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Fahrtbericht : Ein härteres Fahrwerk macht noch keinen bösen Buben

  • -Aktualisiert am

Der Seat Cordoba mit verlängertem Radstand und breiteren Karosserie Bild: AP

Der Seat Cordoba hat als Stufenheck-Version des Ibizas keinen leichten Stand, denn noch immer scheint er die etwas zu brave Wahl der Vernunft mit harten Formkontrasten zu sein.

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          Schon seit seinem Start 1993 war der Seat Cordoba ein ungleicher Bruder des neun Jahre früher geborenen Ibiza. Er war immer der praktischere, bravere, aber auch langweiligere der beiden, in seiner Heimat Spanien ohne Einschränkung als Familienauto anerkannt, doch im westlichen Mitteleuropa mit den Kaufhemmungen konfrontiert, die hier kleinen Autos mit Stufenheck den Markterfolg verwehren. Da hilft es nicht, daß ihre kompakten Formen mit hohem Nutzwert - vor allem nach der Maßeinheit Kofferraum-Liter - einhergehen. Und im Fall Cordoba zahlen sich auch die optischen Anleihen beim pfiffigen Ibiza nicht aus, denn die schwungvolle Front steht in hartem Kontrast zu einem hohen, wenig harmonischen Heck, das den Cordoba von hinten unvorteilhaft schmal erscheinen läßt.

          Wer darüber hinwegsieht und den deutschstämmigen Spanier nüchtern betrachtet, wird ihm leichter Gerechtigkeit widerfahren lassen. Nicht nur, daß ihn der VW-Konzern in seinem internationalen Angebot braucht. Er ist auch in Deutschland eine Wahl der Vernunft, zum Beispiel für junge Familien mit noch kleinen Kindern, die den Seat-Rabatt - gemessen an den Volkswagen-Preisen - gern als Zusatznutzen akzeptieren. Nur eins muß man gleich wissen: Die rund 32 Zentimeter Länge, die der Cordoba dem Ibiza voraus hat, kommen allein dem Kofferraum zugute. Dessen 485 Liter Inhalt reichen denn auch fast für die Phaeton/A8-Liga, wo 500 Liter das Standardmaß ist, und zudem ist die Vergrößerbarkeit des Volumens auf bis zu 1.140 Liter serienmäßig. Dazu kann man Rückbank und Lehne in zwei ungleichen Teilen klappen, die Ladelänge wächst auf fast 165 Zentimeter, doch eine Stufe von knapp zehn Zentimeter verdirbt dann die ebene Fläche, das Gepäck muß zudem über eine 74 Zentimeter hohe Bordkante gehoben werden, und die nur 44 Zentimeter Klappenweite verhindern das Verstauen sperriger Gegenstände. Die Zuladung von bis zu 435 Kilogramm schränkt ihn jedenfalls kaum ein, und er muß auch nicht auf ein vollwertiges Ersatzrad unter dem Kofferraum verzichten.

          Unkonventionelle Üppigkeiten

          Der Cordoba-Innenraum ist dagegen ganz der Ibiza, und das ist zwar nicht gerade kärglich, doch den Außenmaßen der Karosserie kaum entsprechend - wenn auch erstaunlich nahe an den Abmessungen des noch aktuellen Golf IV. Im Fond fehlt es, wie zu erwarten, an der Breite für drei Erwachsene, aber der Knieraum ist akzeptabel, wenn vorn nicht gerade Riesen sitzen, und die Kopfhöhe reichlich. Mit 48 Zentimeter Tiefe der Bank auf den beiden äußeren Plätzen wird der Golf sogar um drei Zentimeter übertroffen, der Abstand der Sitzfläche zum Wagenboden stimmt ebenfalls, so daß man mit guter Oberschenkelauflage selbst lange Strecken ohne Ermüdung übersteht. Vorn warten geradezu üppige Sessel, die im Fall des Cordoba Sport - jener von drei Ausstattungsvarianten, der unser Wagen angehörte - mit ihren Seitenwülsten den Körper in Kurven angenehm abstützen. Dank dem höheneinstellbaren Fahrersitz wird bis zu ein Meter Kopffreiheit geboten, und auch Langbeiner werden nicht eingequetscht. Die vier Kopfstützen passen selbst für Großgewachsene, vier Airbags sind serienmäßig. Einsteigen kann man durch die vier Türen des Cordoba ohne große Mühe, und innen trifft der Fahrer auf einen ordentlich eingerichteten Arbeitsplatz mit großen, einwandfrei ablesbaren Instrumenten (nur der Bildschirm für Radio und Navigation liegt zu tief) und leicht zu erreichenden Bedienungselementen. Unkonventionell ist allenfalls die rote Beleuchtung der Armaturen; nicht gerade von erlesenem Geschmack zeugt die Auswahl der Kunststoffe im Innenraum. Das aufgetürmte Heck verstellt dem Fahrer so konsequent den Blick rückwärts, daß er sich dringend eine (bisher nicht erhältliche) Einparkhilfe wünscht.

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