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Fahrtbericht : Ein Roadster voller Risiken und Nebenwirkungen

  • -Aktualisiert am

Der neue BMW Z4 überzeugt allenthalben Bild:

Mit dem neuen Z4 hat BMW nicht nur einfach einen Nachfolger des Z3 auf die Räder gestellt. Dieser Roadster fährt in einer ganz anderen Liga.

          Das Fahren in einem Roadster birgt Gefahren. Ist der Wagen gut, so kann die Entwöhnung schwerfallen. Dem Bewegen des Z4 von BMW wohnen noch viel größere Risiken und Nebenwirkungen inne. Das Fahrverhalten - einem Kart nicht unähnlich -, die Kraftentfaltung des Dreiliter-Reihensechszylinders und vor allem dessen Klang, der sich irgendwo zwischen Herz und Bauch in den Magen bohrt, können süchtig machen. Der scharf geschnittene BMW kommt aus den Vereinigten Staaten, in Spartanburg wird er gebaut und soll in der Neuen Welt viel Zustimmung finden. Auf europäischen Straßen, dessen sind wir sicher, macht der Z4 die bessere Figur. Die Agilität des Roadsters befreit die Seele erst auf kleinen Straßen dritter Ordnung, bei Orten, die Zuflucht oder Himmelreich heißen und im Schwarz- oder im Bayerischen Wald liegen. Für 38.500 Euro - soviel kostet die stärkere der beiden zur Zeit offerierten Versionen - gibt es sechs fein in Reihe aufgestellte Zylinder, deren Hubraum von drei Liter 170 kW (231 PS) erzeugt.

          Als wäre er über den Asphalt gegossen, steht der Z4 auf 18 Zoll großen Leichtmetallrädern im Sterndesign (Aufpreis 1.250 Euro) da, das Licht bricht sich an den verspielten Kanten der Karosserie wie auf einer windbewegten Wasserfläche. Das Einsteigen fällt leicht, auch bei geschlossenem Dach, innen empfängt kühle Klarheit aus gebürstetem Aluminium (am Armaturenbrett) und silbern abgesetzten Türgriffen oder matt schimmernden Lenkradspeichen, die in feiner Form das Design der Räder zitieren. Das Raumgefühl ist gut, im Z4 herrscht keine Enge, die Kopffreiheit ist großzügig. Die Lederausstattung und eine Heizung für beide gut konturierten Sitze sind Serie, eine elektrische Verstellmöglichkeit für den Fahrer kostet 1100 Euro extra. Die Sitzgurte sind in die Lehnen integriert, das Anschnallen ist die anspruchsloseste Übung. Ohne Aufpreis öffnet im Z4 das Verdeck elektrisch und in Windeseile, in rund zehn Sekunden reißen starke Motoren den Fetzen über den Köpfen samt seiner gläsernen und beheizbaren Heckscheibe in sein Verlies hinter den beiden mattsilber scheinenden Überrollbügeln, bündig schließt der Deckel darüber und zeigt den Z4 in seiner wahren und legitimen, offenen Gestalt.

          Gesang der Sirenen

          Ein gute Sitzposition ist schnell gefunden, unschwer das horizontal und axial verstellbare Lenkrad in die rechte Lage gerückt. Ganz konventionell startet der Motor mit Zündschloß und Schlüssel, der Sechszylinder tourt ganz harmlos mit knapp 1.000 Umdrehungen in der Minute im Leerlauf. Aber eine kleine Berührung des Gaspedals läßt ahnen, was bald folgen soll, denn mit Prusten erhöht das die Drehzahl kurz, wohlausgewogen klingt dabei schon das Zusammenspiel von Ansaug- und Auspuffgeräusch. Sechs Gänge gibt es im Z4 3.0, einen mehr (neben einer ganzen Reihe von Ausstattungsdetails) im Vergleich zum 2,5-Liter-Roadster. Der Hebel ist bestens positioniert, der erste Gang mit etwas Nachdruck eingelegt. Und dann geht es nach dem Einkuppeln geschwind voran, in 7,2 Sekunden von 0 auf 100, wenn man will, den von BMW versprochenen Wert von 7 Sekunden haben wir nicht ganz erreicht. Vielleicht weil uns die Schaltung manchmal doch etwas zu knochig vorkam, vielleicht weil uns die Starre des Alters den Hebel nicht flink genug bewegen ließ.

          Viel mehr beeindruckt bei dieser Übung das Orgelwerk des Sechszylinders. Erst bei 6.500/min beginnt der verbotene Drehzahlbereich, bei 3.000/min klingt der Motor konzentriert und bläst die Backen auf, bei 6.000/min ertönt der Gesang der Sirenen, und mit keinem Wachs der Welt wollten wir uns die Ohren verstopfen. Nicht laut, nicht unaufdringlich, einfach wohltönend und kraftvoll. Was auch für den Teillastbereich gilt, wenn der Maschine bei niederer Drehzahl ein tiefes Bööööh entfährt, als wären Schiffe im Nebel unterwegs. Die stufenlose Verstellung von Hub und Steuerzeiten der vier Ventile je Brennraum erlaubt eine harmonische Kraftentfaltung. Sie geschieht nicht plötzlich mit einem Paukenschlag, sondern entwickelt sich kontinuierlich, wenngleich ein gewisser Extraschub oberhalb von 3000/min einsetzt. Sauber hängt der Motor dann am Gas, die Leistung kann wohldosiert eingesetzt werden. Der Verbrauch des Z4 3.0 ist nicht übermäßig hoch, was nicht zuletzt am relativ geringen Fahrzeuggewicht liegt. 1.390 Kilogramm wiegt der Roadster leer, sein Motor verlangte zwischen 9 Liter bei (Sparfahrt) und 14,4 Liter (im Eiltempo), der Durchschnitt lag bei 11,5 Super für 100 Kilometer. Das Volltanken gelingt ohne nennenswerte Nachfüllschübe mit der Zapfpistole.

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