https://www.faz.net/-gya-omdw

Fahrtbericht : Ein Crossoverlein mit speziellen Talenten

  • -Aktualisiert am

Flitzt mit Allradantrieb durch die Nacht: Subaru G3X Justy 1.3 Bild:

Der Justy läßt zwar Beinfreiheit vermissen, konzentriert sich jedoch auf den Subaru typischen Allradantrieb und das gesunde Preis-Leistungs-Verhältnis.

          5 Min.

          Einseitigkeit kann sich auszahlen. So gibt es Autohersteller, die "nur" Sportwagen fertigen und damit sehr erfolgreich sind. Und es gibt Subaru, den Liebling der Alpenbewohner, der alles, was er baut, mit Allradantrieb versieht. Das japanische Unternehmen Fuji Heavy Industries, Inhaber der Marke, hat sich damit eine kleine, aber wohlbestellte Insel geschaffen. Auch als Außenseiter kommt es freilich nicht daran vorbei, ein Programm mit mehreren Baureihen anzubieten - möglichst mit einer Einsteiger-Linie als Basis für spätere Markentreue. Subaru hat dafür seit langem den Justy, einen Kleinwagen, der stets zu den billigsten Autos mit Allradantrieb gehörte und damit manche Freunde gewann. Schon das Vormodell war, wie das im September eingeführte aktuelle, ein Kooperationsprodukt mit dem japanischen Kollegen Suzuki, der wie Subaru im Dunstkreis von General Motors siedelt. Zusammen mit seinem Zwillingsbruder Suzuki Ignis wird der G3X Justy in Ungarn gebaut und kommt von da auf den deutschen Markt.

          Was Allradantrieb hat, muß noch lange kein Geländewagen sein. Das ist auch der Justy nicht, selbst wenn seine Bodenfreiheit von 17 Zentimeter ein bißchen größer als üblich ist. Mit Offroadern könnte sein Antriebssystem nicht konkurrieren. Zwar werden alle vier Räder permanent mit Drehmoment versorgt, aber es fehlt an Sperren, mit deren Hilfe die Kraft auf die Achse oder das Rad mit der besseren Traktion konzentriert werden kann.

          Flottes Anfahren auf Nässe problemlos

          Auf Schnee ist der Subaru mit guten Winterreifen den Front- und Hecktrieblern dieser Welt jedoch allemal überlegen, und auf losem Untergrund spielt er auch im Sommer deutliche Vorteile aus. Flottes Anfahren auf Nässe gelingt ihm - im Rahmen seiner begrenzten Motorkräfte - problemlos, und in engen Bergaufkurven behalten immer genug Räder den Fahrbahnkontakt.

          Sachliche Umgebung mit vielen Ablagen im Justy

          Übertreiben sollte man es allerdings nicht mit dem kleinen Subaru, denn der Fortschritt eines ESP hat ihn noch nicht erreicht. Nachteile des Allradantriebs sind im Fahrverhalten nicht zu erkennen. In Kurven bleibt der Justy auf der harmlos untersteuernden Seite, beim plötzlichen Gaswegnehmen gibt es nur einen kleinen Ruck in die Biegung hinein. Der Geradeauslauf profitiert sogar deutlich von der Arbeitsteilung auf vier Räder, bei schneller Fahrt fühlt sich der G3X größer an, als er ist - wenn nicht gerade starker Seitenwind herrscht, auf den er etwas ungnädig reagiert. Und damit im Gebirge auch bergab alles im Griff bleibt, ist er mit einer respektablen Bremsanlage ausgestattet, die an der Hinterachse zwar mit Trommeln auskommen muß, doch eine bissige, spurtreue und von hartem Gebrauch unbeeindruckte Verzögerung hinlegt.

          Unechte Beinfreiheit

          Äußerlich gibt sich der Justy als Crossoverlein: mit Merkmalen von Kombi, Minivan und Geländewagen. Vom Offroader stammen der unverhohlen grimmige Gesichtsausdruck mit den beiden Gittergrills untereinander und die insgesamt eher kantigen Formen, die aber durch Anflüge von Minivan wieder gemildert werden. Mit beiden Vorbildern hat er die hohe Sitzposition und überhaupt die so manche Limousine überragende Statur (1,57 Meter Höhe) gemeinsam, mit den Kombis das steile Heck und den variablen Laderaum, der bei nur 3,77 Meter Außenlänge freilich ein Räumchen bleibt, mit 236 Liter Inhalt und maximal 526, wenn man die geteilte Rückbanklehne klappt. Nicht kombigerecht ist dann aber eine 16 Zentimeter messende Stufe im Ladeboden. Negativ zu vermerken sind auch die hohe Bordwand des Kofferraums und der manchen Kopf gefährdende Umstand, daß die Heckklappe nur 1,80 Meter weit aufschwingt. Allerhand Platz für Kleinigkeiten wird eine Etage tiefer beim - vollwertigen - Reserverad geboten.

