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Fahrtbericht Fiat 500 : Wenn Bescheidenheit Spaß macht

Bild: Hersteller

Das hat es bei Fiat lange nicht gegeben: Plötzlich hat man ein Auto im Portfolio, für das es Wartezeiten gibt. Der Winzling zitiert die Vergangenheit, tritt aber gleichzeitig eigenständig auf und versüßt so den Verzicht auf Raum und Leistung.

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          Das hat es bei Fiat lange nicht gegeben: Plötzlich hat man ein Auto im Portfolio, für das es Wartezeiten gibt, das Menschen interessiert, die zuvor nie im Traum daran gedacht hätten, sich einen Fiat zuzulegen. Der kleine 500 macht es möglich. Ähnlich wie der Mini von BMW zitiert er gekonnt die Vergangenheit und tritt gleichzeitig eigenständig modern auf, seine runde Form ist ein Volltreffer. Wir kennen niemanden, der den Kleinen nicht schön findet.

          Boris Schmidt
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Und der 500 ist nicht nur schön oder süß, er hat zudem praktische Qualitäten. Das fängt bei der umfangreichen Ausstattung an. Wer sich mit dem Basismotor begnügt (1,2 Liter Hubraum, 51 kW/69 PS) - und das tun 70 Prozent der deutschen Kunden -, bekommt zum Listenpreis von 12.500 Euro mit der höherwertigen Lounge-Ausstattung so ziemlich alles, was der Autofahrer in dieser Klasse erwarten kann: Genannt seien nur die elektrisch verstellbaren Außenspiegel, die Leichtmetallräder, die Klimaanlage, das Glasdach oder die Nebelscheinwerfer. Das CD-Radio, die elektrischen Fensterheber, die Zentralverriegelung mit Fernbedienung sowie die Servolenkung und ABS sowie sieben Airbags und anderes sind schon in der Grundausstattung „Pop“ (2000 Euro günstiger) enthalten.

          Da kann man wahrlich nicht meckern. Hervorheben muss man die hohe passive Sicherheit des 500, beim berüchtigten Euro-NCAP-Crashtest bekam er die Bestnote. Allerdings ist ESP beim kleinen Motor aufpreispflichtig (350 Euro, inklusive Hillholder). Neben diesem 1,2-Liter-Motor wird noch ein 1,4-Liter (73 kW/100 PS) sowie ein 1,3-Liter-Turbodiesel (55 kW/75 PS) angeboten, beide sind jeweils 2000 Euro teurer.

          Bild: F.A.Z.

          Viele Informationen mit einer Anzeige

          Mit das Schönste am neuen 500 ist sein gelungener Innenraum. Endlich schaut man in der Kleinwagen-Klasse nicht auf eine lieblos gestaltete Plastiklandschaft, sondern die Designer haben viel Mut bewiesen und bieten ein „Armaturenbrett“ in Wagenfarbe auf; es gibt nur ein Rundinstrument, in dem Drehzahlmesser, Tacho sowie Benzinuhr, Kühlwassertemperatur und die Informationen des Bordcomputers ineinander verschachtelt sind.

          Das mag zunächst verwirren, doch man kann sich daran gewöhnen, auch an den Mix zwischen analoger (Tacho/Drehzahlmesser) und digitaler Darstellung. Zur Lounge-Ausstattung gehört ein hübsches Lederlenkrad mit Bedienelementen fürs CD-Radio. Man mag das Fehlen eines geschlossenen Handschuhfachs bemängeln, doch uns genügt die offene Ablage, zumal es noch einige andere Plätze gibt, an denen man Kleinkram unterbringen kann, etwa die großen Fächer in den Türen.

          Sitze für viele Kilometer tauglich

          Sehr gut und von hoher Qualität sind die Sitze: Das ist richtig festes Gestühl, das für viele, viele Kilometer taugt. Was stört, sind die steinharten Kopfstützen (vorn wie hinten), außerdem sind die Umlenkpunkte der Gurte nicht höhenverstellbar.

          Der Fond ist auf nur zwei Mitfahrer ausgelegt, und von vier vollwertigen Sitzplätzen zu sprechen, ist etwas vermessen. Aber zwei Kinder, auch größere, lassen sich auf der Rückbank sehr gut unterbringen und zur Not auch Erwachsene.

          Vier Türen sind im 500er-Konzept nicht vorgesehen, der Weg nach hinten ist dementsprechend umständlich, aber durchaus zu bewältigen. Die Vordersitze fahren jedoch nicht in die angestammte Position zurück. Dem Beifahrersitz kann man es für 50 Euro Aufpreis beibringen.

          Kleinwagen-Tristesse beim Kofferraum

          Während der Innenraum einen qualitativ sehr hochwertigen Eindruck macht, kommt spätestens nach dem Öffnen der kleinen Kofferraumklappe die sonst übliche Kleinwagen-Tristesse auf: Das Gepäckabteil ist sehr klein (maximal 185 Liter Volumen) und mit billigen Materialien ausgelegt, die Rückseite der hinteren Banklehne zeigt blankes Metall.

          Ein Reserve-Notrad kostet 50 Euro, serienmäßig ist Tirefit. Durch Umlegen der mittig geteilten Rückbanklehne kann der Laderaum erweitert werden, es ergibt sich aber kein ebener Boden, und die maximale Kofferraumlänge von 1,15 Meter ist Zeugnis des insgesamt knappen Zuschnitts: Länger als 3,55 Meter ist das Auto einfach nicht.

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