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Fahrtbericht : Die neue Definition der Kultur des Kombis

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Ausgequetscht bis auf das letzte Kilowatt

Im 200 Kompressor bleibt dabei der Spaß am Sprinten auf der Strecke. Der aufgeblasene und nur bei sehr zurückhaltender Fahrweise genügsame Motor eignet sich eher zum beharrlichen Gleiten als zum beständigen Glühen. Denn auf der Autobahn bestätigen sich bei engagiertem Fahren die recht ansehnlichen Papierwerte der Vierzylinder-Maschine überhaupt nicht. Man muß viel schalten, an Steigungen mitunter bis in die dritte Stufe zurück, und man ist gezwungen, mitleidslos in den Drehzahlen zu wühlen. Dabei keimt beim Fahrer das unangenehme Gefühl, die Maschine auszupressen bis auf das letzte Kilowatt. Eine souveräne Fahrweise wird dadurch nicht gefördert, das Wagengewicht von rund 1,8 Tonnen wirkt sehr dämpfend auf das T-Temperament. Die elegante Erscheinung des schnittigen Kombis wird vom rauh und bei hohen Touren auch dröhnend laufenden Motor sowie von dem mit langen Wegen aufwartenden Sechsganggetriebe nicht unterstrichen: Die Kompressormaschine ist kein adäquater Antrieb für dieses Auto, das mit seinen anderen Eigenschaften die Kombi-Kultur neu definiert.

Dazu gehören der Federungs- und Fahrkomfort. Kein anderer Kombinationskraftwagen bügelt langwellige Unebenheiten besser weg, kein anderer steckt die von Querfugen, Kanaldeckeln, von offenen Schlaglöchern und geschlossenen Steuerschlupflöchern ausgehenden Unannehmlichkeiten besser weg. Nur die lauten Abrollgeräusche auf rauhem Asphalt sind störend. Ruhig wie eine feste Burg ist die Karosserie selbst auf Kopfsteinpflaster. Diese Ruhe kommt auch im Kurvengeschlängel, in schnell absolvierten Biegungen, bei Seitenwind und auf schmalen, mit Kuppen und Querrinnen gespickten Landstraßen auf. Das T-Fahrwerk hält viel Sicherheit bereit, die Bremsen sind hohen Beanspruchungen gewachsen und die Lenkung arbeitet direkt, wird nicht zu stark unterstützt, fordert allerdings gerade wegen Direktheit und Leichtgängigkeit eine gewisse Gewöhnung. Der ausgewachsene Mercedes erreicht eine sehr gute Handlichkeit und vermittelt trotz des eher trägen Motors Spuren von Agilität. Für die Passagiere ist das T-Modell wie die Limousine. Sie sitzen in bequemen Sesseln, die Flächen sind gut dimensioniert in Breite und Tiefe. Vorn gibt es einen überaus großen Verstellbereich, der mit Serienausstattung manuell anzusteuern ist.

Schwäbische Beständigkeit

Wie die Limousine beeindruckt der Kombi mit den Ergebnissen schwäbischer Beharrlichkeit auf der Suche nach Perfektion. Daß daraus eine gewisse Kühle in der Innenarchitektur und in der Ausstrahlung des gesamten Autos entsteht, ist Teil des Charakters von Mercedes-Benz. Es ist nicht mehr die einstige Nüchternheit mit dem abwaschbaren Charme der sechziger Jahre, aber Reste einer engen Kleinlichkeit sind noch immer in der Preisgestaltung vorhanden. So ist intensives Studium der einschlägigen Listen unumgänglich, man kann sich mit der kleinen Kompressormaschine in die Nähe von 50.000 Euro begeben. Manche Aufpreise erscheinen unnötig. Die Alternative zum T-Modell in der E-Klasse tritt erst im nächsten Jahr auf dem Markt an, sie kommt aus Bayern und treibt die Schwaben voran.

Daten und Meßwerte

Empfohlener Preis 38 048 Euro

Preis des Testwagens 42 612 Euro

Vierzylinder-Kompressormotor, vier Ventile je Zylinder, 1796
Kubikzentimeter Hubraum

Leistung 120 kW (163 PS) bei 5500/min

Höchstes Drehmoment 240 Nm bei 3000/min, 90 Prozent davon ab 2000 bis
5500/min

Erfüllt Euro 4

Manuelles Sechsganggetriebe

Antrieb auf die Hinterräder

Länge/Breite/Höhe 4,85/1,82/1,50 Meter

Radstand 2,85, Wendekreis 11,0 Meter

Leergewicht 1720, zulässiges Gesamtgewicht 2295, Anhängelast 1900
Kilogramm, Kofferraumvolumen 690 bis 1950 Liter

Reifengröße 225/55 R 16 V

Höchstgeschwindigkeit 220 km/h

Von 0 auf 100 km/h in 12,6 s, von 50 auf 100 km/h im 4./5./6. Gang in
12,7/16,7/ 21,4 s

Verbrauch 9,9 bis 13,3, im Durchschnitt 11 Liter Super je 100 km;
Tankinhalt 70 Liter

Versicherungs-Typkl. HP 17, TK 32, VK 23

Kosten je km (bei 20 000 km/Jahr) 0,45 Euro

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