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Fahrtbericht : Die heile Welt von Playmobil und Legoland

  • -Aktualisiert am

Smart Roadster Bild: Hersteller

Der MCC Smart Roadster ist das richtige Spielzeug für Autofahrer die nicht auf Alltagstauglichkeit angewiesen sind. Dennoch, mit einfacher Bedienung und direkten Reaktionen ist der Roadster ein solides Auto.

          4 Min.

          Partystimmung herrscht im Land. Vielleicht nicht gerade wegen beeindruckenden wirtschaftlichen Erfolgs, eher aufgrund der automobilen Vielfalt. Und wenn die Jäger der verlorenen Jugend die Nasen in den die Falten glättenden Wind halten, wählen sie gern schillernde, eng geschnittene Kleider. Das ist nur zum Teil praktisch, weil für den Alltag nicht tauglich, wohl aber dafür, mit Discoklängen Eindruck zu machen. Alle Sucher der herrlichen Unvernunft haben jetzt ein Ziel: Beim Smart-Händler vibriert der Roadster.

          Der knappe Wagen polarisiert: Der junge Mann im Astra neben uns rümpft die Nase. Und der Audi-A4-Fahrer aus Aschaffenburg, der uns vor lauter Neugier so wunderbar hinter einem Lastwagen ausbremste, sprach garantiert noch gleichen Tags beim MCC-Händler vor. Dort wird er erfahren haben, daß der auffällig kostümierte und stark geschminkte Roadster für 18 330 Euro zu haben ist. Ein Peugeot 206 CC ist 160 Euro billiger, ein Mazda MX 5 1.660 Euro teurer.

          Aber der Smart Roadster ist auffälliger, und er bereitet mindestens genausoviel Fahrspaß wie die Konkurrenten. Mehr noch, 60 kW (82 PS) Leistung, kombiniert mit nur 820 Kilogramm Gewicht, ermöglichen einen höchst schneidigen Auftritt. Der Dreizylinder röhrt nur ein wenig kläglich hinter den Sitzen wie ein Hirsch aus Legoland, vielleicht erinnert der Klang manchen an eine betagte Yamaha XS 750 mit defektem Auspuff. Aber das Motörchen (0,7 Liter Hubraum) schiebt das bißchen Auto mächtig an. 110 Newtonmeter Drehmoment gibt es maximal zwischen 2.250 und 4.500 Umdrehungen ab, ein Turbolader hilft, und so gelingt eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 11,1 Sekunden. Seine Höchstgeschwindigkeit erreicht der kernigste aller Smarts bei 179 km/h. Der Durchschnittsverbrauch lag bei 7,1 Liter Super Plus für 100 Kilometer, 35 Liter Vorrat sind an Bord. Das sind keine besonders eindrucksvollen Werte. Aber der Roadster ist ein markiger Bursche, direkt in allen seinen Funktionen und Reaktionen, ausgestattet mit wenig mehr als dem Nötigsten und dennoch nicht unkomfortabel.

          Seit April 2003 im Handel: der Smart Roadster

          Ruhige Nehmerqualitäten

          Sein Antritt ist überraschend kräftig, bei mittleren Drehzahlen nimmt der Motor willig Gas an. Diese Munterkeit leidet jedoch erheblich unter den zwar verbesserten, doch immer noch nicht zufriedenstellenden Eigenschaften des sequentiellen Sechsganggetriebes. In der Automatikstellung schaltet es mitunter wirr hin und her, wechselt meist direkt vor einer Kurve oder vor dem Bremsen in einen höheren Gang, braucht aber dann nach dem Gasgeben lange, um sich zu sortieren und die passende Übersetzung anzubieten. Die Behäbigkeit der Schaltbox steht im krassen Widerspruch zu der sonst höchst befriedigenden Präzision und Konzentriertheit des kleinen Autos. Die direkte Lenkung läßt keine Mißverständnisse zu, der Roadster folgt der gewählten Richtung unverzüglich und läßt sich allenfalls von gröbsten Unebenheiten ein wenig in seiner Zielsicherheit beirren. Sein Fahrverhalten ist eher gutmütig und frei von unliebsamen Überraschungen, ESP ist serienmäßig an Bord, und die Karosserie wirkt unerhört steif. Die Bremsanlage arbeitet zwar ohne die geliebte feine Dosierbarkeit, aber selbst bei übermäßiger Beanspruchung ohne Ermüdungserscheinungen. Die elektrische Servolenkung, die MCC als Extra für 810 Euro (nur in Verbindung mit Bordcomputer, Tempomat und automatischer Scheibenwischerregelung) anbietet, vermißten wir nicht. Der leichte Smart läßt sich ohne Lenkunterstützung prima rangieren, selbst im Stand ist das Volant mit wenig Kraftaufwand zu drehen.

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