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Fahrtbericht : Die heimliche Rückkehr von Zorro

  • -Aktualisiert am

Schnell wie Zorro: 250 km/h und 363 Newtonmeter bietet der Nissan 350 Z Bild:

Die mexikanische Version des Rächers der Enterbten heißt Zorro. Der Nissan 350 Z ist ein Sportwagen mit dem Charme Zorros. Und nicht umsonst hat Nissan jetzt abermals mit dem Typ 350 das "Z" zum Symbol des Aufruhrs unter den Etablierten gemacht.

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          Die mexikanische Version des Rächers der Enterbten heißt Zorro. Der Maskenmann übte sich im Umverteilen und hinterließ als Zeichen seines Wirkens den mit der Peitsche geritzten Anfangsbuchstaben seines Namens. Nicht umsonst hat Nissan jetzt abermals mit dem Typ 350 das "Z" zum Symbol des Aufruhrs unter den Etablierten gemacht. Der japanische Sportwagen hat in Amerika schon Zehntausende von Käufern begeistert, und auch in Europa hat er das Zeug zum Zauberkünstler: Der Nissan 350 Z definiert einen neuen Status der Sportlichkeit auf Rädern, nicht den perfekten Zustand als Auto ohne Makel, aber als kaum noch zu übertreffenden Sportwagen zum Spartarif.

          Natürlich gibt es Fahrzeuge dieser Art, die schneller sind, die größere Namen tragen, die raffinierter sind in ihrer Technik und rassiger im Design, die höhere Leistung bieten, die besser verarbeitet sind und ihre Besatzung in Luxus und Leder oder im Schwulst ihrer kapriziösen Karossen schwelgen lassen. Der Nissan 350 Z ist nach dem Mazda MX-5 der erste Sportwagen überhaupt für jene Menschen, deren Lohnsteuer monatlich einbehalten wird. Vielleicht ist er gerade deshalb ein beinahe unvergleichlicher Genuß.

          Extreme für nicht zu üppige Menschen

          Nissan widerstand bei der Fortsetzung seiner Z-Historie vor allem der Versuchung, sich mit der sonst üblichen Attitüde der rückwärts gerichteten Wehleidigkeit aus der Kiste der Zitate zu bedienen. Dabei hätte Nissan dafür gute Gründe, die Japaner haben schließlich den - nach Stückzahlen gerechnet - erfolgreichsten Sportwagen der Welt gebaut, vor allem deshalb, weil die Amerikaner die großartigen Typen 240/280 und deren Z-Ableitungen praktisch inhaliert hatten. Das waren relativ einfach konstruierte Dinger auf Rädern, die eher wegen langer Motorhauben und nicht wegen satter Motorisierung die Assoziationen zu Sportwagen geweckt hatten. Aber sie waren relativ leicht und vor allem puristisch, und damit sind wir mittendrin im Wesen des neuen Nissan 350 Z: Sein stark konturiertes Charaktermerkmal ist die Ausstrahlung der Einfachheit, seine Aura der sportlichen Schlichtheit. Vor allem bei den europäischen High-Tech-Monstern oder in den modischen Bübchenschaukeln ist das einstige innere Wesen des idealen Sportwagens immer mehr verlorengegangen.

          Knappes Raumangebot und Cockpit-Atmosphäre

          Aber gleichzeitig ist der Nissan ein moderner Sportwagen. Denn statt alte Gedanken zu zitieren ließ Carlos Ghon, der vom Franzosen bei Renault zum Japaner bei Nissan mutierte, neue Ideen zeichnen. Entstanden ist die in alle Richtungen unübersichtliche Karosserie für einen modernen Sportwagen, die keine Kompromisse kennt: knapp geschnitten sowohl außen wie auch innen, zwei nicht zu üppigen Menschen auf den Leib geschneidert. Am besten entern sie den Innenraum mit Hurra-Rufen, verbinden Rumpf und Extremitäten mit schöner Geschmeidigkeit zu einer Rolle seitwärts und finden sich dann in einer Sitzposition wieder, die mehr für große Fahrer als für kleine Kerle ideal ist. Der elektrisch verstellbare Sitz ist hart und schmal, und er greift nach dem Fahrer wie der Knacker nach der Nuß. Kleines Detail: Der Sitz für den Beifahrer ist bequemer.

          Routine und Atmosphäre

          Wie von selbst fällt die Hand auf den knubbeligen Schaltknauf, das Volant liegt mit der richtigen Neigung in passender Reichweite, es hat die griffige Stärke, und die Augen fokussieren Instrumente, die einfach sind und vielleicht deshalb gut. Daß man nicht alle wirklich prima ablesen kann, gehört zum Charakter der charmanten Unperfektion, es entsteht Cockpit-Atmosphäre.

          Verarbeitung und Materialwahl sind routiniert, das mit Liebe zum Detail gehäkelte Deckchen (aber gelochte Pedale zur aberwitzigen Gewichtsverringerung) sucht man vergebens, die Ausstattung ist komplett, der Mangel an Ablagen stört. Hinter den beiden Plätzen gibt es keine Notsitze, zur Not findet hier Gepäck sein Unterkommen. Unter der weit öffnenden Heckklappe legt sich eine mächtige Domstrebe quer (im prall gefüllten Motorraum gibt es hierzu ein Pendant, beide Verstrebungen sorgen für Steifigkeit), das Ladevolumen liegt bei 240 Liter. Die Zuladung ist mit 292 Kilogramm genügend, die Beifahrerin hätte in unserem Fall 200 Kilo wiegen dürfen. Tat sie aber nicht.

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