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Fahrtbericht : Ein Crossoverlein mit speziellen Talenten

  • -Aktualisiert am

Des hohen Dachs wegen gibt es im Inneren auf allen Plätzen reichlich Kopfraum. Großgewachsene Fahrer werden aber trotzdem nicht glücklich, weil sich ihr Sitz nicht weit genug zurückschieben läßt. Den Vorteil davon haben die Hintensitzenden, denen stets eine achtbare Beinfreiheit verbleibt. Die ist aber nicht ganz echt, weil andererseits die Tiefe der Fondbank äußerst knapp geraten ist. Obwohl deren Breite kaum für drei Erwachsene ausreicht, sind für den Mittelplatz Dreipunktgurt und Kopfstütze serienmäßig an Bord, ebenso zwei Isofix-Kindersitzbefestigungen. Auf den Frontsesseln fehlt es in Kurven an Seitenhalt und für den Fahrer an Überblick: vor allem nach hinten und schräg zur Seite - hier stört die breite mittlere Dachsäule, zudem fehlt dem Außenspiegel ein asphärisches Feld gegen den toten Winkel. Einsteigen kann man einigermaßen bequem durch die vier Türen.

Sachliches Kleinwagenmäßiges

Innen empfängt die Passagiere eine eher sachliche als anheimelnde Umgebung. An Ablagen herrscht kein Mangel, die Bedienungselemente sind griffgerecht angeordnet. Die in tiefe Höhlen versenkten Instrumente schreien allerdings nach einer Dauerbeleuchtung. Wenig sinnvoll erschien uns eine digitale Anzeige des Momentan-Benzinverbrauchs, zumal sie auch bergab nie weniger als 4,1 Liter je 100 Kilometer auswies; die Darstellung des Durchschnittsverbrauchs wäre viel interessanter. Ein wenig schwächlich wirkte die Heizung zumindest nach dem Kaltstart, und das Licht der H4-Scheinwerfer erfüllt nur durchschnittliche Ansprüche.

Auch in den Fahrkomfort sollte man nicht allzu hohe Erwartungen setzen. Ihm haftet viel Kleinwagenmäßiges an. Pump-, Nick- und Wankbewegungen sind allgegenwärtig. Selbst auf grobe Stöße reagiert die Federung nicht mit Durchschlagen, wohl aber mit Poltern, und auf rauhem Untergrund kann das ganze Auto ins Vibrieren geraten. Viele Karosseriegeräusche zeigen dann die Grenzen der Verarbeitungsqualität, ebenso wie beim Einsteigen der blecherne Klang der Türen. Zweifel an der Dauerhaftigkeit des Justy sind beim guten Markenruf von Subaru dennoch kaum angebracht. Der Allradantrieb stempelt ihn eher zum Arbeitstier für klimatisch exponierte Gegenden, und in dieser Rolle darf er auf Nachsicht in Komfortfragen hoffen.

Kräftig mit Allrad und ordentlicher Serienausstattung

Subaru ist aber nicht nur Allrad-Spezialist, sondern hält auch - als zweiter neben Porsche - unbeirrt am Boxermotor fest. Allerdings nicht beim Justy: Hier ist ein ganz normales Vierzylinder-Reihentriebwerk tätig, in zwei Versionen mit 1,3 Liter Hubraum und 69 kW (94 PS) sowie 1,5 Liter und 73 kW (99 PS). Trotz seiner nominell hohen Leistung ist der kleinere der beiden gewiß dankbar dafür, daß der G3X trotz Allrad recht leicht ist: Unser Exemplar wog 1.040 Kilogramm und durfte mit insgesamt 430 Kilogramm beladen werden. Es war zudem ein besonders kräftiges Individuum. Die angegebene Höchstgeschwindigkeit von 155 km/h überschritt es um fast 10 km/h, und mit 12,8 Sekunden Beschleunigungszeit von 0 auf 100 km/h war es überraschend spurtstark. Es hapert freilich am Durchzug in den oberen Gängen und leider auch an Präzision der deswegen häufig gebrauchten Schaltung. Die kurzen Übersetzungen des Getriebes sind bitter notwendig, und die entsprechend hohen Drehzahlen verantworten nicht nur einigen Motorlärm, der von 5.000 Umdrehungen je Minute an zur Last wird, sondern auch - zusammen mit der zusätzlichen Mechanik des Allradantriebs - einen keineswegs geizigen Verbrauch: bei uns im Schnitt 8,7 Liter Superbenzin je 100 Kilometer, auf der Autobahn bis 9,5 Liter. Da wird der 41-Liter-Tank rasch zu klein.

Mit 14.500 Euro ist der Preis des 1,3-Liter-G3X sehr erträglich, gemessen am Allrad-Bonus und der ordentlichen Serienausstattung (zum Beispiel Seiten-Airbags, CD-Radio, elektrische Fensterheber vorn, Nebelscheinwerfer, Zentralverriegelung mit Funk-Fernbedienung). Der vielleicht doch vorzuziehende 1,5-Liter-Motor bewirkt einen Aufpreis von 1000 Euro. Viel Zubehör ab Werk gibt es nicht: im Moment nur die manuelle Klimaanlage für 990 Euro und den Metallic-Lack für 300 Euro. Sitzheizung und Lederausstattung sind in Vorbereitung. Aber wer den Justy kauft, dem kommt es ja auf den Allradantrieb an. Und der ist immer dabei.

Daten und Meßwerte

Empfohlener Preis 14 500 Euro

Preis des Testwagens 14 500 Euro

Vierzylinder-Reihenmotor, vier Ventile je Zylinder, 1328 Kubikzentimeter Hubraum

Leistung 69 kW (94 PS) bei 6000/min

Höchstes Drehmoment 118 Nm bei 4100/min, mindestens 90 Prozent davon ab 1800 bis 6200/min

Erfüllt D4

Manuelles Fünfganggetriebe

Permanenter Allradantrieb

Länge/Breite/Höhe 3,77/1,61/1,57 Meter

Radstand 2,36, Wendekreis 10,0 Meter

Leergewicht 1005 (tatsächlich 1040), zulässiges Gesamtgewicht 1470, Anhängelast 800 Kilogramm; Kofferraumvolumen 236/526 Liter

Reifengröße 165/70 R 14 81 T

Höchstgeschwindigkeit 164 km/h

Von 0 auf 100 km/h in 12,8 s, von 50 auf 100 km/h im 4./5. Gang in 16,6/23,0 s

Verbrauch 7,7 bis 9,6, im Durchschnitt 8,7 Liter Super je 100 km, Tankinhalt 41 Liter

Versicherungs-Typkl. HP 13, TK 24, VK 15

Kosten je km (bei 16 000 km/Jahr) 0,29 Euro

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