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Fahrtbericht Fiat Grande Punto Sport : Nur manchmal wird der Kleine doch müde

  • -Aktualisiert am

Bild: Hersteller

Der kompakte Wagen glänzt in der Stadt als Spritsparer. Doch Leistung und Leidensfähigkeit geraten über Land an Grenzen. Da lärmt er schon mal wie eine Rasselbande und lässt Rücken schmerzen. Michael Kirchberger und der Fiat Grande Punto Sport.

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          Autos haben eine Seele. Jedermann weiß das, und nur die ärgsten Bahnfahrer glauben nicht an den Geist im Auto. Zugegeben: Die wahren Charaktere mancher Gefährte erschließen sich nicht gleich nach dem ersten Streit. Andere dagegen strahlen ihren Chauffeur von Beginn an mit einem breiten Lachen an.

          Fiat ist es gelungen, einen lieben Buben aus dieser Bande in die anspruchsvolle Gesellschaft der deutschen Autofahrer einzuführen. Punto ist sein Name, Grande Punto sogar, was wohl auf großen Geist schließen lassen soll. Er hat dank gesunder Ernährung durch seinen Vater Giugiaro eine wohlgeformte Gestalt und nach dem Genuss einer hingebungsvollen Erziehung von seinen Ausbildern in Turin angenehme Manieren.

          Er findet seine Freunde nicht mit Grobschlächtigkeit und klärt Konflikte nicht mit der Faust. Der Grande Punto erfreut mit ehrlichem und unpreziösem Charakter, er verspricht nur wenig, was er nicht halten kann. Treu schaut er einen an, die Zahlung von 15 640 Euro könnte den Beginn einer langen Freundschaft markieren.

          Vergisst schon mal sein gutes Elternhaus

          Die Form des kleinen Italieners gefällt. Ein markanter Kühlergrill, der einen Hauch italienischer Gran-Turismo-Gene trägt, nicht überzeichnet und markentypisch, schlanke Flanken, ein massiges Heck, das klingt nach Rennpony. Die Proportionen wirken ausgewogen, selbst die für eine als sportlich ausgewiesene Version schmalen Winterreifen im 185/65-Format wirken wie Schuhwerk zum Waldbrandaustreten. Mit den Serienpneus im Format 205/45 auf den 17-Zoll-Leichtmetallrädern der ausschließlich zweitürig angebotenen Ausstattung Sport bekommt der Grande Punto etwas Bolidenhaftes, was freilich nicht ganz mit den Fahrleistungen korrespondiert.

          Der Basismotor, ein 1,4-Liter-Benziner, bringt es auf 70 kW (92 PS), und die werden in erster Linie über hohe Drehzahlen mobilisiert. 125 Newtonmeter Drehmoment als Spitzenwert liegen erst bei 4500 Umdrehungen in der Minute an, weniger als 3000/min zwingen zu Geduld. Drehzahlhöhen lassen diesen Grande Punto sein gutes Elternhaus vergessen, die Maschine lärmt wie eine Rasselbande in den neapolitanischen Straßenschluchten beim Erblicken der Schönen des Viertels.

          Aufatmen beim Verlassen der Autobahn

          An Autobahnsteigungen will der Gang flink gewechselt sein, um die Geschwindigkeit halbwegs zu halten. Das gelingt stets präzise und schnell, der kurze Knüppel rückt selbst nachlässig geschlenzt in die richtige Position, was bei manuellen Sechsganggetrieben nicht immer der Fall ist. Höllentempo ist des kleinen Grandes Ding nicht.

          Das Verlassen der Autobahn begleitet ein leises Aufatmen, der Punto seufzt gleich mit und gibt sich dem Vergnügen der Landstraße mit weit größerer Inbrunst hin. Augenmerk ist beim Überholen gefragt, aber in den hier erlaubten Geschwindigkeitsbereichen macht der Fiat seine Sache gut. Wer es dennoch eiliger hat, dem seien die kräftigeren Dieselmotoren mit 66 oder gar 96 kW (90 oder 130 PS) empfohlen, die mit muskulöserem Drehmoment dem Sportmodell entsprechende Eigenschaften verleihen.

          Unterstützung per Tastendruck

          Der kleine Benziner erfreut mit geringem Verbrauch. 5,1 Liter Superbenzin für 100 Kilometer sind wirklich nicht viel, der Spitzenwert von 8,8 Liter zeugt von dem eher unsinnigen Versuch, dem Vierzylinder das Äußerste abzuverlangen. Der Durchschnitt von 5,7 Liter kann sich sehen lassen. Da erscheinen die 45 Liter Tankinhalt als ausreichender Vorrat.

          Sport bedeutet in diesem Fall nicht erbarmungslos harte Federung. Zwar ist der Fahrkomfort nicht vom zarten Schmelz einer Büffel-Mozzarella, doch werden die Punto-Passagiere erst bei besonderen Grobheiten der Straße geschüttelt. Feine Fugen und oder Spurrillen bewältigt das Fahrwerk mühelos. Die Einflüsse des Antriebs beim Beschleunigen in Kurven bleiben mangels Muskelkraft der Maschine unbemerkt, die elektrische Servolenkung Dualdrive kann per Tastendruck für die Fahrt durch die Stadt auf eine angenehme, stärkere Unterstützung gestellt werden.

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