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Fahrtbericht : Der feine Diesel ist endlich auch hier Standard

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Spritsparen und flottes Fahren gelingen mit dem Opel Vectra 2.2 DTI trefflich. Der starke Motor in Verbindung mit Präzision und erfreulichem Fahrgefühl machen ihn zu einem angenehmen Reisewagen.

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          Nein, die Fenster lassen wir lieber zu. Sonst hämmerte der harte, metallische Klang doch zu ungedämpft aufs Trommelfell, der ganze Spaß an einer mit prächtigem Drehmoment verknüpften Sparsamkeit wäre dahin. Also bleiben die Scheiben oben, die Klimaautomatik sorgt für das Wohlbefinden der Passagiere, und so wollen wir die - mit vollem Tank theoretisch möglichen - 1.000 Kilometer bis zur nächsten Zapfsäule auf komfortable, sichere Art im Opel Vectra 2.2 DTI genießen.

          Was nicht jeder weiß: Opel ist einer der frühen Anbieter von Dieselmotoren. Mit der Rekordfahrt eines Versuchsfahrzeugs, das mit einem Selbstzünder bestückt war, schärfte man vor 31 Jahren die Sinne möglicher Kunden für das nagelnde Dieselgeräusch, das wenig später unter der Haube der Baureihe mit dem Namen Rekord hervordringen sollte. Eine besondere Kompetenz bei dieser Motorenart hat die Rüsselsheimer Marke freilich in der Folgezeit nicht entwickelt. Vielmehr legte man Ende der neunziger Jahre auf Geheiß der Muttergesellschaft General Motors den Schwerpunkt der Dieselentwicklung in die Hände des Tochterunternehmens Isuzu in Japan. Ungeachtet der Tatsache, daß die Söhne Nippons sich mit der Akzeptanz des selbstzündenden Verbrennungsmotors arg schwertun.

          Sei's drum, das 2,2-Liter-Triebwerk im Vectra ist ein Opel-Gewächs der jüngsten Generation, der stärkste Diesel, der in dieser Baureihe zu haben ist. 21.950 Euro kostet die so motorisierte Mittelklasse-Limousine in Basisausstattung, ein etwas größerer, geringfügig kräftigerer VW Passat (gut zehn Zentimeter länger, 3,7 kW/5 PS mehr) schlägt gleich mit 24.700 Euro zu Buche.

          Akustisch auffällig geworden

          Beim Vergleich der gefahrenen Ausstattungsstufe wird der Unterschied noch deutlicher. 24.450 Euro kostet der Vectra in Elegance-Ausführung, die in vergleichbarer Weise bestückte Passat-Variante Highline steht für 27.400 Euro in der Liste. Und der um 0,3 Liter größere Hubraum des Opel ist seiner Sache dienlich. Denn er entfaltet seine Kraft wesentlich harmonischer, als dies beim kleineren VW-Aggregat geschieht. Die Leistung zupft weniger heftig an den Köpfen der Insassen, die Drehmomentkurve hat einen harmonischeren Verlauf, der Einsatz des Turboladers führt zu nachdrücklicher, aber nicht brachialer Beschleunigung. Am oberen Ende des gut nutzbaren Drehzahlbereichs bricht die Leistung wiederum nicht plötzlich völlig weg, das Drehmoment fällt nicht ohne Vorwarnung in den Keller. Im Alltag ermöglicht dies eine komfortable Art der Fortbewegung, das Kopfnicken auf dem Beifahrersitz zeugt nicht von überraschender Leistungsexplosion, sondern signalisiert Sympathie für die zügige, doch komfortable Art des Beschleunigens. In Kauf nehmen müssen Umstehende freilich die akustische Auffälligkeit des Opel-Diesels. Zum Innenraum hin ist die Geräuschisolierung nahezu perfekt; ein sonores Schnurren, das Vertrauen weckt und fast beruhigend wirkt, ist alles, was vom Nageln ankommt. Am kalten Wintermorgen ist das gemeine Hämmern jedoch dazu angetan, die Nachbarschaft aus den Betten zu holen.

          92 kW (125 PS) stellt der mit vier Ventilen in jedem Brennraum bestückte Vierzylinder bereit. Das maximale Drehmoment von 280 Newtonmeter wird von 1.500 bis 2.750 Umdrehungen in der Minute geliefert. Eine vernünftige Leistungsmenge gibt der mit Common-Rail-Technik arbeitende Motor bereits bei etwa 1.200/min ab, was den bewußt treibstoffsparenden Mobilisten vor gewisse Schwierigkeiten stellt. Denn im fünften Gang des handgeschalteten Getriebes rotiert die Kurbelwelle bei 50 km/h mit nur wenig mehr als 1.000/min. Zum Dahinrollen ohne besondere Leistungsanforderung reicht das, Gasgeben quittiert der Motor dann jedoch mit arg gequält klingenden Laufgeräuschen. Schaden tut's ihm nicht, aber der Fahrer muß Nervenstärke beweisen, um die mit verbrauchssenkenden Drehzahlen verbundenen Mißtöne zu ertragen.

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