. Eine Klimaautomatik schafft bei Hitze, zeitweise mit nervtötenden Gebläsegeräuschen, im Nu Massen von Kaltluft heran.

          Die Sichtverhältnisse sind, vor allem für den Fahrer, so beklagenswert wie bei den meisten Autos von heute, die Spiegel sind nicht einmal asphärisch. Dass die Windschutzscheibe viel höher ansetzt als die Seitenfenster, hat auch ästhetische Konsequenzen: Diese Partie des Linea wirkt unharmonisch, während die Karosserie sonst kaum Anstoß bietet, aber auch wenig gestalterische Ambition verrät. Mit ihrer Verarbeitungsqualität kann zufrieden sein, wer sich den Blick in die weniger zugänglichen Ecken verkneift.

          Keine Lizenz zur Familienkutsche

          Die Stärke von Stufenheckautos liegt im Kofferraumvolumen, und da weist der Linea mit 500 Litern ein Oberklasse-Maß auf. Rückbank und Lehne lassen sich geteilt klappen: Dann kommen zwar eine kleine Stufe und eine leicht ansteigende Ladefläche, aber auch bis zu 870 Liter Stauraum zustande. Sperriges muss freilich draußen bleiben, und die hohe Bordkante (76, nach innen 26 Zentimeter) verlangt kräftige Muskeln beim Beladen.

          Im Untergeschoss findet man, wenn man 50 Euro lockermacht, ein vollwertiges Ersatzrad statt des Reparatur-Sets. Dass die Urlaubsreise in Gefahr sein kann, verrät ein Blick auf die erlaubte Zuladung: Bei unserem leer 1310 Kilogramm wiegenden Linea verblieben ganze 390 Kilo Nutzlast - viel zu wenig für die Lizenz zur Familienkutsche.

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