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Fahrtbericht: Fiat Grande Punto 1.3 Multijet (75 PS) : Ein Retter soll er sein

  • -Aktualisiert am

Mit sportlicher Schnute: Grande Punto Bild: Hersteller

Italienisches Flair mit großer Nähe zum Minivan: der Fiat Grande Punto 1.3 Multijet.

          4 Min.

          So klein und schon so verantwortungsbeladen: Der neue Fiat Punto soll den matten Turiner Konzern wieder in eine leuchtende Zukunft führen und seine Kompetenz in Sachen Kleinwagen dick unterstreichen. „Aber ich bin doch gar nicht klein“, protestiert der Neue und buchstabiert uns noch einmal ganz langsam seinen Namen: G-r-a-n-d-e Punto, könnt ihr nicht lesen? Nun, Größe ist relativ, doch der Große Punkt ist in der Tat fast 20 Zentimeter länger als sein Vorgänger, der deswegen aber nicht piccolo hieß. Damit folgt der jüngste Fiat dem Trend der ehemaligen Kleinwagen, über die vier Meter hinauszuwachsen, in eine Region, die unlängst noch untere Mittelklasse hieß - und deren bisherige Bewohner sich längst in Richtung echte Mittelklasse aufgemacht haben.

          Aber auch in absoluten Zahlen kann dieser Punto punkten. Seine Innenraumlänge hat sogar Mittelklasse-Maß: Das heißt, die Vorn- und die Hintensitzenden müssen nicht dauernd faule Kompromisse schließen, sondern haben jeder für sich auskömmlichen Knieraum (und reichlich Kopfhöhe). Auch für fünf ist es erträglich, der Mittelplatz hinten ist kein Armesündersitz. Die vorderen Sessel haben sogar höchst bequeme Abmessungen. Mit seiner äußeren Form, die den italienischen Stil wieder beherzter herauskehrt, ist der Grande Punto fast schon ein Minivan. Die riesige und sehr schräge Frontscheibe wächst fast ohne Knick aus der Motorhaube und fließt ebenso glatt ins Dach. Daraus ergeben sich ein sehr großzügig anmutender Innenraum und andererseits die Nachteile des Van-Formats: Vom Bug sieht der Fahrer absolut nichts, und der Einstieg ist nur hinten wirklich bequem, weil sich der Türausschnitt dort mehr dem Rechteck nähert. Der Zwei- und der Viertürer sind sich im Design sehr nahe, und so empfehlen wir sehr die zusätzlichen Zugänge, auch wenn sie 650 Euro mehr kosten.

          Auch in Turin kann man nicht zaubern

          Im Innenraum hat sich Fiat viel Mühe gegeben, zu beweisen, daß man ohne allzu großen Aufwand eine wohnliche, ja heitere Umgebung schaffen kann. Die Farbe der Sitz-Mittelbahnen kehrt als Kontrast im Armaturenbrett wieder, und das sah bei unserem Wagen - Außenlackierung in Psychedelic(!)-Blau - ansteckend fröhlich aus. Abgesehen davon, daß sich nicht einmal Fahrer und Beifahrer ihre Gurte autonom in der Höhe einstellen können, fehlt es nicht an den zeitgemäßen Sicherheitsvorkehrungen: fünf Kopfstützen (einstellbar und hoch genug, vorn gegen Aufpreis auch aktiv), sechs Airbags, zwei Isofix-Kindersitzhalterungen im Fond. Vermißt haben wir einen asphärischen Außenspiegel. Bei den Instrumenten herrscht - nach einzelnen Turiner Sündenfällen - wieder konservativer Geist. Sie liegen direkt im Blickfeld des Fahrers und sind, wie auch Hebel und Schalter, von schöner Zweckmäßigkeit. Die Ablagen sind ungleich verteilt: vorn hui, hinten pfui. Da hätte man besser bei den Minivans abgeguckt.

          Der Grande Punto bietet großzügigen Stauraum

          Die Insassen können ihre Reise also guter Dinge antreten - bis sie merken, daß man auch in Turin nicht zaubern kann. Denn die Annehmlichkeiten des Innenraums gehen zu Lasten des Gepäcks. Hier kann der Punto als Fünfsitzer nur 275 Liter Volumen aufbieten, und das ist gar nicht grande: Der zwölf Zentimeter kleinere VW Polo hat genausoviel und der ebenfalls kürzere neue Renault Clio sogar mehr. Natürlich kann man den Fiat-Kofferraum mit Klappen der geteilten Rückbank vergrößern. Dann wächst die Ladelänge auf fast 1,30 Meter, doch dabei entsteht eine 7 Zentimeter hohe Stufe. Störend beim Verstauen ist auch die recht kleine Heckklappe, an der die hohe Bordwand des Gepäckabteils schuld ist: Ihretwegen muß man alles Ladegut 75 Zentimeter hochheben und dann wieder 25 Zentimeter hinabsenken. Unter dem Kofferraumboden ruht ein vollwertiges Ersatzrad - wenn man für 50 Euro das serienmäßige Reparaturkit abgewählt hat.

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