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Fahrtbericht : Das Lächeln der Wissenden

  • -Aktualisiert am

Familienauto mit extravagantem Design: Mazda3 Bild:

Endlich wieder ein Mazda der das Zeug zum Multitalent hat: Raum, Kraft, Emotion und Nutzen reichen sich bei diesem Auto die Hände und ergänzen sich zu einem gekonnten Mittelklassewagen.

          4 Min.

          Mazda trug viele Jahre die steinerne Miene eines ernsten Sumoringers, der abspecken mußte. Jetzt trägt Mazda das lachende Gesicht eines fröhlichen Sumoringers, der noch an Gewicht zulegen darf: Die japanische Marke hat sich nach Jahren belangloser Autos wieder gefangen, sich neu definiert, und sie führt frische Emotionen aus dem Land des Lächelns heran. Sie löst ein sympathisch wirkendes Schmunzeln aus (Werbespruch: Zoom, zoom, trallala) und sorgt gleichzeitig für erhöhtes Interesse beim Betrachter. Das kann dieser nach dem Typ 6 jetzt für den Typ 3 bekunden. Auch der folgt im Design den genialischen Linien der jüngeren Mittelklasse von Alfa Romeo, er tritt auf wie die Wucht in Dosen und führt in die Klasse des VW Golf ganz neue Qualitäten ein. Wir haben den neuen Mazda3 gefahren und nicht nur äußeren Schein, sondern auch innere Werte entdeckt.

          Die Karosserie hat die optische Kraft des Bizeps am Arm des großen Ringers Tokugawasan. Wie auf seinem Bauch gibt es am Auto nur wenige Linien, die großen Flächen wirken konzentriert, vorn wird mit gebremster Aggressivität gespielt, hinten hockt der Mazda wie der auf seinen Fersen tänzelnde Sumokämpfer auf der Straße. Aber der Typ 3 ist dennoch ein braver Wagen, der seine Eigenschaften der bürgerlichen Nützlichkeit nicht verleugnen mag. Dafür sorgen die üppigen Abmessungen und der großzügig dimensionierte Aufbau, alles Versprechen auf den lichten Raum.

          Ausgewachsen und gut sortiert

          In der Tat entfernt sich der Mazda schon mit seinen äußeren Abmessungen und mit seinem sehr langen Radstand (62 Millimeter mehr als im neuen Golf V) von den räumlichen Vorgaben jeglicher Konkurrenten: Er bietet den Platz eines ausgewachsenen Autos, hinten können sogar drei Figuren einigermaßen anständig reisen, die Kniefreiheit ist üppig, der Scheitel gerät nicht in Gefahr. Der Einstieg nach hinten fordert freilich eine gewisse Gelenkigkeit. Die Lehne der Rücksitzbank ist ein zu zwei Drittel geteilt, die Sitzfläche bleibt an ihrem Platz, es entsteht eine Ladetiefe von etwa 155 Zentimeter. So läßt sich der doch knapp geratene Kofferraum (Breite 105 Zentimeter) auf Kosten des Innenraums erweitern. Die Zuladung geht in Ordnung, aber beim Verstauen markiert der Mazda3 trotz der niedrigen Ladekante und des gut verkleideten Abteils keine Spitzenposition. Die Ebene des Kofferraums liegt etwa 12 Zentimeter tiefer als die Ladekante.

          Viel Platz im Innenraum

          Der Fahrer betritt den Mazda ohne ungebührliche Verrenkungen und findet einen gut sortierten Arbeitsplatz vor. Sein Sessel ist komfortabel gepolstert, er ist vielfältig verstellbar, einfach zu justieren und ungewöhnlich weit nach hinten zu schieben. Zusammen mit dem in Höhe und Neigung verstellbaren Lenkrad ergibt sich eine Position, die das gesamte Auto auf den Fahrer fokussiert: Die Instrumente liegen in tiefen Höhlen, man mag das als sportlich empfinden. Alles liegt prima in Reichweite, für manche Bedienungstasten muß man eine längere Gewöhnungsphase einplanen, und Verarbeitung, Materialwahl sowie Ausstattung können mit Respekt bedacht werden. Es gibt eine ausreichende Menge an Ablagen. Auf der Rücksitzbank ist der mittlere Platz nicht der angenehmste Aufenthaltsort, der Dreipunkt-Sicherheitsgurt ist mit zwei Steckösen etwas umständlich zu befestigen, er liegt aber gut an und ist vor allem mehr als nur ein Beckengurt.

          Bisher nur Benzinmotor dafür aber mit Charakter

          Die Ausstattung erinnert an vergangene Zeiten: Japanische Autos haben alles, und deutsche Autos haben die Zubehörliste. Schon die serienmäßige (und sehr patent arbeitende) Klimaanlage hebt den Mazda aus dem Umfeld seiner Klassenkonkurrenten heraus; soll sie automatisch geregelt werden, sind lediglich 250 Euro vonnöten. Für das im Armaturenträger integrierte Navigationssystem sind 2300 Euro aufzuwenden. Vorn und rundum an den Seiten gibt es Airbags; ABS und ein elektronisches Stabilitätsprogramm runden die Liste ebenso ab wie die Zentralverriegelung mit Fernbedienung. Das gleichfalls aufpreisfreie Radio ist nicht von bester Qualität, die Lautsprecher sind David Bowie kaum gewachsen.

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