          Des hohen Dachs wegen gibt es im Inneren auf allen Plätzen reichlich Kopfraum. Großgewachsene Fahrer werden aber trotzdem nicht glücklich, weil sich ihr Sitz nicht weit genug zurückschieben läßt. Den Vorteil davon haben die Hintensitzenden, denen stets eine achtbare Beinfreiheit verbleibt. Die ist aber nicht ganz echt, weil andererseits die Tiefe der Fondbank äußerst knapp geraten ist. Obwohl deren Breite kaum für drei Erwachsene ausreicht, sind für den Mittelplatz Dreipunktgurt und Kopfstütze serienmäßig an Bord, ebenso zwei Isofix-Kindersitzbefestigungen. Auf den Frontsesseln fehlt es in Kurven an Seitenhalt und für den Fahrer an Überblick: vor allem nach hinten und schräg zur Seite - hier stört die breite mittlere Dachsäule, zudem fehlt dem Außenspiegel ein asphärisches Feld gegen den toten Winkel. Einsteigen kann man einigermaßen bequem durch die vier Türen.

          Sachliches Kleinwagenmäßiges

          Innen empfängt die Passagiere eine eher sachliche als anheimelnde Umgebung. An Ablagen herrscht kein Mangel, die Bedienungselemente sind griffgerecht angeordnet. Die in tiefe Höhlen versenkten Instrumente schreien allerdings nach einer Dauerbeleuchtung. Wenig sinnvoll erschien uns eine digitale Anzeige des Momentan-Benzinverbrauchs, zumal sie auch bergab nie weniger als 4,1 Liter je 100 Kilometer auswies; die Darstellung des Durchschnittsverbrauchs wäre viel interessanter. Ein wenig schwächlich wirkte die Heizung zumindest nach dem Kaltstart, und das Licht der H4-Scheinwerfer erfüllt nur durchschnittliche Ansprüche.

          Auch in den Fahrkomfort sollte man nicht allzu hohe Erwartungen setzen. Ihm haftet viel Kleinwagenmäßiges an. Pump-, Nick- und Wankbewegungen sind allgegenwärtig. Selbst auf grobe Stöße reagiert die Federung nicht mit Durchschlagen, wohl aber mit Poltern, und auf rauhem Untergrund kann das ganze Auto ins Vibrieren geraten. Viele Karosseriegeräusche zeigen dann die Grenzen der Verarbeitungsqualität, ebenso wie beim Einsteigen der blecherne Klang der Türen. Zweifel an der Dauerhaftigkeit des Justy sind beim guten Markenruf von Subaru dennoch kaum angebracht. Der Allradantrieb stempelt ihn eher zum Arbeitstier für klimatisch exponierte Gegenden, und in dieser Rolle darf er auf Nachsicht in Komfortfragen hoffen.

          Kräftig mit Allrad und ordentlicher Serienausstattung

          Subaru ist aber nicht nur Allrad-Spezialist, sondern hält auch - als zweiter neben Porsche - unbeirrt am Boxermotor fest. Allerdings nicht beim Justy: Hier ist ein ganz normales Vierzylinder-Reihentriebwerk tätig, in zwei Versionen mit 1,3 Liter Hubraum und 69 kW (94 PS) sowie 1,5 Liter und 73 kW (99 PS). Trotz seiner nominell hohen Leistung ist der kleinere der beiden gewiß dankbar dafür, daß der G3X trotz Allrad recht leicht ist: Unser Exemplar wog 1.040 Kilogramm und durfte mit insgesamt 430 Kilogramm beladen werden. Es war zudem ein besonders kräftiges Individuum. Die angegebene Höchstgeschwindigkeit von 155 km/h überschritt es um fast 10 km/h, und mit 12,8 Sekunden Beschleunigungszeit von 0 auf 100 km/h war es überraschend spurtstark. Es hapert freilich am Durchzug in den oberen Gängen und leider auch an Präzision der deswegen häufig gebrauchten Schaltung. Die kurzen Übersetzungen des Getriebes sind bitter notwendig, und die entsprechend hohen Drehzahlen verantworten nicht nur einigen Motorlärm, der von 5.000 Umdrehungen je Minute an zur Last wird, sondern auch - zusammen mit der zusätzlichen Mechanik des Allradantriebs - einen keineswegs geizigen Verbrauch: bei uns im Schnitt 8,7 Liter Superbenzin je 100 Kilometer, auf der Autobahn bis 9,5 Liter. Da wird der 41-Liter-Tank rasch zu klein.

