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Fahrtbericht : Die Demokratisierung von High-Tech ist nicht billig

  • -Aktualisiert am

VW Golf V Bild: VW

Vielleicht wäre es tatsächlich lohnender dem Golf V noch ein wenig Zeit zu geben, denn ein lärmiger Motor und nicht wirklich sensationelle Neuerungen geben Anlaß zu Verbesserung.

          3 Min.

          Noch ist die Wahl nicht wirklich quälend: die Entscheidung für einen neuen VW Golf wird dem Zweifelnden zur Zeit noch von einem vergleichsweise knappen Angebot erleichtert. Wer jetzt kauft, wird von der Zahl der Varianten und Versionen noch nicht verwirrt, diese Klarheit der Kraft und der Karosserien geht erst im weiteren Lebenslauf des Wolfsburger Bestsellers verloren. Zum Verkaufsstart des Golf in seiner fünften Generation gibt es zwei Otto- und zwei Dieselmotoren, drei Ausstattungslinien, eine nette Liste Extras, und die Wahl zwischen zwei oder vier Türen. Nach dem einleitenden Technik-Rendezvous (F.A.Z. vom 2. September) hatten wir jetzt Gelegenheit zu ersten Probefahrten. Daraus sind ein paar Ratschläge entstanden für Leser, die weitere Golf-Offerten nicht abwarten mögen und richtig hungrig sind auf den neuen.

          Generell gilt für alle Versionen: Sie bemühen sich um die Demokratisierung von High Technology, besonders beim Fahrwerk und in der Sicherheit. Gleichzeitig aber offenbart der neue Golf einen Mangel an zügigem Fortschritt. Eher zaghaft, so scheint es, haben sich seine Macher und Planer an den Möglichkeiten des konventionellen Vorankommens orientiert. So sind alle Werte für die Steifigkeit der Karosserie und für die Sicherheit und den Komfort des Fahrwerks im Vergleich zum Vorgänger deutlich besser. Und die Beteuerungen der Verantwortlichen, der neue Golf setze nun wirklich neue Maßstäbe bei der Qualität, klingen glaubhaft. Aber da hatten wir auch nichts anderes erwartet. Daß jetzt sechs Airbags in der Basisausstattung (Trendline) enthalten sind, daß es bereits hier überall elektrische Fensterheber gibt (der Aufpreis für vier Türen beträgt deshalb fast tausend Euro), daß Servolenkung und Zentralverriegelung ebenso anwesend sind wie die variable Rücksitzbank und fünf Kopfstützen, ist der Anerkennung wert, aber nicht wirklich sensationell.

          Wie neu ist neu wirklich?

          Das vielleicht für die VW-Neuheit zu kurzfristig vom Gesetzgeber legalisierte Kurvenlicht, den im nächsten Jahr bei der Golf-Konkurrenz antretenden Startergenerator, eine höhere Flexibilität des Innenraums und eine neue Generation von Triebwerken mit leiserem Lauf und geringerem Konsum wird man vergeblich in den Ausstattungslisten suchen. Statt dessen entdeckt man auf der Mittelkonsole zwischen den Sitzen, integriert in den Becherhalter, den herausnehmbaren Kronenkorkenheber, das ultimative Instrument zum Vermeiden des Dosenpfands. Wir werden in einem intensiveren Bericht der Frage nachgehen, wie neu der neue VW Golf wirklich ist.

          Der Golf V

          Untadelig baut sich der Ausstattungsumfang auf, allerdings begleitet von einer Preisentwicklung, die zu Bluthochdruck führen kann. Daß die Einstiegsversion (mit leicht verbessertem Ausstattungsumfang) dem kleinen, auch bei bescheidenen Dynamikansprüchen überforderten 1,4-Liter-Motor bei 15.220 Euro liegt, ist eine schöne Geste. Aber nicht mehr. Denn schon mit identischer Motorisierung, als Comfortline positioniert, sind 1.630 Euro mehr zu zahlen. Dafür gibt es einige nützliche Dinge (Temporegelanlage, automatisch abblendender Innenspiegel), aber für eine Klimaanlage sind (auch bei Comfort- und Sportline) immer 1.225 Euro (halbautomatische Regelung) oder 1.525 Euro (vollautomatische Zonenregelung) nötig. Mit einem gut ausgestatteten viertürigen Golf V (Navigation 2.340, Leder etwa 2.000, Leichtmetallräder 1.400, Dekoreinlage 825, Sidebags hinten 265, Schiebedach 810 und Textilfußmatten vorn und hinten 88 Euro), der angetrieben wird vom starken TDI, in Verbindung mit Sportline und dem noch nicht lieferbaren DSG (Doppelschaltgetriebe) kann man 34.000 Euro ausgeben.

          Abwarten und Tee trinken

          Als wenig reizvoll empfanden wir bei der ersten Probefahrt den 1,6-Liter-Otto mit FSI-Technik (85 kW/115 PS, Sechsgangschaltgetriebe). Die Maschine läuft lärmig, klingt wie ein älterer Diesel, dreht unlustig hoch und ist nicht besonders durchzugsstark. Für Fälle ruhigerer Beförderung ohne hohe Temperamentsansprüche eignet sich der kleine 1,4-Liter mit Saugrohreinspritzung. Mehr Ottomotoren gibt es zur Zeit nicht. Auch die Diesel sind erst nur ein Duo, beide mit Pumpedüse-Technik arbeitend und beide erste Wahl: wunderbare Drehmomententwicklung, unerwartet leiser Lauf, relativ geringe Vibrationen, Verbrauchswerte zwischen 5,5 und 7 Liter auf 100 Kilometer, im nächsten Jahr gibt es einen aufpreispflichtigen Partikelfilter, Euro 4 erfüllen die Motoren natürlich längst - ohne Filter. Ein Automatikgetriebe ist noch nicht zu haben, das famose DSG kommt erst im nächsten Jahr. Vielleicht sollte man mit dem Kauf des Golf V warten.

          Daten und Meßwerte:

          Typ 1.4 1.6 FSI 1.9 TDI 2.0 TDI
          Hubraum¹) 1390 1598 1896²) 1968²)
          Leistung (kW/PS) 55/75 85/115 77/105 103/140
          Verbrauch (l/100 km) 6,8 S 6,4 S 5,0 D 5,4 D
          V/max (km/h) 164 192 187 203
          Preis (Euro) 15.220 17.995 18.650 22.652

          ¹) Kubikzentimeter, ²) Dieselmotor

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