          Mit 14.500 Euro ist der Preis des 1,3-Liter-G3X sehr erträglich, gemessen am Allrad-Bonus und der ordentlichen Serienausstattung (zum Beispiel Seiten-Airbags, CD-Radio, elektrische Fensterheber vorn, Nebelscheinwerfer, Zentralverriegelung mit Funk-Fernbedienung). Der vielleicht doch vorzuziehende 1,5-Liter-Motor bewirkt einen Aufpreis von 1000 Euro. Viel Zubehör ab Werk gibt es nicht: im Moment nur die manuelle Klimaanlage für 990 Euro und den Metallic-Lack für 300 Euro. Sitzheizung und Lederausstattung sind in Vorbereitung. Aber wer den Justy kauft, dem kommt es ja auf den Allradantrieb an. Und der ist immer dabei.

          Daten und Meßwerte

          Empfohlener Preis 14 500 Euro

          Preis des Testwagens 14 500 Euro

          Vierzylinder-Reihenmotor, vier Ventile je Zylinder, 1328 Kubikzentimeter Hubraum

          Leistung 69 kW (94 PS) bei 6000/min

          Höchstes Drehmoment 118 Nm bei 4100/min, mindestens 90 Prozent davon ab 1800 bis 6200/min

          Erfüllt D4

          Manuelles Fünfganggetriebe

          Permanenter Allradantrieb

          Länge/Breite/Höhe 3,77/1,61/1,57 Meter

          Radstand 2,36, Wendekreis 10,0 Meter

          Leergewicht 1005 (tatsächlich 1040), zulässiges Gesamtgewicht 1470, Anhängelast 800 Kilogramm; Kofferraumvolumen 236/526 Liter

          Reifengröße 165/70 R 14 81 T

          Höchstgeschwindigkeit 164 km/h

          Von 0 auf 100 km/h in 12,8 s, von 50 auf 100 km/h im 4./5. Gang in 16,6/23,0 s

          Verbrauch 7,7 bis 9,6, im Durchschnitt 8,7 Liter Super je 100 km, Tankinhalt 41 Liter

          Versicherungs-Typkl. HP 13, TK 24, VK 15

          Kosten je km (bei 16 000 km/Jahr) 0,29 Euro

          Weitere Themen

          Mini Cooper SE Video-Seite öffnen

          F.A.Z.-Fahrbericht : Mini Cooper SE

          Der Mini Cooper SE gilt aktuell als das am besten fahrende Elektroauto auf dem Markt. Was die Engländer auf die Räder gestellt haben und womit das Modell punkten kann, zeigen wir Ihnen in unserem Fahrbericht.

          Topmeldungen

          Präsident Wladimir Putin nimmt am Freitag von seiner Residenz Nowo-Ogarjowo aus an einer Kabinettssitzung teil.

          Proteste in Belarus : Droht eine Intervention Moskaus?

          Für den Kreml ist die Lage in Belarus ambivalent – das zeigen auch die Reaktionen aus Moskau. Die große Frage ist, was Putin macht, wenn Lukaschenka ernstlich gefährdet ist.
          Ermittlungen: Apotheker und Ärzte werfen dem Angeklagten vor, Verfahren gegen sie aufgebläht zu haben (Symbolbild).

          Frankfurter Korruptionsaffäre : Mediziner erheben schwere Vorwürfe

          In der Korruptionsaffäre um einen Frankfurter Oberstaatsanwalt sollen Ermittlungen nur geführt worden sein, um Geld zu generieren. Das könnte sich noch zu einem weitaus größeren Skandal auswachsen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.